Deutsche Tageszeitung - Regierung beschleunigt nach Kritik an Spahn Erforschung von Corona-Mutanten

Regierung beschleunigt nach Kritik an Spahn Erforschung von Corona-Mutanten


Regierung beschleunigt nach Kritik an Spahn Erforschung von Corona-Mutanten
Regierung beschleunigt nach Kritik an Spahn Erforschung von Corona-Mutanten / Foto: ©

Die Bundesregierung will die Ausbreitung von hoch infektiösen Mutanten des Coronavirus besser untersuchen. Einen entsprechenden Verordnungsentwurf leitete das Bundesgesundheitsministerium am Montag nach eigenen Angaben an die anderen Ressorts zur Prüfung weiter. Ziel sei es, bundesweit die so genannte Sequenzierung der Viren zu fördern, "um einen besseren Überblick über Virusmutationen zu bekommen", hieß es aus dem Ministerium.

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Bei einer Sequenzierung werden Corona-Testproben systematisch auf Mutationen - also auf Veränderungen - untersucht. Während in Deutschland nur etwa jeder 900. positive Corona-Test so einer Analyse unterzogen wird, geschieht das in Großbritannien mit etwa jedem 20. Test. Deshalb gibt es dort genauere Zahlen zum Ausmaß der Verbreitung von Virusmutationen. In Großbritannien sind die Infektionszahlen zuletzt explodiert. Die mutierte Virusvariante gilt als besonders ansteckend.

In Deutschland war zuletzt Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wegen der schleppenden Sequenzierung laut geworden. "Die geringe Datenbasis zur Verbreitung von Corona-Mutationen in Deutschland ist eine große Gefahr", sagte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner dem Berliner "Tagesspiegel" vom Montag.

Spahns Ministerium verwies am Montag darauf, dass der Bundestag erst kürzlich im dritten Bevölkerungsschutzgesetz die rechtliche Grundlage für die bundesweite Sequenzierung geschaffen habe. Erst dadurch sei es möglich, jetzt die Meldedaten der Sequenzierung "strukturiert zu erheben und beim Robert-Koch-Institut zusammenzuführen".

Der AFP vorliegende Entwurf sieht vor, dass sequenzierende Labore dem Robert-Koch-Institut einen Teil ihrer Daten übermitteln. Für die Übermittlung sollen sie 200 Euro erhalten. Dafür sollen die Labore wöchentlich bis zu fünf Prozent der Ergebnisse ihrer Virus-Untersuchungen an das Institut weiterleiten. Die Kosten trägt der Bund.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte dem "Tagesspiegel" mit Blick auf Spahn und die bislang schleppende Sequenzierung: "Es ist absolut sein Versäumnis." Er verwies auf deutliche Warnungen der Wissenschaft schon vor Ausbruch der Pandemie, dass Deutschland erhebliche Defizite bei der Genom-Sequenzierung habe.

Schon 2019, vor dem Bekanntwerden von einem Sars-CoV-2-Ausbruch, habe sich unter anderem die Gesellschaft für Virologie an Spahn gewandt und vergeblich einen Ausbau der Sequenzierungen gefordert. "Wir haben eine völlige Blackbox bei der Bedrohungslage", sagt Dahmen.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, betonte: "Aktuell haben wir eine brandgefährliche Wissenslücke, welche Mutationen in welchem Umfang in Deutschland im Umlauf sind." Spahns Ministerium teilte auf Tagesspiegel-Anfrage mit: "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer neuen Verordnung dazu. Damit sollen Labore zur molekularen Surveillance verpflichtet werden." Grundlage sei das dritte Bevölkerungsschutzgesetz

(I.Beryonev--DTZ)

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