Deutsche Tageszeitung - SPD-Politiker: Zugang zu Integrationskursen wird wieder etwas erleichtert

SPD-Politiker: Zugang zu Integrationskursen wird wieder etwas erleichtert


SPD-Politiker: Zugang zu Integrationskursen wird wieder etwas erleichtert
SPD-Politiker: Zugang zu Integrationskursen wird wieder etwas erleichtert / Foto: © AFP/Archiv

Zwischen Fachpolitikern der SPD-Fraktion und dem Bundesinnenministerium gibt es laut SPD eine zumindest teilweise Verständigung über den Zugang von Migrantinnen und Migranten zu Integrationskursen. "Ich bin froh, dass wir uns auf eine Kompromisslösung verständigt haben und der generelle Zulassungsstopp in dieser Form vom Tisch ist", erklärte der SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler am Dienstag in Berlin. Das Bundesinnenministerium äußerte sich dazu zunächst nicht.

Textgröße ändern:

Über die Einigung hatten zuvor WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" berichtet. "Es wird künftig keine pauschalen Ablehnungen mehr für freiwillige Integrationskursteilnehmer geben", erklärte nun Fiedler. "Stattdessen haben wir eine kontingentierte Öffnung für freiwillige Teilnahmen vor allem für ukrainische Geflüchtete und Unionsbürger, die wieder in Arbeit kommen sollen, erreicht."

Diese soll nach den Worten Fiedlers ab 1. Juni gelten. "Damit sichern wir auch das Kursangebot in der Fläche und sorgen wieder für mehr Planungssicherheit", betonte der SPD-Politiker. Der Zugang zu den Kursen war von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) eigenmächtig eingeschränkt worden. Erst am Freitag hatte auch der Bundesrat eine Lösung angemahnt.

Der SPD-Abgeordnete Hakan Demir räumte allerdings ein, dass noch die finanzielle Ausgestaltung des Kompromisses fehle: "Ob es ausreichenden Zugang in den nächsten Jahren gibt, hängt jetzt von den Haushaltsverhandlungen ab", erklärte er. "Als SPD stehen wir zu den Integrationskursen", fügte er hinzu. Demir bedauerte, dass es in den vergangenen Monaten für Kursanbieter wegen des eingeschränkten Zugangs eine "Phase der Planungsunsicherheit" gegeben habe. Dies dürfe sich nicht wiederholen.

Vorgesehen ist laut "Süddeutscher Zeitung" eine Deckelung der Gesamtausgaben. Daraus ergebe sich ein Kontingent von freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, bei denen die Kosten übernommen würden. Dabei sollten "Gruppen mit besonderem Integrationsbedarf" priorisiert werden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Angaben aus Koalitionskreisen.

Vorrang sollen demnach Menschen haben, die auf Grundlage von Paragraf 24 des Aufenthaltsgesetzes vorübergehenden Schutz in Deutschland genießen. Das betrifft derzeit vor allem Geflüchtete aus der Ukraine. Ebenfalls priorisiert werden sollten Bürgerinnen und Bürger anderer EU-Staaten, die für den deutschen Arbeitsmarkt von Bedeutung seien.

Der Umfang des Kontingents an weiter kostenlosen Kursen für Menschen ohne gesicherte Bleibeperspektive solle an den jeweiligen Bundeshaushalt und die Finanzplanungen geknüpft sein, hieß es weiter. In welchem Maße auch zum Beispiel Geflüchtete aus anderen Ländern von der Verständigung profitieren würden, blieb zunächst unklar.

"Für Personen im Asylverfahren stehen die Erstorientierungskurse als Integrationsangebot zur Verfügung", erklärte dazu Fiedler. Diese sollten ab November erheblich ausgebaut werden. "Jeder Euro in Integration zahlt sich aus", betonte der SPD-Politiker. Sprach- und Integrationskurse erhöhten die Chance auf Arbeit, Ausbildung, Steuern und Sozialbeiträge. Wer hier kürze, spare kurzfristig "und zahlt langfristig über Bürgergeld, Fachkräftemangel und gescheiterte Integration drauf", warnte er.

Seit Einführung der Kurse vor rund 20 Jahren haben mehr als vier Millionen Menschen daran teilgenommen. Sie gelten als Schlüssel für Migrantinnen und Migranten, um die deutsche Sprache zu lernen. Pro Person fallen laut Bericht Kosten von etwa 3000 Euro an.

Um im Haushalt zu sparen, wollte Dobrindt nur noch Integrationskurse für jene Menschen bezahlen, die dauerhaft in Deutschland bleiben können. Außen vor blieben damit auch Menschen, die nicht als asylberechtigt anerkannt sind, jedoch auf Grundlage einer Duldung legal in Deutschland leben. In der SPD hatten viele das eigenmächtige Vorgehen Dobrindts als Bruch des Koalitionsvertrages betrachtet.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Vor Wahl in Sachsen-Anhalt: Kulturinstitutionen starten Kampagne für Vielfalt

Knapp vier Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat ein Bündnis von Kulturinstitutionen des Landes eine Kampagne für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt gestartet. Die Aktion #stolzaufVielfalt solle deutlich machen, "dass die unterschiedlichen Menschen, Erfahrungen und Perspektiven in unserem Land keine Gegensätze sind, sondern eine gemeinsame Stärke, unsere Kultur", erklärten mehr als ein Dutzend Organisationen am Dienstag in Dessau.

Versehentlich Tod des Königs gemeldet: Britischer Sender verstieß gegen Regeln

Ein britischer Lokal-Radiosender hat im Mai versehentlich eine Falschmeldung über den angeblichen Tod von König Charles III. gesendet und anschließend gegen Regeln des britischen Rundfunkrats verstoßen. Es handle sich um eine "sehr schwerwiegende Ungenauigkeit", zudem sei nach der Falschmeldung sehr viel Zeit bis zu einer Korrektur verstrichen, rügte der Rundfunkrat am Montag.

Bund will NS- und SED-Gedenkstätten stärker fördern

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) will den Gedenkstätten zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der SED-Diktatur im kommenden Jahr zusätzlich zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen. Davon entfallen fünf Millionen Euro auf Projektförderungen und weitere fünf Millionen Euro auf die institutionelle Stärkung der vom Bund geförderten Gedenkstätten, wie die Regierung am Montag in Berlin mitteilte. Berücksichtigt sind auch Kosten für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.

Französische Sängerin Vanessa Paradis gibt Trennung von Regisseur Benchetrit bekannt

Die französische Sängerin und Schauspielerin Vanessa Paradis und der Regisseur und Schriftsteller Samuel Benchetrit haben sich nach fast zehn Jahren Beziehung getrennt. Die beiden hätten "einvernehmlich ihre Trennung bekannt gegeben", würden sich aber weiterhin "mit Respekt und Zuneigung begegnen", teilte Paradis' Agent am Donnerstag in einer Erklärung mit. Paradis und Benchetrit hatten am 30. Juni 2018 geheiratet.

Textgröße ändern: