Deutsche Tageszeitung - Polnische Medien protestieren gegen geplante Werbesteuer

Polnische Medien protestieren gegen geplante Werbesteuer


Polnische Medien protestieren gegen geplante Werbesteuer
Polnische Medien protestieren gegen geplante Werbesteuer / Foto: ©

Mit schwarzen Titelseiten oder der Einstellung ihres Programms haben dutzende polnische Medien gegen eine von der Regierung geplante Werbesteuer protestiert, die aus Sicht von Kritikern die Pressefreiheit bedroht. "Hier sollte unsere Lieblingssendung laufen", stand am Mittwoch in weißen Lettern auf dem schwarz hinterlegten Standbild des Nachrichtensenders TVN24. Auflagenstarke Zeitungen wie "Fakt" und "Gazeta Wyborcza" titelten knapp: "Medien ohne Wahl".

Textgröße ändern:

An der beispiellosen, 24-stündigen Protestaktion beteiligten sich rund 50 private Radio- und Fernsehsender und Tageszeitungen. Sein Programm setzte hingegen der zum Sprachrohr der nationalkonservativen Regierung avancierte staatliche Sender TVP fort.

Die Chefredaktion der "Gazeta Wyborcza" erklärte ihre Teilnahme an der Aktion mit den Worten: "Sie sollten auf dieser Seite unsere Inhalte sehen. Wenn die Pläne der Regierung Erfolg haben sollten, können Sie sie eines Tages möglicherweise tatsächlich nicht mehr sehen."

Der Radiosender ZET warnte auf seiner Website, die geplante Werbesteuer würde zur "Liquidierung einiger Medienhäuser" führen. "Es gibt kein freies Land ohne unabhängige Medien. Es gibt keine Freiheit ohne die Wahlfreiheit", mahnte der Sender.

Die nationalkonservative Regierung in Warschau plant die Einführung einer Werbesteuer zum Ende dieses Jahres. Sollte es dazu kommen, müssten Radio- und Fernsehsender, Print- und Onlinemedien Abgaben auf ihre Werbeeinnahmen zahlen. Aus Sicht von Kritikern will die Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) damit den Druck auf private Medien erhöhen, die ihre Einnahmen größtenteils durch Anzeigen generieren.

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hatte die Werbesteuer eine "Solidaritätsabgabe" genannt, die "bessere Bedingungen für die Entwicklung freier Medien" schaffen und zur Finanzierung der Anti-Corona-Maßnahmen sowie der Kultur beitragen werde. Sie sei überdies Teil der europäischen Bemühungen, Tech-Riesen wie Google und Facebook zu besteuern.

Regierungssprecher Piotr Müller betonte am Mittwoch, die Steuer werde nur für große Medienunternehmen fällig. Die Besteuerung werde bei zwei bis 15 Prozent der Werbeeinnahmen liegen. Betroffen sei auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Die Protestaktion kritisierte der Regierungssprecher mit den Worten: "Niemand möchte Steuern zahlen."

Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2015 hat die PiS eine Reihe umstrittener Mediengesetze erlassen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk befindet sich praktisch unter ihrer Kontrolle. Auch verfolgt die Regierung das Ziel, die Medienlandschaft zu "polonisieren", indem ausländische Verlage zurückgedrängt werden. Im Dezember hatte der staatliche Ölkonzern PKN Orlen der deutschen Verlagsgruppe Passau die Zeitungsgruppe Polska Press abgekauft.

Der deutsche Journalistenverband würdigte am Mittwoch den Protest der polnischen Medien gegen die neue Steuer auf Werbeeinnahmen. "Der PiS-Regierung sind Pressefreiheit und kritische Medien seit Jahren ein Dorn im Auge", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. "Es ist gut, dass Verlage und Sender ihre Konkurrenz untereinander zurückstellen und hier an einem Strang gegen die Regierung ziehen."

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) versicherte den polnischen Medien auf Twitter ihre Unterstützung. Die PiS-Regierung nutze die Corona-Pandemie aus, um zu versuchen, die Medien zu unterdrücken.

Der diplomatische Geschäftsträger der US-Botschaft in Warschau, Bix Aliu, schrieb im Online-Dienst Twitter, freie Medien seien "der Eckpfeiler der Demokratie". Die USA würden stets für die Unabhängigkeit der Medien eintreten.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Iran und Länder des Mekka-Abkommens vereinbaren weitere Gespräche über Zusammenarbeit

Der Iran und die drei Länder des sogenannten Mekka-Abkommens haben nach einem ersten Treffen in Teheran nach Angaben staatlicher Medien weitere Gespräche über eine Stärkung ihrer Zusammenarbeit vereinbart. Die iranischen Vertreter sowie jene Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans seien darüber übereingekommen, dabei auch über "regionalen Frieden und Sicherheit" zu sprechen, hieß es im staatlichen iranischen Fernsehen am Montag.

UN-Ermittler werfen Israel Verbrechen der "Auslöschung" im Westjordanland vor

Einen Tag vor der Parlamentswahl in Israel haben im Auftrag der Vereinten Nationen tätige unabhängige Ermittler dem Land Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Westjordanland vorgeworfen. Darunter sei der Vorwurf der "Auslöschung", erklärte die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission in einem am Montag veröffentlichten Bericht. Im Gazastreifen begehe Israel zudem weiterhin "Akte des Völkermords". Dort wurden nach palästinensischen Angaben fünf Menschen bei israelischen Angriffen getötet.

Venezuela: Oppositionsführerin Machado zu Treffen mit Übergangspräsidentin bereit

Nach ihrer überraschenden Rückkehr nach Venezuela hat die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado ihre Bereitschaft zu einem Treffen mit Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez erklärt. Machado wäre bereit, "sich nicht nur mit Rodríguez zusammenzusetzen, sondern mit wem auch immer sie es tun sollte, vor dem ganzen Land, in völliger Transparenz und mit einer Agenda", sagte ihre Sprecherin Claudia Macero am Montag im Sender Union Radio.

Dobrindts Anti-Vergesellschaftungsgesetz: Linke hält Pläne für verfassungswidrig

Die Linkspartei hält Pläne von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) für verfassungswidrig, mit einem Investitionsschutzgesetz die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände zu erschweren. Damit werde versucht, Artikel 15 des Grundgesetzes, der Vergesellschaftungen vorsieht, auszuhöhlen, sagte die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp am Montag im ZDF. Das SPD-geführte Bundesjustizministerium räumte ein, das Vorhaben werfe "sehr komplexe Fragen" auf und sei letztlich "verfassungsrechtliches Neuland".

Textgröße ändern: