Deutsche Tageszeitung - Deutschland und Europa bekommen vorübergehend weniger Biontech-Impfstoff

Deutschland und Europa bekommen vorübergehend weniger Biontech-Impfstoff


Deutschland und Europa bekommen vorübergehend weniger Biontech-Impfstoff
Deutschland und Europa bekommen vorübergehend weniger Biontech-Impfstoff / Foto: ©

Deutschland und andere europäische Länder bekommen in den nächsten Wochen weniger Impfstoff des Herstellerteams Biontech und Pfizer als geplant. Die Lieferungen würden für drei bis vier Wochen reduziert, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Freitag mit. Grund seien Umbaumaßnahmen im Pfizer-Werk im belgischen Puurs. Unterdessen wurde die angestrebte Produktion des Impfstoffs im hessischen Marburg behördlich genehmigt.

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Wie groß die Lieferausfälle in den kommenden Wochen ausfallen, teilte das Gesundheitsministerium nicht mit. In der "Bild"-Zeitung hieß es, womöglich könnten einige Lieferungen ganz ausfallen. Dafür gab es aber zunächst keine Bestätigung.

"Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern nehmen diese sehr kurzfristige wie unerwartete Mitteilung der Kommission und von Pfizer mit Bedauern zur Kenntnis", hieß es in der Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums. Dies gelte umso mehr, als Liefermengen zuvor von dem Unternehmen verbindlich zugesagt worden seien.

Nicht betroffen von der Kürzung ist laut Ministerium die für Montag geplante nächste Lieferung an Deutschland von rund 670.000 Impfdosen. Auch die Gesamtmenge der geplanten Lieferungen im ersten Quartal bleibe bestehen. In diesem Zeitraum sollten elf Millionen Impfdosen eintreffen. Da inzwischen aus einer Ampulle Impfstoff mit der richtigen Technik sechs statt fünf Dosen entnommen werden können, sollte sich diese Anzahl allerdings erhöhen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte in Lissabon, Pfizer habe zugesichert, dass alle der EU für das erste Quartal zugesagten Impfstoffdosen auch in diesem Zeitraum geliefert würden. Die Unternehmensspitze wolle die Verzögerungszeit verkürzen und dafür sorgen, "dass diese so schnell wie möglich aufgeholt wird".

Aus dem Pfizer-Werk in Puurs werden weltweit alle Länder außer den USA mit dem Biontech-Impfstoff beliefert. Nach Abschluss der Umbauarbeiten soll in der Produktionsstätte ab Mitte Februar mehr Impfstoff hergestellt werden als bisher.

Die Lieferkürzung war zuerst vom staatlichen Gesundheitsinstitut in Norwegen bekannt gegeben worden. "Die vorübergehende Kürzung wird alle europäischen Länder betreffen", hieß es dort. Konkrete Zahlen für ganz Europa wurden nicht genannt; in Norwegen wird die Liefermenge der kommenden Woche den Angaben zufolge um knapp 18 Prozent gekürzt. Litauen meldete für die nächsten vier Wochen sogar eine Reduktion um fast 50 Prozent.

In einem gemeinsamen Brief an die EU-Kommission zeigten sich sechs europäische Länder "tief besorgt" über die Problematik. Die Situation sei "inakzeptabel" und untergrabe die Glaubwürdigkeit der Impfkampagne, erklärten Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen und Schweden.

Künftig kann der Impfstoff auch in Deutschland hergestellt werden. Wie die hessische Staatskanzlei in Wiesbaden mitteilte, gab das zuständige Regierungspräsidium in Gießen am Freitag grünes Licht für die Produktion in Marburg. Das Mainzer Unternehmen Biontech hatte Anfang Dezember die Anträge für Umbau und Betrieb eines Werks in der Stadt gestellt. Die Produktion soll dort im Februar starten.

Impfungen sind derzeit der Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Corona-Pandemie. In Europa sind bisher das Produkt von Biontech und dessen US-Partner Pfizer zugelassen sowie das des US-Herstellers Moderna.

Für Deutschland meldete am Freitag das Robert-Koch-Institut (RKI) die bisher höchste Tageszahl an Impfungen seit Beginn der Immunisierungen Ende Dezember. Demnach wurden 94.654 Menschen geimpft. Sie benötigen für den vollen Schutz allerdings noch die zweite Impfdosis. Um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, müssten Schätzungen zufolge mehr als 60 Prozent der Bevölkerung zweimal geimpft sein, bisher sind es bei den Erstimpfungen 1,16 Prozent.

(V.Sørensen--DTZ)

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