Deutsche Tageszeitung - Wenn die Enkelbetreuung Grosseltern an die Belastungsgrenze bringt

Wenn die Enkelbetreuung Grosseltern an die Belastungsgrenze bringt


Wenn die Enkelbetreuung Grosseltern an die Belastungsgrenze bringt
Wenn die Enkelbetreuung Grosseltern an die Belastungsgrenze bringt

Donnerstag ist bei P. (64) Grosi-Tag.

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Donnerstag ist bei P. (64) Grosi-Tag. Dann hütet sie ihre beiden Enkelkinder, fünf und sieben Jahre alt. Daneben arbeitete sie. «Das wurde mir zu viel», schreibt sie auf unseren Community-Aufruf . Seit Mai arbeitet sie in einem reduzierten Pensum, Ende Jahr wird sie pensioniert. Darauf freut sie sich: «Dann wird auch das Hüten kein Stressfaktor mehr sein und ich bin viel flexibler. » Wie erschöpft das Enkelhüten machen kann, beschreibt Community-Mitglied Schnüggerli: «Nach einem Hütetag bin ich abends fix und fertig und schlafe schon um halb neun vor dem Fernseher ein.

» Auf dem Programm stehen oft: «Spiele, Hallenbad oder Basteln – ich liebs. » Ein Lebenselixier, das einen ausbrennen kann Die Enkel lieben und vom Hüten ausgebrannt sein? Passt offenbar bestens zusammen. Roger (78) und Hanni (75) nennen die gemeinsame Zeit ein «Lebenselixier», auch wenn sie manchmal «ganz schön geschafft» seien. Auch Marianne Leber (64) komme beim Enkelhüten manchmal an ihre Grenzen. Sie ist Grosi, berät aber auch andere Grosseltern rund um Familienthemen. Lebers Enkel wohnen in der Nähe. So kann sie eine Beziehung zu ihnen aufbauen, bleibt mit ihren Töchtern in Kontakt und unterstützt sie so, wie sie es sich früher selbst gewünscht hätte.

«Es gibt mir Energie, sie aufwachsen zu sehen. » Wenn gejauchzt, gehüpft, gesprungen und gekämpft wird, sehe Leber darin pure Lebensfreude. «Da wird es mir in der Wohnung aber auch schnell einmal zu laut oder gefährlich. » Gebrauchtwerden hat seinen Preis «Viele Grosseltern freuen sich, dass sie gebraucht werden. Gerade deshalb verlieren sie die eigene Energie leicht aus den Augen», erklärt Sozialarbeiter und Grossvaterberater René Setz gegenüber 20 Minuten. Er kennt das Thema aus Beratungen und dem Grosseltern-Treff der Mütter- und Väterberatung Kanton Bern. Was zu viel ist, lässt sich laut Setz nicht an einer bestimmten Anzahl Hütetage festmachen. Manche Grosseltern kümmern sich zusätzlich um ihre betagten Eltern , andere arbeiten noch.

Auch ein weiteres Enkelkind kann eine bisher funktionierende Aufteilung in die Erschöpfung kippen. Einfach Nein sagen ? In der Familie stehen laut Setz oft Pflichtgefühl und Ängste im Weg. Manche fürchten Streit oder weniger Kontakt zu den Enkeln. Andere wissen, dass ihre Kinder eine zusätzliche Betreuung bezahlen müssten. «Kinderbetreuung ist auch Arbeit – unbezahlte» Wie dringend Eltern Unterstützung brauchen können, erzählt S. (35). Sie hat ein dreijähriges Kind und Drillinge im Säuglingsalter.

Ihre Eltern hätten früh klargemacht, dass sie keine Enkelbetreuung übernehmen und ihre Freiheit geniessen möchten. S. respektiert das. Traurig mache es sie trotzdem: «Gerade in unserer Situation wäre schon eine gelegentliche Entlastung unglaublich wertvoll. » Auch wer wegen der Kinder zu Hause bleibe, brauche Pausen. «Kinderbetreuung ist schliesslich auch Arbeit – nur eben unbezahlte und oft rund um die Uhr. » Pausen brauchen beide Generationen Leber wünsche sich von Grosseltern mehr Verständnis für den Alltag ihrer Kinder: «Unsere Vergleiche vom Elternsein früher und heute nützen jungen Eltern nichts. Sie brauchen unsere Begleitung mit den Lebensbedingungen von heute.

» Wie viel Unterstützung möglich ist, hänge allerdings auch von der Kraft der Grosseltern ab. Müde nach dem Hüten zu sein, ist laut Setz ganz normal. «Ernst wird es, wenn die Erholung ausbleibt. » Wer auch nach freien Tagen erschöpft ist, schlecht schläft , schneller gereizt reagiert oder Hobbys und Freundschaften aufgibt, brauche Entlastung. Setz rät, die Betreuung zu reduzieren oder zu pausieren. Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt er eine Abklärung in der hausärztlichen Praxis. Absprachen sind wichtig: «Dienstags kann ich, mittwochs nicht» Wie oft, wie lange, wer bezahlt das Essen und wer springt bei Krankheit ein? Solche Fragen gehören laut Setz früh auf den Tisch.

Hilfreich ist, beim Neinsagen gleich zu benennen, was geht: «Dienstags kann ich hüten, mittwochs nicht. » Auch für Leber ist wichtig, dass Familien ihre Absprachen anpassen können. «Einmal getroffene Abmachungen sollen gelegentlich wieder besprochen und verändert werden können. » Setz erlebt zudem: «Ein klares, freundliches Nein wird oft besser akzeptiert, als Grosseltern befürchten. » Dass die Freude an den Enkeln nach einem anstrengenden Tag schnell zurückkommt, zeigen auch Schnüggerlis Erfahrungen: «Spätestens am übernächsten Tag vermisse ich die Kinder und würde sie am liebsten wieder zu mir holen. »

(L.Møller--DTZ)

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