Deutsche Tageszeitung - Grünen-Politikerinnen und DDR-Opfer kritisieren Söder für Äußerungen über Lemke

Grünen-Politikerinnen und DDR-Opfer kritisieren Söder für Äußerungen über Lemke


Grünen-Politikerinnen und DDR-Opfer kritisieren Söder für Äußerungen über Lemke
Grünen-Politikerinnen und DDR-Opfer kritisieren Söder für Äußerungen über Lemke / Foto: © AFP/Archiv

Für eine Äußerung in seiner Aschermittwochsrede über Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) ist CSU-Chef Markus Söder scharf kritisiert worden. "Das ist eines Ministerpräsidenten wirklich unwürdig", sagte Lemke selbst am Donnerstag den Sendern RTL und ntv. Söder wisse genau, was er da tue. "Das ist nicht im Bierrausch gewesen, sondern ein ganz bewusster Angriff." Söder hatte die aus Ostdeutschland stammende Ministerin in seiner Rede in Passau als eine "grüne Margot Honecker" bezeichnet.

Textgröße ändern:

Lemke sei ein Musterbeispiel, wie die Grünen mit immer neuen Auflagen die Freiheit der Fleißigen einschränken wollten, sagte Söder weiter. Die verstorbene Margot Honecker war die Ehefrau von Erich Honecker, dem Staatsratsvorsitzenden der DDR, und als Ministerin für Volksbildung selbst Teil der Führungsspitze des SED-Staats.

Lemke mahnte zur Vorsicht im politischen Meinungsstreit: "Es gibt eine nervöse und aufgeheizte Stimmung in unserer Gesellschaft, weil wir in schwierigen Zeiten leben." Kriege, Inflation und Klimakrise würden die Menschen verunsichern.

Alle Vertreter des demokratischen Spektrums müssten eine Debattenkultur vorleben, die Hetze und Gewalt entschieden ablehne, betonte auch Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic (Grüne) in der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). Söder werde dieser Verantwortung aber wiederholt nicht gerecht, "wenn er wie zuletzt bei seiner Aschermittwoch-Rede den gesellschaftlichen Diskurs vergiftet, Gräben vertieft und Lunten legt, wo er eine explosive Stimmung vermutet".

Von einer "Scharfmacherei" sprach am Donnerstag im Deutschlandfunk auch die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt. "Das finde ich wirklich brutal." Söder wisse nicht, was Diktatur bedeute, sagte die Bundestags-Vizepräsidentin zum Vergleich von Lemke mit Margot Honecker. Göring-Eckardt verwies zudem darauf, dass Lemke in Opposition zum DDR-Regime stand.

Ebenfalls scharfe Kritik kommt vom Dachverband der DDR-Opfer, der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Dessen Vorsitzender Dieter Dombrowski sprach von "einem dem Politischen Aschermittwoch geschuldeten, unpassenden Vergleich". Er betonte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Margot Honecker war eine richtige Kriminelle und eine kommunistische Verbrecherin. Frau Lemke ist das definitiv nicht." Dieser Vergleich sei deshalb nicht angemessen. "Und lustig ist er auch nicht."

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt in Fall Fernandes - Keine Angabe zu Ulmen

Im Fall der von der Schauspielerin Collien Fernandes erhobenen Vorwürfe der digitalen sexualisierten Gewalt hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe ihre zuletzt ruhenden Ermittlungen wieder aufgenommen. Nach Prüfung der Medienveröffentlichungen in der Sache seien die Ermittlungen wieder aufgenommen worden, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Peter Müller-Rakow, am Freitag auf Anfrage. Damit wird außer im spanischen Mallorca nun auch in Deutschland wieder ermittelt.

Paul McCartney kündigt neues Album an - Erster Song veröffentlicht

Ex-Beatle Paul McCartney hat nach mehr als fünf Jahren Pause einen neuen Song veröffentlicht und ein neues Album angekündigt. Das Album "The Boys of Dungeon Lane" beschäftige sich mit McCartneys Jugend in Liverpool vor dem Aufstieg zum Ruhm und werde die Hörer "dorthin mitnehmen, wo alles begann", hieß es am Donnerstag auf der Website des Musikers. Erscheinen soll es am 29. Mai.

Veruntreutes Vermögen von Filmstar Ursula Andress: Beschlagnahmung in Italien

In Italien haben Ermittler Immobilien, Grundstücke und andere Vermögenswerte im Gesamtwert von 20 Millionen Euro beschlagnahmt, die mit veruntreuten Geldern von Filmstar Ursula Andress gekauft worden sein sollen. Wie die italienische Finanzpolizei am Donnerstag mitteilte, hatte die 90-jährige Schweizerin in ihrer Heimat Anzeige erstattet, nachdem sie eine "fortschreitende und erhebliche Verringerung" ihres Vermögens bemerkt hatte. Andress verdächtigt ihren eigenen Vermögensverwalter.

Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge mit 94 Jahren gestorben

Der Filmemacher, Fernsehproduzent und Schriftsteller Alexander Kluge ist tot. Er starb wenige Wochen nach seinem 94. Geburtstag am Mittwoch in München, wie der Suhrkamp-Verlag am Donnerstag mitteilte. Kluge zählte zu den führenden deutschen Intellektuellen, sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet.

Textgröße ändern: