Deutsche Tageszeitung - Behandlung von Long-Covid: Bestimmte Wirkstoffe künftig Kassenleistung

Behandlung von Long-Covid: Bestimmte Wirkstoffe künftig Kassenleistung


Behandlung von Long-Covid: Bestimmte Wirkstoffe künftig Kassenleistung
Behandlung von Long-Covid: Bestimmte Wirkstoffe künftig Kassenleistung / Foto: © AFP/Archiv

Long-Covid-Patienten erhalten einen erleichterten Zugang zu Arzneimitteln. Betroffenen mit Long- und Post-Covid können künftig bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente auch außerhalb ihrer zugelassenen Anwendungsgebiete verordnet werden, wie der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Textgröße ändern:

Bislang gibt es keine speziell zugelassenen Medikamente für die Behandlung von Long Covid. Allerdings werden Patienten bereits mit verschiedenen Arzneimitteln behandelt, die die Symptome lindern können. Der G-BA hat nun geregelt, dass vier Wirkstoffe im sogenannten Off-Label-Use-Verfahren verordnet werden können, also außerhalb der Bereiche, für die sie eigentlich zugelassen sind. Im konkreten Fall sind die Medikamente für Herzschwäche, Diabetes und bei schwerer Depression zugelassen.

Einer der Wirkstoffe kann künftig auch bei Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um eine neuroimmunologische Erkrankung, die oft mit schwerer Erschöpfung und Schmerzen einhergeht und häufig bei Long-Covid auftritt. Mit der Corona-Pandemie war die Zahl der Betroffenen deutlich gestiegen.

"Es besteht weiterhin dringender Bedarf an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu guten Therapiemöglichkeiten bei Long/Post-COVID und natürlich auch bei ME/CFS", erklärte Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA. Off-Label-Use könne "nur eine Behelfsoption sein, besser sind arzneimittelrechtlich abgesicherte Zulassungsverfahren".

Long-Covid-Symptome treten Experten zufolge bei etwa zehn bis 15 Prozent der mit dem Coronavirus infizierten Erwachsenen auf. Post Covid oder Long Covid beschreibt die Langzeitfolgen, die nach einer Sars-CoV-2-Infektion bei Erwachsenen, seltener auch bei Kindern und Jugendlichen auftreten können.

Konkret definiert werden als Long Covid Symptome, die nach einer akuten Infektion oder Erkrankung auch nach mehr als vier Wochen noch nicht abklingen. Das Post-Covid-Syndrom bezeichnet Beschwerden, die noch mehr als zwölf Wochen nach der Infektion oder Erkrankung bestehen oder neu auftreten, mindestens zwei Monate anhalten und anderweitig nicht erklärbar sind.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: