Deutsche Tageszeitung - Ukraine wirft Georgien "Folter" von inhaftiertem Ex-Präsidenten Saakaschwili vor

Ukraine wirft Georgien "Folter" von inhaftiertem Ex-Präsidenten Saakaschwili vor


Ukraine wirft Georgien "Folter" von inhaftiertem Ex-Präsidenten Saakaschwili vor
Ukraine wirft Georgien "Folter" von inhaftiertem Ex-Präsidenten Saakaschwili vor / Foto: © POOL via Georgian public Broadcaster/AFP/Archiv

Die Ukraine hat Georgien vorgeworfen, den inhaftierten georgischen Ex-Präsidenten Michail Saakaschwili zu foltern. Es sei "nicht akzeptabel", wie Saakaschwili behandelt werde, erklärte das Außenministerium in Kiew am Dienstag. Deshalb sei der georgische Botschafter einbestellt worden. "Die georgischen Behörden müssen aufhören, diesen ukrainischen Staatsbürger zu foltern", hieß es weiter.

Textgröße ändern:

Der seit knapp zwei Jahren inhaftierte Saakaschwili, der die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzt, war am Montag abgemagert und gebrechlich zu einer Gerichtsanhörung erschienen. Daraufhin forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den georgischen Botschafter auf, nach Tiflis zurückkehren, um sich dort für die "Rettung" Saakaschwilis einzusetzen. Der Diplomat solle die Ukraine "innerhalb von 48 Stunden verlassen", sagte Selenskyj.

Die Kreml-nahe georgische Regierungspartei Georgischer Traum bezeichnete die Entscheidung der ukrainischen Regierung als "beleidigend". "Aber wir wollen weiter mit der Ukraine befreundet sein, auch einseitig, weil sich das Land im Krieg befindet", sagte der Parteivorsitzende Irakli Kobachidse.

Der ehemalige georgische Präsident Saakaschwili war wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs festgenommen worden, als er 2021 nach einem langen Exil in der Ukraine nach Georgien zurückkehrte. In der Haft verschlechterte sich der Gesundheitszustand des 55-Jährigen und er verlor nach Angaben seiner Ärzte mehr als die Hälfte seines Körpergewichts. Ihren Angaben zufolge schwebt Saakaschwili in Lebensgefahr.

Der Ex-Präsident wird derzeit in einem zivilen Krankenhaus festgehalten, wo er georgischen Behörden zufolge eine angemessene medizinische Versorgung erhält. Der ukrainische Präsident Selenskyj verlangte mehrfach, ihn in eine ukrainische Klinik oder ins Ausland zu verlegen. Auch die EU und die USA forderten Georgien auf, Saakaschwili medizinisch zu versorgen und seine Rechte zu wahren.

Die von Saakaschwili gegründete georgische Oppositionspartei kündigte für Dienstagabend einen Protestmarsch an, um Saakaschwilis Freilassung zu fordern.

Der Politiker war von 2004 bis 2013 Präsident Georgiens. In seine Amtszeit fiel der Krieg im Jahr 2008 zwischen Georgien und Russland um die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien, bei dem Georgien unterlag. In beiden Regionen unterhält Russland seither eine starke Militärpräsenz.

Der Europarat nannte Saakaschwili einen "politischen Gefangenen", die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, die Art seiner Behandlung sei "offensichtliche politische Rache".

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: