Deutsche Tageszeitung - Paritätischer pocht auf mehr Effizienz im Sozialsystem statt Leistungskürzungen

Paritätischer pocht auf mehr Effizienz im Sozialsystem statt Leistungskürzungen


Paritätischer pocht auf mehr Effizienz im Sozialsystem statt Leistungskürzungen
Paritätischer pocht auf mehr Effizienz im Sozialsystem statt Leistungskürzungen / Foto: © AFP/Archiv

Der Paritätische Gesamtverband hat Vorschläge vorgelegt, wie sich aus seiner Sicht der Sozialstaat effizienter und gerechter gestalten ließe, ohne Benachteiligte zu belasten. Zugleich warnte der Verband am Freitag eindringlich vor Einschnitten zum Nachteil von sozial Schwachen, wie sie derzeit in der schwarz-roten Koalition diskutiert würden. "Was bislang hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde, darf nicht umgesetzt werden", verlangte Hauptgeschäftsführer Joachim Rock.

Textgröße ändern:

Besonders dringlich ist aus Sicht des Paritätischen die Lage in der Pflege, wo die Soziale Pflegeversicherung bis 2028 auf ein Defizit von mehr als 20 Milliarden Euro hinsteuere. Dies ließe sich jedoch abwenden, auch ohne Leistungen zu kürzen, heißt es in dem Papier. So sollten versicherungsfremde Leistungen wie Beiträge für Menschen in der Grundsicherung über Steuern finanziert werden statt aus der Pflegekasse. Zudem müsse der Bund 5,2 Milliarden Euro zurückzahlen, die er noch aus der Corona-Zeit der Pflegeversicherung schulde.

"Wer Sozialausgaben effizienter gestalten will, darf nicht nur auf die Leistungen blicken, sondern muss auch die Verwaltungsstrukturen des Staates selbst in den Blick nehmen", heißt es zudem in den Papier. Ein erheblicher Teil der 37 Einsparvorschläge bezieht sich denn auch auf mehr Effizienz bei der Organisation von Sozialleistungen und Antragsverfahren durch mehrjährige Förderzeiträume, mehr Pauschalisierungen, den Abbau von Parallelstrukturen und Stichprobenkontrollen statt aufwändiger Prüfungen einzelner Belege.

Versicherungsfremde Leistungen sollen auch im Gesundheitsbereich über Steuern statt Beiträge finanziert werden, ebenso die Mütterrente bei der Altersversorgung. Die Beitragsbasis der Kassen will der Paritätische etwas im Pflegebereich durch eine Einbeziehung weiterer Gruppen verbreitern. Mehr Prävention soll hohe Folgekosten vermeiden.

Umgekehrt warnt der Verband vor künftigen Mehrbelastungen durch die Pläne von Union und SPD. "Wer bei Prävention spart, gibt später das Dreifache für Krisenintervention aus", warnte Rock. Das gelte etwa für die Kinder- und Jugendhilfe, wo Schwarz-Rot offensichtlich Einschnitte vornehmen wolle. "Ein Kind, das zu spät Unterstützung bekommt, landet häufiger in stationärer Unterbringung – vorne gespart, hinten doppelt bezahlt", rechnet der Paritätische dazu vor.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: