Deutsche Tageszeitung - Tödlicher Hantavirus-Ausbruch auf Schiff: Bemühungen zur Eindämmung laufen auf Hochtouren

Tödlicher Hantavirus-Ausbruch auf Schiff: Bemühungen zur Eindämmung laufen auf Hochtouren


Tödlicher Hantavirus-Ausbruch auf Schiff: Bemühungen zur Eindämmung laufen auf Hochtouren
Tödlicher Hantavirus-Ausbruch auf Schiff: Bemühungen zur Eindämmung laufen auf Hochtouren / Foto: © AFP

Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff laufen die Bemühungen zur Eindämmung des Virus international auf Hochtouren. Eine Kontaktperson ohne Symptome wird in der Uniklinik Düsseldorf nach Angaben der Klinik vom Donnerstag auf den Erreger getestet, auch in anderen Ländern waren Menschen im Krankenhaus oder daheim in Quarantäne. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verzeichnete am Donnerstag fünf bestätigte Infektions- und drei Verdachtsfälle, sah trotz des Ausbruchs jedoch nicht den Beginn einer neuen Pandemie.

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Das niederländische Kreuzfahrtschiff "Hondius" hatte zuletzt tagelang vor Kap Verde vor der Westküste Afrikas vor Anker gelegen, nachdem das Hantavirus an Bord festgestellt worden war. Am Mittwoch wurden zwei erkrankte Besatzungsmitglieder aus Großbritannien und den Niederlanden sowie eine 65-jährige Deutsche, die offenbar Kontakt zu einer am 2. Mai auf dem Schiff gestorbenen Deutschen hatte, von Bord geholt und nach Amsterdam gebracht. Ein vierter betroffener Mensch landete am Donnerstag in Amsterdam.

Für die Deutsche organisierten die Feuerwehr und das Universitätsklinikum Düsseldorf den Weitertransport nach Düsseldorf. Die Frau hat nach Angaben der Klinik keine Symptome und wird unter anderem "infektiologischen Untersuchungen" unterzogen. Das Konsiliarlabor für Hantaviren am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat nach RKI-Angaben bereits Proben der Kontaktperson zur Testung auf das Andesvirus erhalten, der in Südamerika verbreiteten einzigen Variante des Hantavirus, die nachgewiesenermaßen von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Zwei in die Niederlande evakuierte Menschen wurden nach Angaben vom Donnerstag positiv auf das Virus getestet. Zwei Briten, die an Bord der "Hondius" gewesen waren, wurden nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien von den Behörden angewiesen, sich in Quarantäne zu begeben. Sie waren nach Behördenangaben zunächst symptomfrei.

In Dänemark begab sich ein "Hondius"-Passagier den Behörden zufolge in Selbstisolation. In Singapur wurden zwei Passagiere der "Hondius" in Quarantäne genommen und auf das Virus getestet. Die Gesundheitsbehörden des Stadtstaats teilten mit, einer der Betroffenen habe eine "laufende Nase", der andere sei symptomfrei.

Das Kreuzfahrtschiff, das seit Sonntag mit rund 150 Menschen an Bord vor Kap Verde vor Anker gelegen hatte, nahm am Mittwoch Kurs auf die Kanareninsel Teneriffa, wo es am Sonntag erwartet wird. Nach Angaben des Regionalpräsidenten der Kanaren, Fernando Clavijo, wird das Schiff "vor der Küste" Teneriffas vor Anker gehen.

Die Evakuierung der Passagiere werde mit "einem Boot oder einem kleinen Schiff erfolgen". Es soll die Passagiere seinen Angaben zufolge von dem Kreuzfahrtschiff abholen und sie direkt zum nahegelegenen Flughafen Teneriffa Süd bringen. "Auf keinen Fall werden die Passagiere das Schiff verlassen, bevor die Flugzeuge am Flughafen sind", fügte Clavijo hinzu.

Nach der Evakuierungsaktion sind nach Angaben des Kreuzfahrtveranstalters Oceanwide Expeditions "keine symptomatischen Personen" mehr an Bord. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, den vorliegenden Erkenntnissen zufolge befinde sich "eine mittlere einstellige Zahl von Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit" an Bord der "Hondius". An ihrem Rücktransport sind demnach außer dem AA auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie das RKI beteiligt.

Die "Hondius" war am 1. April mit 114 Passagieren und dutzenden Besatzungsmitgliedern an Bord in Ushuaia in Argentinien gestartet. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb nach Angaben von Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Am 2. Mai starb auf dem Schiff zudem eine Passagierin aus Deutschland, ihre Leiche ist weiterhin auf dem Schiff.

Die WHO vermutet, dass sich der Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging. Nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums hatte er mit seiner Frau seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay bereist. Das Ministerium schickte nun Experten in die Provinz Feuerland im Süden des Landes, in der auch Ushuaia liegt, um Proben von Nagetieren zu nehmen.

Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Nur bei dem in Südamerika vorkommenden Virustyp ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich.

Angesichts der langen Inkubationszeit, die bis zu sechs Wochen betragen könne, sei es möglich, "dass weitere Fälle gemeldet werden", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyes am Donnerstag. Die WHO versuchte jedoch zu beruhigen: "Das ist nicht der Beginn einer Epidemie. Das ist nicht der Beginn einer Pandemie", sagte WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove.

"Wir glauben, dass es sich um einen begrenzten Ausbruch handeln wird, sofern die Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit umgesetzt werden und alle Länder Solidarität zeigen", ergänzte der Leiter der WHO-Abteilung für Notfallalarm und -reaktion, Abdi Rahman Mahamud.

(W.Uljanov--DTZ)

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