Deutsche Tageszeitung - Hardt sieht Putins Macht durch Proteste in Russland erschüttert

Hardt sieht Putins Macht durch Proteste in Russland erschüttert


Hardt sieht Putins Macht durch Proteste in Russland erschüttert
Hardt sieht Putins Macht durch Proteste in Russland erschüttert / Foto: ©

Der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt sieht die Macht des russischen Präsidenten Wladimir Putin nach den massiven Oppositionsprotesten am vergangenen Wochenende erschüttert. "Putin und die Führung dieses Landes mit seiner großen europäischen Tradition und Kultur werden früher oder später scheitern, wenn sie nicht Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit zulassen", sagte Hardt der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagsausgabe). "Wenn Präsident Putin das nicht sieht, könnte das Ende seiner Herrschaft eingeleitet sein."

Textgröße ändern:

Der Fall des inhaftierten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny sei die erste Erschütterung der Macht des Kreml "seit Jahren", sagte Hardt der Zeitung. Putin mache einen "schweren Fehler", wenn er glaube, die Wut in seinem Land allein mit Härte in den Griff zu bekommen, urteilte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion. Neben der wachsenden Unzufriedenheit vieler Russen über die politische Situation im Land bestehe auch großer Unmut über die wirtschaftliche Lage.

Neue Sanktionen gegen Moskau, wie sie nach der Verhaftung des von Deutschland nach Moskau zurückgekehrten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny von mehreren EU-Staaten gefordert werden, lehnte Hardt jedoch ab. Einen solchen Schritt "würde Putin nur als Vorwand nutzen, die Opposition im eigenen Land als vom Ausland gesteuert zu diskreditieren, was sie nicht ist", argumentierte der CDU-Politiker.

Am vergangenen Samstag hatten in zahlreichen Städten Russlands zehntausende Menschen gegen Putin demonstriert. Die Sicherheitskräfte gingen mit großer Härte gegen die Demonstranten vor. Etwa 3700 Menschen wurden festgenommen. Zu den Demonstrationen aufgerufen hatte Nawalny, der seit rund einer Woche in einem Hochsicherheitsgefängnis in Moskau sitzt. Der prominente Kreml-Kritiker war in Russland unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Deutschland festgenommen worden, wo er nach einem Giftanschlag im August medizinisch behandelt worden war. Für das kommende Wochenende riefen Nawalnys Verbündete zu erneuten Protesten auf.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Mindestens 20 Tote bei gegenseitigen Angriffen Russlands und der Ukraine

Bei gegenseitigen Angriffen der Ukraine und Russlands sind in beiden Ländern insgesamt mindestens 20 Menschen getötet worden. Russische Behörden meldeten am Samstag zwölf Tote im russisch besetzten Teil Saporischschjas sowie drei weitere Tote in anderen Regionen. Von ukrainischer Seite wurden insgesamt fünf Todesopfer gemeldet. Die Ukraine griff zudem eine Ölraffinerie in Sibirien an. Derweil rief Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew Kremlchef Wladimir Putin zu einem Stopp der Kämpfe auf.

Indische Kakerlaken-Bewegung verkündet Einigung mit Regierung und beendet Proteste

Die sogenannte Kakerlaken-Bewegung (CJP) in Indien hat sich nach tagelangen Kundgebungen gegen die Missstände im Bildungssystem mit der Regierung geeinigt und ihren Protest eingestellt. Die Regierung habe alle ihre Forderungen "akzeptiert", erklärte CJP-Sprecher Ashutosh Ranka am Samstag und rief zu einem Ende der Proteste auf. Kurz zuvor hatte Bildungsminister Dharmendra Pradhan seinen Rücktritt verkündet und damit eine der Forderungen der Protestbewegung erfüllt.

Kasachischer Präsident fordert Putin zu Stopp der Kämpfe in der Ukraine auf

Der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat Kreml-Chef Wladimir Putin zu einem Stopp der Kämpfe in der Ukraine aufgefordert. Bei einem russisch-kasachischen Gipfel im sibirischen Omsk schlug er am Samstag im Beisein Putins ein "Einfrieren" des Konflikts vor. Kasachstan ist ein Verbündeter Russlands, hat aber nie Unterstützung für Moskaus Offensive in der Ukraine signalisiert.

Guterres fordert Hilfe für Syrien und kritisiert Israels Vorgehen auf Golanhöhen

Beim ersten Besuch eines UN-Generalsekretärs in Syrien seit 2009 hat António Guterres internationale Unterstützung für das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land gefordert und Israels Vorgehen an den Golanhöhen kritisiert. "Was in der Region um die Golanhöhen geschieht, ist völlig inakzeptabel", sagte Guterres am Samstag bei einer Pressekonferenz in Damaskus. Syriens "Souveränität, Unabhängigkeit, Einheit und territoriale Integrität" müssten "vollständig respektiert" werden.

Textgröße ändern: