Deutsche Tageszeitung - EU-Ermittlungen gegen Frontex nach Vorwürfen zur Zurückweisung von Migranten

EU-Ermittlungen gegen Frontex nach Vorwürfen zur Zurückweisung von Migranten


EU-Ermittlungen gegen Frontex nach Vorwürfen zur Zurückweisung von Migranten
EU-Ermittlungen gegen Frontex nach Vorwürfen zur Zurückweisung von Migranten / Foto: ©

Nach Vorwürfen der illegalen Zurückweisung von Flüchtlingen hat die EU-Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf Ermittlungen gegen die Grenzschutzbehörde Frontex aufgenommen. Die Olaf-Pressestelle in Brüssel bestätigte am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP, dass Ermittlungen "bezüglich Frontex" eingeleitet wurden. Die Behörde kann nicht nur bei Fällen von Betrug und Korruption ermitteln, sondern auch beim Verdacht von "schwerem Fehlverhalten" von EU-Mitarbeitern.

Textgröße ändern:

Deutsche und ausländische Medien hatten im Oktober über die angebliche Verwicklung von Frontex in illegale Zurückweisungen von Migranten durch die griechische Küstenwache berichtet. Frontex-Beamte waren demnach seit April nachweislich bei mindestens sechs sogenannten Pushbacks in der Ägäis in der Nähe gewesen. Teils gibt es zu den Vorfällen Videos.

Olaf wollte keine Angaben zum Gegenstand der Ermittlungen machen. Untersuchungen bedeuteten auch nicht, dass beteiligte Personen oder Einrichtungen in Unregelmäßigkeiten verwickelt seien, hieß es. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Aus EU-Kreisen hieß es aber, die Olaf-Ermittlungen stünden im Zusammenhang mit den Pushback-Vorwürfen sowie dem Verdacht auf Fehlverhalten und Schikanen innerhalb der Behörde. Frontex erklärte seinerseits, die Behörde "kooperiere vollständig mit Olaf".

Der "Spiegel" hatte berichtet, dass Olaf Anfang Dezember eine Durchsuchung im Sitz von Frontex in Warschau vorgenommen hatte, darunter auch das Büro von Behördenchef Fabrice Leggeri. Er hatte die Pushback-Vorwürfe ebenso wie die griechische Regierung wiederholt zurückgewiesen.

Die EU-Kommission hatte im November eine Sondersitzung des Verwaltungsrates von Frontex einberufen. Eine darauf gegründete Arbeitsgruppe soll ihren Bericht zu den Vorwürfen beim nächsten Treffen am 20. und 21. Januar vorlegen.

Frontex unterstützt Griechenland derzeit mit fast 600 Beamten. Sie helfen im Rahmen der Frontex-Operation "Poseidon" bei der Überwachung der Seegrenzen zur Türkei und bei der Identifizierung und Registrierung ankommender Migranten.

Die EU will die Behörde bis 2027 bis auf 10.000 Grenzschützer ausbauen. Derzeit läuft eine Rekrutierungskampagne.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Proteste in Indien: Modi kündigt harte Strafen für Prüfungsbetrug an

Angesichts der anhaltenden Proteste der sogenannten Kakerlaken-Bewegung gegen Missstände im indischen Bildungssystem hat Regierungschef Narendra Modi harte Strafen für Prüfungsbetrug angekündigt. "Wer versucht, der Zukunft unserer Jugend zu schaden, wird nicht verschont", erklärte Modi am Donnerstag in Onlinenetzwerken.

Nach Ankündigung von Seeblockade: Huthi-Miliz greift saudiarabische Öltanker an

Im Zuge des Iran-Krieges entwickelt sich offenbar eine weitere Front: Nur wenige Tage nach der Verkündung einer Seeblockade hat die mit Teheran verbündete jemenitische Huthi-Miliz im Roten Meer nach eigenen Angaben zwei saudiarabische Öltanker beschossen. Aus Saudi-Arabien hieß es, ein Schiff sei getroffen worden und ein Feuer an Bord ausgebrochen. Die US-Armee flog derweil die zwölfte Nacht in Folge Angriffe auf Ziele im Iran.

Bundesverfassungsgericht urteilt über Tempolimit für Gesetze

Das alte Heizungsgesetz der Ampelregierung beschäftigt noch einmal das Bundesverfassungsgericht. Am Donnerstag (10.00 Uhr) verkündet es in Karlsruhe sein Urteil über die Frage, ob das Gesetzgebungsverfahren im Sommer 2023 zu schnell lief. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann sieht die Abgeordnetenrechte verletzt, weil wegen kurzfristiger Änderungen am Vorschlag nicht genug Zeit zur Beratung und Prüfung gewesen sei. (Az. 2 BvE 4/23)

Lawrow und Rubio führen Gespräch am Rande von Außenministertreffen in Manila

Der russische Außenminister Sergej Lawrow will sich am Donnerstag in der philippinischen Hauptstadt Manila mit seinem US-Kollegen Marco Rubio treffen. Bei der Begegnung am Rande des Außenministertreffen der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean) dürfte es vor allem um die Kriege in der Ukraine und im Iran gehen. Auch wegen des Iran-Kriegs waren Gespräche über ein Ende der Gefechte in der Ukraine unter US-Vermittlung ins Stocken geraten.

Textgröße ändern: