Deutsche Tageszeitung - Menschenrechtsgerichtshof fordert sofortige Freilassung Nawalnys

Menschenrechtsgerichtshof fordert sofortige Freilassung Nawalnys


Menschenrechtsgerichtshof fordert sofortige Freilassung Nawalnys
Menschenrechtsgerichtshof fordert sofortige Freilassung Nawalnys / Foto: ©

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die sofortige Freilassung des in Russland inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny gefordert. Das Gericht begründete seine Entscheidung am Mittwoch damit, dass das Leben des 44-Jährigen gefährdet sei. Die russische Regierung wies die Aufforderung umgehend zurück. Sie verwies auf fehlende gesetzliche Grundlagen für eine Freilassung Nawalnys und griff die Richter mit scharfen Worten an.

Textgröße ändern:

Das Straßburger Gericht rief die russische Regierung nach eigenen Angaben auf, Nawalny "mit sofortiger Wirkung" vorläufig freizulassen. Die Entscheidung sei mit Blick auf "Natur und Ausmaß" der Risiken für Nawalnys Leben getroffen worden. Zuerst hatte der 44-Jährige den Beschluss aus Straßburg auf seiner Internet-Seite veröffentlicht.

Die russische Regierung erteilte der Forderung indes eine Absage. Es bestehe "keine gesetzliche Grundlage" für eine Freilassung, sagte der russische Justizminister Konstantin Tschujtschenko nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Zugleich attackierte er den EGMR. Dessen Beschluss sei eine "grobe Einmischung" in die inneren Angelegenheiten Russlands, sagte Tschujtschenko.

Nawalny hatte in seiner Beschwerde vom 20. Januar seine Haftbedingungen angeprangert und eine vorläufige Freilassung beantragt. Die Vorkehrungen im Gefängnis reichten nicht aus, um sein Leben und seine Gesundheit zu sichern, begründete er seinen Einspruch. Russland verteidigte dem EGMR zufolge während des Verfahrens die Haftbedingungen des 44-Jährigen. So werde etwa seine Zelle videoüberwacht.

Russland ist Mitglied des Europarats und damit formell an die Beschlüsse des EGMR gebunden. Die Umsetzung der Entscheidungen aus Straßburg obliegt jedoch den Mitgliedstaaten. Das Gericht rief Russland am Mittwoch auf, den Beschluss umzusetzen. Zugleich erklärte der EGMR, ein Verstoß gegen diese Verpflichtung gefährde den Bestand des Beschwerderechts einzelner Kläger.

Nawalny war nach einem Giftanschlag auf ihn im vergangenen August, für den er die russische Regierung verantwortlich macht, in Deutschland im Krankenhaus behandelt worden. Nach seiner Rückkehr nach Russland im Januar wurde er sofort festgenommen.

Ein Moskauer Gericht verurteilte ihn danach wegen angeblicher Verstöße gegen Bewährungsauflagen aus dem Jahr 2014 zu fast drei Jahren Haft in einer Strafkolonie. Für Nawalnys Freilassung und gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin gingen in zehntausende Menschen auf die Straße.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Selenskyj besucht ukrainische Soldaten an der Front

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben Soldaten an der Front im Südosten des Landes besucht. Er sei gemeinsam mit Armeechef Mychailo Drapaty an der Front im Sektor Oleksandriwskyj, erklärte Selenskyj am Mittwoch in Onlinediensten und veröffentlichte dazu ein Video, das die beiden im Gespräch mit Soldaten und bei dem Überreichen von Auszeichnungen zeigt. Die ukrainische Armee hatte eigenen Angaben zufolge in der Region zuletzt Gelände von den russischen Truppen zurückgewinnen können.

Menschenverachtende Posts: Universitätsklinikum Rostock stellt Oberarzt frei

Wegen mutmaßlicher menschenverachtender und rassistischer Beiträge in sozialen Medien hat das Universitätsklinikum Rostock einen Oberarzt freigestellt. Das teilte eine Sprecherin der Universitätsmedizin in Stadt am Dienstag nach einem entsprechenden Vorstandsbeschluss mit. Eine auf die Bekämpfung von Hass und Rechtsextremismus im digitalen Raum spezialisierte Initiative hatte den Fall zuvor publik gemacht und Bilder der mutmaßlichen Posts des Mediziners veröffentlicht.

Iran bezeichnet US-Wirtschaftsdruck als wirkungslos - weitere Gespräche zu Hormus

Knapp sechs Monate nach Beginn des Iran-Kriegs hat Teheran den verschärften wirtschaftlichen Druck der USA auf das Land als wirkungslos bezeichnet und Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus gestellt. Präsident Massud Peseschkian sagte am Mittwoch, Washington werde mit wirtschaftlichem Druck "nichts erreichen". Iran und Oman verhandelten unterdessen über einen vorläufigen Schifffahrtskorridor. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schloss eine diplomatische Einigung mit Teheran aus.

Klingbeil: Kabinett wird Reform der Einkommensteuer kommende Woche beschließen

Das Bundeskabinett soll nach den Worten von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) schon bald die Reform der Einkommensteuer beschließen. "In der kommenden Kabinettssitzung werde ich die Reform der Einkommensteuerreform vorlegen, die wir gemeinsam im Koalitionsausschuss vereinbart haben", sagte Klingbeil am Mittwoch nach der Kabinettsklausur im brandenburgischen Neuhardenberg. "Ja, wir haben knappe Kassen. Und ja, wir mussten priorisieren." Deshalb habe die Reform "einen klaren Schwerpunkt".

Textgröße ändern: