Deutsche Tageszeitung - Hantavirus: Kreuzfahrt-Passagiere von den Kanaren ausgeflogen

Hantavirus: Kreuzfahrt-Passagiere von den Kanaren ausgeflogen


Hantavirus: Kreuzfahrt-Passagiere von den Kanaren ausgeflogen
Hantavirus: Kreuzfahrt-Passagiere von den Kanaren ausgeflogen / Foto: © AFP

Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" haben evakuierte Passagiere und Besatzungsmitglieder die Heimreise angetreten. Sondermaschinen brachten am Sonntag die ersten Betroffenen nach Spanien, Frankreich und Kanada. Vier Deutsche starteten am Nachmittag gemeinsam mit weiteren Betroffenen mit einer niederländischen Maschine in Richtung Niederlande und sollten anschließend nach Deutschland gebracht werden. Weitere Flüge in mehrere Länder waren geplant.

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Drei Passagiere des Schiffs waren in den vergangenen Wochen am Hantavirus gestorben, darunter eine Deutsche. Unter den rund 150 Insassen des Kreuzfahrtschiffs wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO drei weitere Infektionen mit dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Anden-Hantavirus nachgewiesen, zudem gibt es zwei Verdachtsfälle.

Mit einer Sondermaschine wurden am Sonntagmorgen zunächst 14 spanische Passagiere und Besatzungsmitglieder zu einem Militärflughafen nach Madrid geflogen und in ein Armeekrankenhaus gebracht. Am Nachmittag landete eine Maschine mit fünf Franzosen nördlich von Paris. Die Kreuzfahrtpassagiere sollten zunächst für drei Tage in einer Klinik unter Quarantäne gestellt und gründlich untersucht und anschließend 45 Tage zu Hause unter Quarantäne gestellt werden.

Vier deutsche Insassen des Schiffs wurden am Abend im niederländischen Eindhoven erwartet, wo sie nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums von Vertretern des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (Stakob) in Empfang genommen und anschließend nach Deutschland gebracht werden sollten. Anfang der Woche sollen die Betroffenen dann in ihre jeweiligen Bundesländer transportiert und nach den Anordnungen der dortigen Gesundheitsämter unter Quarantäne gestellt werden.

Laut einer Liste der "Hondius"-Reederei befanden sich zuletzt sechs Deutsche an Bord des Kreuzfahrtschiffes; eine weitere Deutsche war Anfang des Monats am Hantavirus gestorben. Ihre Leiche bleibt an Bord des Schiffes, das am Montagabend mit den verbliebenen Besatzungsmitgliedern seine Fahrt in Richtung Niederlande fortsetzen soll.

Die in blaue Schutzanzüge gehüllten evakuierten Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden im Industriehafen von Teneriffa zunächst mit kleinen Booten an Land und dann mit Bussen zum Flughafen gebracht, wo sie an Bord der bereitstehenden Sondermaschinen gingen. Zuvor waren alle Insassen der "Hondius" an Bord noch einmal untersucht worden, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García Gómez betonte.

Auch wenn keiner der nun Evakuierten Symptome hat, gelten sie laut WHO aufgrund der langen Inkubationszeit des Hantavirus von bis zu sechs Wochen als "Hochrisikokontakte" und müssen 42 Tage unter Beobachtung bleiben. Zugleich betont die WHO, dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung "absolut gering" sei.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte die Evakuierung der "Hondius" zur Chefsache gemacht und war eigens nach Teneriffa gereist. In einem offenen Brief an die Bewohner der Insel bemühte er sich, Sorgen zu zerstreuen: "Dies ist kein neues Covid", betonte er mit Blick auf die Corona-Pandemie.

Gegen das Hantavirus, das schwere Atemwegserkrankungen und Nierenprobleme verursachen kann, gibt es keine Impfung. Mit Medikamenten lassen sich nur die Symptome bekämpfen, nicht jedoch die Ursache.

Die "MV Hondius" war am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb nach Angaben von Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, um die Leiche ihres Mannes in die Heimat zu begleiten. Zwei Tage später starb sie nach einem Flug nach Johannesburg im Krankenhaus. Am 2. Mai starb eine deutsche Passagierin an Bord der "Hondius".

Die WHO vermutet, dass sich der zuerst gestorbene Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging und sich das Virus anschließend an Bord von Mensch zu Mensch verbreitete. Nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums hatte das niederländische Paar seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay bereist.

In mehreren Ländern haben die Behörden die Suche nach möglichen Kontaktpersonen von "Hondius"-Passagieren aufgenommen. Eine Deutsche, die mit der später verstorbenen Deutschen Kontakt hatte und bereits vor ein paar Tagen von Bord geholt wurde, wurde im Universitätsklinikum Düsseldorf negativ auf das Hantavirus getestet.

(B.Izyumov--DTZ)

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