Deutsche Tageszeitung - Deutschkenntnisse auf B1-Niveau reichen nicht für Anerkennung als Spätaussiedler

Deutschkenntnisse auf B1-Niveau reichen nicht für Anerkennung als Spätaussiedler


Deutschkenntnisse auf B1-Niveau reichen nicht für Anerkennung als Spätaussiedler
Deutschkenntnisse auf B1-Niveau reichen nicht für Anerkennung als Spätaussiedler / Foto: ©

Deutsche Sprachkenntnisse auf B1-Niveau reichen für sich allein genommen nicht als Bekenntnis zum deutschen Volkstum, das wiederum Voraussetzung für die Anerkennung als Spätaussiedler ist. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Dienstag im Fall einer Russin, die schon seit knapp 30 Jahren versucht, Deutsche zu werden. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte sie nach einer Gesetzesänderung als Spätaussiedlerin anerkannt. (Az. 1 C 1.20)

Textgröße ändern:

Um als solche anerkannt zu werden, müssen Bürger aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowohl von Deutschen abstammen als auch sich zum deutschen Volkstum bekennen. Seit einer Gesetzesänderung 2013 ist das auch durch den Nachweis deutscher Sprachkenntnisse möglich. Nach dieser Änderung verfolgte die Frau, deren erster Antrag 1992 gescheitert war, einen zweiten Antrag weiter.

Das Bundesverwaltungsamt lehnte ihn mit der Begründung ab, dass sie sich nicht zum deutschen Volkstum bekenne, weil sie in ihrem Pass und auf anderen Dokumenten die russische Nationalität eingetragen habe.

Eine Klage vor dem Kölner Verwaltungsgericht scheiterte, das Oberverwaltungsgericht Münster aber verpflichtete die Behörden dazu, die Frau als Spätaussiedlerin anzuerkennen. Zwar habe sie sich nicht ausdrücklich zum deutschen Volkstum bekannt, aber durch das Lernen der Sprache auf andere Weise ein Bekenntnis abgelegt, hieß es.

Dies genügte dem Bundesverwaltungsgericht nicht. Der bloße Erwerb von Deutschkenntnissen reiche nicht, "um von einem zuvor ausdrücklich abgelegten Gegenbekenntnis abzurücken", teilte das Leipziger Gericht mit. Dass die Frau gegenüber staatlichen Stellen mehrmals die russische Nationalität angegeben habe, sei "regelmäßig ein Bekenntnis zu einem nichtdeutschen Volkstum".

Für ein ernsthaftes Abrücken davon bedürfe es "äußerer Tatsachen, die einen inneren Bewusstseinswandel und den Willen erkennen lassen, nur dem deutschen und keinem anderen Volkstum anzugehören". Da das Oberverwaltungsgericht dies nicht hinreichend festgestellt habe, wurde der Rechtsstreit nach Münster zurückverwiesen und muss nun noch einmal verhandelt werden.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Wahlkrimi in Brasilien: Lula setzt sich laut Wahlgericht in Stichwahl gegen Bolsonaro durch

Wahlkrimi in Brasilien: Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat sich der Linkspolitiker Luiz Inácio Lula da Silva laut Wahlgericht knapp gegen seinen Herausforderer Flávio Bolsonaro durchgesetzt. Dem Wahlgericht des Landes zufolge entfielen auf Lula bei dem Urnengang am Sonntag 51,76 Prozent der Stimmen, Bolsonaro kam demnach auf 48,24 Prozent. Die Wahl in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft galt als Richtungsentscheidung. Die Spannung stieg auch deshalb, weil die Stimmabgabe zuvor um zwei Stunden verlängert worden war.

Lula setzt sich gegen Bolsonaro durch und gewinnt Präsidenten-Stichwahl in Brasilien

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat sich Amtsinhaber Luiz Inàcio Lula da Silva gegen seinen Herausforderer Flávio Bolsonaro durchgesetzt und sich eine vierte Amtszeit gesichert. Der linksgerichtete Staatschef erhielt bei dem Urnengang am Sonntag dem Wahlgericht zufolge 51,75 Prozent der Stimmen, auf Bolsonaro, den Sohn des früheren rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro, entfielen demnach 48,25 Prozent der Stimmen. Die Wahl in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft galt als Richtungsentscheidung.

Merz wirbt bei CSU für Geschlossenheit und eine Bundespräsidentin

Bundeskanzler Friedrich Merz rief CDU und CSU auf dem Parteitag in Nürnberg zu Geschlossenheit auf und sprach sich dafür aus, das Bundespräsidentenamt erstmals einer Frau zu übertragen.

CSU vertagt Personalfrage für das Bundespräsidentenamt

Beim CSU-Parteitag erhielt Ilse Aigner viel Anerkennung, doch Parteichef Markus Söder vermied eine Festlegung zur Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin.

Textgröße ändern: