Deutsche Tageszeitung - Krankenkasse: Alleinerziehende psychisch besonders stark belastet

Krankenkasse: Alleinerziehende psychisch besonders stark belastet


Krankenkasse: Alleinerziehende psychisch besonders stark belastet
Krankenkasse: Alleinerziehende psychisch besonders stark belastet / Foto: © AFP/Archiv

Alleinerziehende stehen einer Umfrage der Krankenkasse KKH zufolge psychisch besonders unter Druck. 61 Prozent fühlen sich stark belastet, wie die KKH am Mittwoch in Hannover mitteilte. Bei zusammenlebenden Eltern sind es hingegen nur 31 Prozent. Alleinerziehende haben zudem mehr Sorgen um das Einkommen oder Angst vor einem sozialen Abstieg.

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Knapp zwei Drittel der befragten Alleinerziehenden fühlen sich durch ihren Alltag und ihren Beruf häufig gestresst. Bei Paarfamilien sind es 47 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, dass die Belastungen in den vergangenen zwei Jahren zunahmen.

"Die Umfrageergebnisse sind ein eindeutiges Warnsignal", erklärte Aileen Könitz von der KKH. Überforderung könne zu chronischer Erschöpfung und Depression führen. Ein-Eltern-Familien seien besonders gefährdet. Davon betroffen seien vor allem Frauen, denn neun von zehn alleinerziehenden Elternteilen seien Mütter.

"Alleinerziehende Mütter leiden häufiger als Väter an stressbedingten psychischen Krankheitsbildern wie Anpassungsstörungen und in der Folge auch an Depressionen", erklärte Könitz. Das liege nicht daran, dass sie seelisch instabiler seien. Sie seien einfach stärker belastet.

Ein fehlender sozialer Rückhalt ist laut Umfrage ebenfalls ein großer Risikofaktor für die Gesundheit. 34 Prozent der Alleinerziehenden fühlen sich durch mangelnde Unterstützung stark belastet. Bei Elternpaaren sind es 24 Prozent. "Gerade Einsamkeit ist ein starker Treiber für psychische Instabilität", erklärte Könitz. Häufig entstehe ein Teufelskreis, weil zu wenig Zeit für Kontaktpflege zu Einsamkeit führe, was die psychische Gesundheit beeinträchtige.

Knapp drei von vier Alleinerziehenden berichten von Müdigkeit und Schlafstörungen durch Stress. Bei Paarfamilien sind es 58 Prozent. Zwei Drittel der Alleinerziehenden fühlen sich ausgebrannt. Sie leiden auch häufiger unter psychischen Beschwerden.

"Die Arbeit, die vor allem Alleinerziehende leisten, wird von der Gesellschaft immer noch unterschätzt", erklärte Könitz. Damit verbundene Probleme seien nach wie vor ein Tabu. "Doch es sind nicht die Eltern, die hier versagen, sondern es sind unsere gesellschaftlichen Normen, es sind die Rahmenbedingungen, unter denen sie ihr Leben schultern müssen", fügte Könitz hinzu. Sie forderte von der Politik eine bessere Unterstützung für Alleinerziehende. Für die Erhebung wurden 1005 Eltern befragt.

(B.Izyumov--DTZ)

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