Deutsche Tageszeitung - Trotz GKV-Reform: Mehrheit der Deutschen glaubt nicht an stabile Beiträge

Trotz GKV-Reform: Mehrheit der Deutschen glaubt nicht an stabile Beiträge


Trotz GKV-Reform: Mehrheit der Deutschen glaubt nicht an stabile Beiträge
Trotz GKV-Reform: Mehrheit der Deutschen glaubt nicht an stabile Beiträge / Foto: © AFP/Archiv

Trotz des jüngst beschlossenen Sparprogramms der Regierung für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) glaubt eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland nicht an dauerhaft stabile Beiträge. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes hervor, über welche die Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Donnerstag berichten.

Textgröße ändern:

Der Umfrage zufolge rechnen 88 Prozent der Deutschen damit, dass die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung noch in diesem oder im kommenden Jahr weiter steigen werden. Nur zehn Prozent halten weitere Beitragserhöhungen für eher unwahrscheinlich, der Rest war unentschieden.

Die Skepsis ist damit den Angaben zufolge trotz der Reform sogar noch leicht gewachsen. Bereits kurz nach der Bundestagswahl 2025 hatten in einer vergleichbaren Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK 86 Prozent der Befragten mit weiteren Beitragserhöhungen gerechnet. Bei der nun unmittelbar nach der Verabschiedung des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes vorgenommenen Umfrage waren es 88 Prozent.

Mit der GKV-Reform sei "zwar eine solide Grundlage für eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik geschaffen" worden, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, den Funke-Zeitungen. "Das Versprechen von tatsächlich stabilen Beiträgen ist aber für eine große Mehrheit in der Bevölkerung offensichtlich nicht glaubhaft." Es werde deshalb "nun eine der wichtigsten ersten Aufgaben des neuen Gesundheitsministers Carsten Linnemann sein, diese Zusage einzulösen und das Sparpaket abzusichern - und nicht durch weitere Ausnahmen aufzuweichen."

Die schwarz-rote Regierung hatte am letzten Tag vor der parlamentarischen Sommerpause mit der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat ihr hoch umstrittenes GKV-Sparprogramm über die Ziellinie gebracht. Es sieht unter anderem höhere Zuzahlungen für Medikamente, Einschränkung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern und begrenzte Vergütungen für Ärzte und Krankenhäuser vor.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

"Ein reines Kürzungspaket": SPD droht mit Blockade der Pflegereform

Die SPD droht damit, den für kommende Woche geplanten Kabinettsbeschluss zur Pflegereform zu blockieren. "Wir akzeptieren keine Leistungskürzung in der Pflege", erklärte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf. "Ein reines Kürzungspaket" mache die SPD-Fraktion nicht mit, betonte auch Fraktionschef Matthias Miersch. Medienberichten zufolge sind für Montag weitere Verhandlungen zwischen Union und SPD geplant. Mehrere Verbände forderten indes ein schnelles Verabschieden der Reform.

Krankenhausgesellschaft fordert schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Angesichts des massiven Fachkräftemangels im Gesundheitssektor hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) eine schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse gefordert. "Die Anerkennungsbürokratie bleibt in Deutschland leider sehr kompliziert und langwierig", sagte DKG-Vorstandsvize Henriette Neumeyer der "Augsburger Allgemeinen" vom Samstag. "Wir fordern bundesweit einheitliche Verfahren und Zuständigkeiten." Derzeit würden Anträge noch von den Landesärztekammern bearbeitet mit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Anforderungen. Hinzu kämen komplizierte und selten digitalisierte Visa-Prozesse.

Appelle und persönliche Schicksale: Bundestag debattiert über Organspende

Organspende als Frage des Gewissens: In einer nachdenklich geführten und teils mit persönlichen Schicksalen untermauerten Debatte hat der Bundestag am Donnerstag über eine Neuregelung debattiert. Während die Befürworter einer sogenannten Widerspruchslösung zu einer bewussten Entscheidung für oder gegen eine Organspende aufriefen, warnten die Verfechter einer Beibehaltung der Freiwilligkeit vor einer Einmischung des Staates. Einig waren sich die Redner in der Notwendigkeit, die Zahl der Spender zu erhöhen.

Debatte über Reform von Organspende im Bundestag begonnen

Im Bundestag hat am Donnerstag eine Debatte um die Neuregelung der Organspende begonnen. Die Abgeordneten berieten in erster Lesung über einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Einführung der sogenannten Widerspruchslösung. Diese zielt darauf ab, dass künftig grundsätzlich jeder als Organspender in Frage kommt, der dem nicht ausdrücklich widerspricht. Damit soll die Zahl dringend benötigter Organspenden erhöht werden.

Textgröße ändern: