Deutsche Tageszeitung - Medizin: 3700 Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit registriert

Medizin: 3700 Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit registriert


Medizin: 3700 Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit registriert
Medizin: 3700 Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit registriert / Foto: © AFP/Archiv

Mehr als 3700 Behandlungsfehler hat der Medizinische Dienst in Deutschland für das vergangene Jahr registriert. In mehr als 2800 Fällen seien diese Ursache für einen gesundheitlichen Schaden gewesen, teilte der Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung am Donnerstag in Berlin mit. Er erklärte: "Unsichere Versorgung hat nicht nur Folgen für die geschädigten Patientinnen und Patienten. sie kostet das Gesundheitssystem Milliarden Euro."

Textgröße ändern:

Insgesamt wurden 12.304 mutmaßliche Behandlungsfehler gemeldet, die der Medizinische Dienst überprüfte. Davon bestätigte sich also etwa jeder vierte Verdacht. In 134 Fällen stellten die Gutachterinnen und Gutachter der Kassen sogenannte Never Events fest - also potenziell schwerwiegende, vermeidbare Fehler etwa bei der Medikamentengabe, im Körper zurückgebliebene Gegenstände nach einer Operation oder Verwechslungen von Patienten.

Nach Angaben des Medizinischen Dienstes gibt es bei Behandlungsfehlern außerdem eine hohe Dunkelziffer. Wissenschaftlichen Studien zufolge sei davon auszugehen, dass nur drei Prozent der vermeidbaren Schadensfälle nachverfolgt und statistisch erfasst würden, teilte er mit.

Er forderte "die Verpflichtung der Ärztinnen und Ärzte und anderer Gesundheitsfachkräfte, Patientinnen und Patienten umgehend zu informieren, wenn bei einer Behandlung etwas schiefgelaufen ist". Außerdem solle es systematische Vorbeugung geben. Als Voraussetzung dafür sieht der Medizinische Dienst ein verpflichtendes Meldesystem für vermeidbare Schäden.

Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, unterstützte die Forderung nach einer verpflichtenden Information der Patienten. Außerdem forderte sie "eine Weiterentwicklung der Patientenrechte und eine Absenkung der Beweislast", da es hohe juristische Hürden gebe.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte: "Selbst wenn ein Behandlungsfehler angenommen wird, warten Betroffene oft viele Jahre auf Schadensersatz und Schmerzensgeld." Er forderte "endlich den seit Jahrzehnten von der Politik versprochenen Härtefallfonds".

Der Medizinische Dienst erklärte in seiner Mitteilung auch, wie Patientinnen und Patienten beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler vorgehen können. Sie können sich an ihre Krankenkasse wenden, die wiederum den Medizinischen Dienst mit einem Gutachten beauftragen kann. Bei einem tatsächlichen Behandlungsfehler wird dann geprüft, ob der gesundheitliche Schaden dadurch verursacht wurde. Nur dann kann es Anspruch auf Schadenersatz geben.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: