Deutsche Tageszeitung - Impeachment-Ankläger werfen Trump "Verrat von historischem Ausmaß" vor

Impeachment-Ankläger werfen Trump "Verrat von historischem Ausmaß" vor


Impeachment-Ankläger werfen Trump "Verrat von historischem Ausmaß" vor
Impeachment-Ankläger werfen Trump "Verrat von historischem Ausmaß" vor / Foto: ©

Ein "Verrat von historischem Ausmaß": Vor dem Impeachment-Prozess gegen den früheren US-Präsidenten Donald Trump haben die demokratischen Ankläger des Repräsentantenhauses schwere Vorwürfe gegen den Republikaner erhoben. Trump habe in einem "schwerwiegenden Verrat an seinem Amtseid" einen "gewalttätigen Mob" zum Angriff auf das Kapitol "angestiftet", heißt es in einem am Dienstag vorgelegten Anklagedokument.

Textgröße ändern:

"Es ist unmöglich sich vorzustellen, dass die Ereignisse vom 6. Januar sich ereignet hätten, wenn Präsident Trump nicht ein Pulverfass geschaffen, ein Streichholz angezündet und dann versucht hätte, persönlichen Nutzen aus dem folgenden Chaos zu ziehen", heißt es in dem 80-seitigen Text, in dem die Vorwürfe gegen Trump ausgeführt werden. "Präsident Trumps Festhalten an der Macht um jeden Preis ist ein Verrat von historischem Ausmaß. Es verlangt seine Verurteilung."

Das Repräsentantenhaus hatte eine Woche nach der Erstürmung des Kapitols durch radikale Trump-Anhänger ein Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen Präsidenten eingeleitet. Der Impeachment-Prozess wird am 9. Februar im Senat beginnen. Die Anklage wird von neun demokratischen Abgeordneten vertreten.

Diese argumentieren in ihrem am Dienstag vorgelegten Anklagetext, sollte der Senat Trump nicht verurteilen, würde dies künftige Präsidenten dazu ermuntern, sich mit allen Mitteln an der Macht zu halten. Es würde nahelegen, dass es keine rote Linie gebe, die ein Präsident nicht überschreiten dürfe.

Die Ankläger weisen auch das von Trumps Verteidigern und vielen Republikanern vorgetragene Argument zurück, der Senat könne nur einem amtierenden, nicht aber einem früheren Präsidenten den Prozess machen.

"Der Text und die Struktur der Verfassung, wie auch die ursprüngliche Bedeutung und bisherige Interpretationen durch den Kongress" machten deutlich, dass ein Prozess und eine Verurteilung gegen einen früheren Regierungsvertreter wegen Vergehen während seiner Amtszeit möglich seien, schreiben die Ankläger. "Jede andere Regel würde wenig Sinn ergeben." Es wäre nichts anderes als eine "Freikarte" für Verstöße gegen die Verfassung zum Ende einer Amtszeit.

Militante Trump-Anhänger hatten am 6. Januar den US-Kongress gestürmt, um eine endgültige Bestätigung des Siegs des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom 3. November zu verhindern. Ein Polizist wurde getötet, zudem kamen vier weitere Menschen ums Leben. Trump hatte seine Anhänger zuvor in einer aufpeitschenden Rede zum Marsch auf das Kapitol aufgerufen.

Eine Verurteilung Trumps im Senat gilt als höchst unwahrscheinlich: Für die notwendige Zweidrittelmehrheit müssten mindestens 17 republikanische Senatoren mit den 50 Demokraten stimmen. Derzeit sieht es danach aus, als ob die meisten Republikaner Trump die Treue halten würden.

Sollte eine Zweidrittelmehrheit wider Erwarten zustande kommen, könnte der Senat Trump in einem nächsten Schritt von künftigen öffentlichen Ämtern ausschließen. Dann wäre auch eine Präsidentschaftskandidatur 2024 vom Tisch.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

CSU-Landesgruppe in Bundestag trifft sich zu Sommerklausur

Inmitten der ersten Kabinettsumbildung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) treffen sich die Bundestagsabgeordneten der CSU am Montag (12.30 Uhr) zu einer zweitägigen Sommerklausur im fränkischen Kloster Banz. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder stößt zu den Beratungen der CSU-Landesgruppe dazu.

Merz äußert sich als Parteichef zu Umbesetzungen

CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz will sich am Montag (12.00 Uhr) auf einer Pressekonferenz zu den aktuellen Entwicklungen in Partei und Regierung äußern. Es wird erwartet, dass es dabei insbesondere um die Nachfolge von Generalsekretär Carsten Linnemann gehen wird, der als Bundesgesundheitsminister ins Kabinett wechselt. Zuvor finden Beratungen der CDU-Gremien statt. Dem Vernehmen nach soll CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann neue Generalsekretärin werden.

Ölpreise fallen wegen Hoffnung auf Entspannung im Iran-Krieg deutlich

Die Ölpreise sind zu Beginn des asiatischen Handels am Montag um mehr als fünf Prozent gefallen. Händler schöpften nach zwei Nächten ohne neue US-Angriffe auf den Iran Hoffnung auf eine Entspannung und mögliche neue Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.

Brasilien ruft Botschafter nach Äußerungen von Argentiniens Präsident Milei zurück

Wegen abfälliger Äußerungen von Argentiniens Staatschef Javier Milei über den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva hat Brasilien seinen Botschafter im Nachbarland zurückgerufen. Angesichts der "beleidigenden Äußerungen des argentinischen Staatschefs" habe Außenminister Mauro Vieira beschlossen, Botschafter Julio Bitelli zu Konsultationen zurückzubeordern, teilte das Außenministerium am Sonntag mit.

Textgröße ändern: