Deutsche Tageszeitung - Auch in Deutschland werden Impfungen möglicherweise zeitlich gestreckt

Auch in Deutschland werden Impfungen möglicherweise zeitlich gestreckt


Auch in Deutschland werden Impfungen möglicherweise zeitlich gestreckt
Auch in Deutschland werden Impfungen möglicherweise zeitlich gestreckt / Foto: ©

In Deutschland wird möglicherweise ebenso wie in Großbritannien die zweite Corona-Impfung verschoben, um das Präparat zeitnah mehr Menschen verabreichen zu können. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lässt diese Möglichkeit prüfen, wie aus einem Schreiben seines Hauses hervorgeht, das der Nachrichtenagentur AFP am Montag vorlag. Die Bundesregierung verteidigte die Beschaffung des Serums auf europäischer Ebene. Der zögerliche Impfstart sorgt inzwischen für Unstimmigkeiten in der großen Koalition.

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Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institut solle nach Sichtung entsprechender Daten eine Empfehlung zur möglichen zeitlichen Streckung der zweiten Impfung abgeben, heißt es in dem Schreiben des Gesundheitsministeriums. Darin wird auf die in Großbritannien geübte Praxis verwiesen, den zeitlichen Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung weit über die in der Zulassung maximal vorgesehenen 42 Tage hinaus zu verlängern.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürwortete die Prüfung einer gestreckten Impfung. Er selbst halte das für richtig, sagte er der "Passauer Neuen Presse" vom Montag.

Im Zuge des schleppenden Starts der Impfungen war die Kritik laut geworden, die EU habe vorab zu wenig von dem schließlich als ersten zugelassenen Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer bestellt. Dazu sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: "Wir sind überzeugt, dass das der richtige Weg war und ist". Der europäische Zusammenhalt habe sich gerade in der Pandemie als wichtig erwiesen.

Seibert verwies auf eine "Impfallianz", der neben Deutschland zunächst Frankreich, Italien und die Niederlande angehört hätten. Nachdem sich andere Länder angeschlossen hätten, sei die EU-Kommission im Juni gebeten worden, die Verhandlungen mit den Herstellern zu führen.

Der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Hanno Kautz, sagte, das Problem sei nicht die Bestellmenge, sondern die Produktionskapazität. Der schleppende Start bei den Impfungen wird neben der erwarteten Verlängerung des derzeitigen Lockdowns auch Thema der Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder am Dienstag sein.

Auch Spahn verteidigte seine Strategie. Das Impfprogramm verlaufe wie vorhergesagt und geplant, sagte er nach Angaben des Bundestagspressedienstes in einer Videoschalte des Gesundheitsausschusses. Er rechne damit, dass sich die anfängliche Impfstoffknappheit in absehbarer Zeit in eine breite Verfügbarkeit verwandeln werde.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) zeigte sich verärgert über die wegen der Impfstoffbeschaffung von der SPD geäußerte Kritik an Spahn. Angesichts der Toten in der Pandemie "stelle ich mich nicht hin und mache Koalitionsspielchen", sagte er. Auch die SPD sei im Corona-Kabinett vertreten, etwa durch Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Er warne davor, "sich klammheimlich vom Boot zu schleichen".

Zuvor hatte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil im ARD-"Morgenmagazin" beklagt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Spahn keine bilateralen Verträge mit Biontech abgeschlossen hätten, obwohl bereits im November klar gewesen sei, "dass das ein guter Impfstoff ist". Er erwarte, dass die Bundesregierung "jetzt alle Pharmaunternehmen an einen Tisch" hole.

Die FDP sprach wegen der Probleme bei der Impfstoffbeschaffung von einer "Katastrophe". Schon vor Wochen sei absehbar gewesen, "dass Biontech bei der Zulassung des Impfstoffes die Nase vorne hat", erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin Christine Aschenberg-Dugnus. Daher hätte die Bundesregierung die zusätzliche Beschaffung früher angehen müssen.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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