Deutsche Tageszeitung - Mehrere tausend Menschen protestieren in Rangun gegen Machtübernahme der Armee

Mehrere tausend Menschen protestieren in Rangun gegen Machtübernahme der Armee


Mehrere tausend Menschen protestieren in Rangun gegen Machtübernahme der Armee
Mehrere tausend Menschen protestieren in Rangun gegen Machtübernahme der Armee / Foto: ©

Fünf Tage nach dem Militärputsch in Myanmar hat es in dem südostasiatischen Land die bisher größten Proteste gegen die Armeeführung gegeben. In der Wirtschaftsmetropole Rangun beteiligten sich am Samstagmorgen rund 3000 Menschen an einem Protestmarsch nahe der Universität. Die Demonstranten riefen "Nieder mit der Militärdiktatur!" und schwenkten rote Fahnen. Im Laufe des Tages wurden weitere Kundgebungen in der Stadt erwartet.

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Ein großes Aufgebot der Bereitschaftspolizei blockierte die nahegelegenen Straßen rund um die Universität, zwei Wasserwerfer waren einsatzbereit. "Wir sind hier, um für die nächste Generation zu kämpfen, um sie von einer Militärdiktatur zu befreien", sagte eine Frau auf der Kundgebung der Nachrichtenagentur AFP.

Schon am Freitag hatte es in mehreren Städten Myanmars Proteste gegeben. In Rangun waren rund 200 Studenten und Hochschullehrer auf die Straße gegangen. Proteste gab es auch in der Hauptstadt Naypyidaw und der zweitgrößten Stadt Mandalay. Überall war dabei die Farbe Rot zu sehen - die Farbe der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) von De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi.

Die Armeeführung hatte am Montag mit einem Staatsstreich die Macht an sich gerissen und die Zivilregierung abgesetzt. Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi sowie der Präsident des Landes, Win Myint, wurden festgenommen. Das Militär rief einen einjährigen Notstand aus, nach dem Neuwahlen stattfinden sollen.

Die Armee begründete ihr Vorgehen mit angeblichen Manipulationen bei der Parlamentswahl im November, die Suu Kyis Partei gewonnen hatte. Regierungen weltweit und die UNO verurteilten den Putsch und forderten die Freilassung der festgenommenen Politiker.

Am Freitag gelang es der UNO, erstmals direkt mit der Armeeführung in Myanmar in Kontakt zu treten. Die Sondergesandte Christine Schraner Burgener habe in einem Gespräch mit dem stellvertretenden Armeechef die Position der UNO klar zum Ausdruck gebracht, sagte UN-Generalsekretär António Guterres.

Nach Angaben der Organisation Netblocks, die weltweit Internet-Sperren dokumentiert, war am Samstag zum zweiten Mal das gesamte Internet in Myanmar lahmgelegt. Um Proteste zu unterbinden, hatten die Behörden zuvor bereits den Zugang zu Online-Netzwerken wie Facebook und Twitter eingeschränkt.

Twitter reagierte darauf am Samstag mit scharfer Kritik. Die Sperrung untergrabe die öffentliche Debatte und das Recht der Menschen, sich Gehör zu verschaffen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. "Die Menschen in Myanmar wurden in eine Situation völliger Unsicherheit gezwungen", kritisierte Ming Yu Hah von Amnesty International ebenfalls das Vorgehen der Militär-Junta.

(W.Novokshonov--DTZ)

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