Deutsche Tageszeitung - Grüne legen Konzept für Vielfalt und gegen Diskriminierung vor

Grüne legen Konzept für Vielfalt und gegen Diskriminierung vor


Grüne legen Konzept für Vielfalt und gegen Diskriminierung vor
Grüne legen Konzept für Vielfalt und gegen Diskriminierung vor / Foto: ©

Grünen-Politikerinnen und -Politiker aus Bund, Ländern und EU-Parlament haben anlässlich des Jahrestags des Anschlags von Hanau ein Konzeptpapier für eine vielfältige Gesellschaft und den Abbau von Diskriminierung vorgelegt. Es gehe um "die tatsächliche Gleichberechtigung aller", heißt es in dem Text, der der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag in Berlin vorlag. Eine Kernforderung ist die Ächtung "sämtlicher Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" im Grundgesetz.

Textgröße ändern:

Eine weitere Forderung in dem Papier, über das zuerst das Portal "Zeit Online" berichtet hatte, ist der Aufbau eines Bundesministeriums für Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dieses solle im Kern den Fachbereich des bisherigen Familienressorts umfassen, aber durch zusätzliche Kompetenzen etwa für die Bereiche Migration und Flucht sowie Demokratieförderung aufgewertet werden.

Zu der Grundgesetzänderung heißt es in dem Text, Artikel 3, Absatz 3 der Verfassung solle um den Satz ergänzt werden: "Der Staat gewährleistet Schutz gegen jedwede gruppenbezogene Verletzung der gleichen Würde aller Menschen und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Alle Menschen, die in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt haben, sollen zudem unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit das Wahlrecht erhalten.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) wollen die Grünen zu einem "zentralen Akteur" ausbauen, "der neben seiner Funktion als Ombuds- und Beratungsstelle zukünftig auch Antidiskriminierungsmaßnahmen begleitet, berät und monitort". Ein Antidiskriminierungsgesetz des Bundes soll einen einheitlichen Rechtsrahmen schaffen, um Diskriminierung wirksam abzubauen. Klagerechte Betroffener wollen die Grünen stärken, unter anderem durch eine teilweise Beweislastumkehr.

Unterzeichnet ist das Papier unter anderem von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, der Bundestagsabgeordneten Ulle Schauws, der Vizepräsidentin des schleswig-holsteinischen Landtags, Aminata Touré, der frauenpolitischen Sprecherin der Grünen, Gesine Agena, und der Berliner Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch. Agena sagte "Zeit Online", die Verwirklichung von Gleichberechtigung in der Gesellschaft sei "eine zentrale Aufgabe für die nächste Bundesregierung".

Zivilgesellschaftliche Arbeit zur Stärkung der Demokratie und des Schutzes vor Diskriminierung wollen die Grünen stärker fördern. "Dazu ist ein Demokratiefördergesetz zwingend notwendig, mit dem wichtige zivilgesellschaftliche Arbeit strukturell und dauerhaft finanziell abgesichert wird", heißt es in dem Text. Für alle neuen Gesetze soll es eine "Diversity-Folgenabschätzung" geben. Analog zum Ethikrat soll ein "Rat für Gleichberechtigung und Zusammenhalt in einer Gesellschaft der Vielen" gebildet werden.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD baut Vorsprung in Umfrage weiter aus

Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD ihren Vorsprung auf die CDU in einer Umfrage auf 20 Prozentpunkte vergrößert. In der am Mittwoch in Köln veröffentlichten Erhebung des Instituts Infratest dimap für die ARD kommt die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD auf 42 Prozent - ein Prozentpunkt mehr als bei einer vorangegangen Befragung von Ende Juli. Die CDU verliert dagegen zwei Punkte und wird aktuell bei 22 Prozent gesehen.

BSW in Thüringen stellt klar: Fraktion stimmt gegen Misstrauensvotum von AfD

Die AfD im Thüringer Landtag kann bei ihrem für Freitag angesetzten konstruktiven Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) nicht auf Stimmen des BSW zählen. Das stellte die Landtagsfraktion des BSW in Erfurt am Mittwoch nochmals klar. "Die BSW-Fraktion wird am Freitag geschlossen mit Nein stimmen", erklärte sie. Der AfD gehe es nicht um die Menschen in Thüringen, sondern um "reine Selbstinszenierung".

Selenskyj besucht ukrainische Soldaten an der Front

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben Soldaten an der Front im Südosten des Landes besucht. Er sei gemeinsam mit Armeechef Mychailo Drapaty an der Front im Sektor Oleksandriwskyj, erklärte Selenskyj am Mittwoch in Onlinediensten und veröffentlichte dazu ein Video, das die beiden im Gespräch mit Soldaten und bei dem Überreichen von Auszeichnungen zeigt. Die ukrainische Armee hatte eigenen Angaben zufolge in der Region zuletzt Gelände von den russischen Truppen zurückgewinnen können.

Menschenverachtende Posts: Universitätsklinikum Rostock stellt Oberarzt frei

Wegen mutmaßlicher menschenverachtender und rassistischer Beiträge in sozialen Medien hat das Universitätsklinikum Rostock einen Oberarzt freigestellt. Das teilte eine Sprecherin der Universitätsmedizin in Stadt am Dienstag nach einem entsprechenden Vorstandsbeschluss mit. Eine auf die Bekämpfung von Hass und Rechtsextremismus im digitalen Raum spezialisierte Initiative hatte den Fall zuvor publik gemacht und Bilder der mutmaßlichen Posts des Mediziners veröffentlicht.

Textgröße ändern: