Deutsche Tageszeitung - Kinderrechte-Kompromiss der Koalition passiert das Bundeskabinett

Kinderrechte-Kompromiss der Koalition passiert das Bundeskabinett


Kinderrechte-Kompromiss der Koalition passiert das Bundeskabinett
Kinderrechte-Kompromiss der Koalition passiert das Bundeskabinett / Foto: ©

Gut eine Woche nach der Koalitionseinigung zu den Kinderrechten hat das Bundeskabinett das Vorhaben auf den Weg gebracht. Die Ministerrunde billigte am Mittwoch den Entwurf von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), demzufolge es im Grundgesetz künftig heißen soll, dass das Kindeswohl stets angemessen berücksichtigt werden müsse. "Der Schutz der Kinderrechte muss ein Leitbild für unsere Gesellschaft sein", erklärte Lambrecht.

Textgröße ändern:

"Mit der Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz machen wir deutlich, dass uns das Wohlergehen von Kindern ganz besonders am Herzen liegt." Kinder seien keine kleinen Erwachsenen. "Sie sind besonders schutzbedürftig und haben besondere Bedürfnisse."

Kinder sollen der Vorlage zufolge einen verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör erhalten. "Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt." Lambrecht hatte bereits 2019 einen Vorschlag für die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz unterbreitet, allerdings zog die Union lange Zeit nicht mit. Die CDU/CSU hatte befürchtet, dass die Rechte der Eltern zu stark beschnitten werden.

Ob die jetzt vom Kabinett beschlossene Formulierung tatsächlich Eingang ins Grundgesetz finden wird, ist ungewiss. Notwendig dafür sind Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat, wofür auch die Zustimmung der Grünen erforderlich ist. Sie halten die vorgeschlagene Formulierung aber nicht für ausreichend und wollen sie daher nicht mittragen.

Lambrecht rief alle Beteiligten zur Kompromissbereitschaft auf. "Wir dürfen diese historische Chance auf eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz nicht ungenutzt verstreichen lassen", erklärte sie.

Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Katja Mast zeigte sich erleichtert über den Kabinettsbeschluss. "Wir haben jetzt die große historische Chance, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern und damit Kinder und Familien an entscheidender Stelle weiter zu stärken", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Die Neuregelung werde sich ganz praktisch beispielsweise in Kita und Schule, im Jugendhilfe-, Straßenverkehrs- und Baurecht auswirken.

Nun solle mit allen demokratischen Fraktionen das Gespräch gesucht werden, sagte Mast. "Wer jetzt auf Taktik und Verzögerung setzt, riskiert, dass das Fenster für Kinderrechte im Grundgesetz für viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, verschlossen bleibt."

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Präsidentschaftskandidatin Le Pen beschwört auf Parteitag französische Lebensart

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen hat zum Auftakt ihres Präsidentschaftswahlkampfs die französische Lebensart beschworen. "In Frankreich lebt man wie die Franzosen", betonte Le Pen am Sonntag in ihrer Rede auf dem Parteitag des Rassemblement National (RN) in Orléans. Le Pen verzichtete auf allzu konkrete politische Vorschläge, ihre Rede war von Optimismus und Zuversicht geprägt.

Nach fast einem Jahr Exil: Oppositionspolitikerin Machado zurück in Venezuela

Die führende venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado ist nach knapp einem Jahr im Exil in ihr Heimatland zurückgekehrt. "Ich bin hier. Bei euch", schrieb Machado am Sonntag im Onlinedienst X. Ihr Verbündeter und früherer Präsidentschaftskandidat Edmundo González Urrutia bestätigte die Rückkehr der 60-Jährigen in ihr Heimatland. Nähere Angaben zu ihrem Aufenthaltsort und den Umständen der Rückkehr machten beide zunächst nicht.

Knappes Rennen und Richtungsentscheidung: Stichwahl um Präsidentenamt in Brasilien

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt treffen die Brasilianer am Sonntag eine Richtungsentscheidung. Die rund 160 Millionen Wahlberechtigten in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft sind aufgerufen, dem 80 Jahre alten linksgerichteten Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva eine weitere Amtszeit zu gewähren oder ihn durch Flávio Bolsonaro, Sohn des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, zu ersetzen. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus, die Wahllokale schließen um 21.00 Uhr MEZ.

Hunderttausende bei neuen Protesten in Frankreich - mehr als 1300 Festnahmen

Eine Woche nach den Gewaltausbrüchen am Rande von Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem sind in Frankreich erneut hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen - trotz Einschränkungen seitens der Behörden. Das Innenministerium sprach am Sonntag von landesweit 410.000 Teilnehmern, die Gewerkschaft CGT von fast 800.000. Laut Innenminister Laurent Nuñezkam es erneut zu Ausschreitungen. Mehr als 1300 Menschen wurden festgenommen.

Textgröße ändern: