Deutsche Tageszeitung - Intensivmediziner drängen auf Verlängerung von Lockdown

Intensivmediziner drängen auf Verlängerung von Lockdown


Intensivmediziner drängen auf Verlängerung von Lockdown
Intensivmediziner drängen auf Verlängerung von Lockdown / Foto: ©

Die deutschen Intensivmediziner drängen auf eine Verlängerung des derzeitigen Lockdowns bis mindestens zum 1. April. "Sonst wird die dritte Welle nur schwer oder überhaupt nicht beherrschbar sein", warnte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, am Donnerstag in Berlin. Dabei spielt besonders die Gefahr durch die Ausbreitung von Mutanten des Coronavirus eine Rolle.

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Die Divi stellte dazu ein neues Prognosemodell vor, mit dem in unterschiedlichen Szenarien die Belegung von Intensivbetten durch Covid-Patientinnen und -Patienten in den kommenden Monaten vorhergesagt wird. Die Zahl der Corona-Intensivpatienten sei zwar erfreulicherweise im Vergleich zum Jahresbeginn wieder deutlich auf derzeit rund 2900 gesunken, könnte demnach aber im ungünstigsten Fall bis Mitte Mai auf bis zu 25.000 hochschnellen.

Dies würde den Divi-Berechnungen zufolge für den Fall gelten, dass der sogenannte R-Wert als Indikator für die Zahl der Ansteckungen pro Infiziertem bei 1,2 für den ursprünglichen Virustyp und bei 1,55 für die britische Variante B117 liegt, es bereits ab dem 7. März weitgehende Lockerungen gibt und zugleich bei den Impfungen eine durchschnittliche Zahl von etwa 230.000 pro Tag erreicht wird.

Bei einem schnelleren Verlauf mit 350.000 Impfungen pro Tag sei in diesem Szenario immer noch eine Belegungszahl von 12.000 für die Intensivbetten zu erwarten, erläuterte der Aachener Biomediziner Andreas Schuppert, der das Prognosemodell maßgeblich mit entwickelt hat.

Bei Lockerungen erst ab dem 1. April würde demnach dagegen die Belegungszahl zwar auch ansteigen, aber selbst im ungünstigsten Szenario auf lediglich bis zu 6000. Dies würde etwa dem Höchstwert vom Jahresbeginn entsprechen. Es gehe daher darum, "die nächsten Wochen zu kontrollieren", sagte Schuppert.

Wird ein niedrigerer R-Wert von 1,0 für das Ursprungsvirus und 1,35 für Mutanten angenommen, läge die Höchstbelegung der Intensivbetten bei langsamem Impfverlauf und Lockerungen ab 7. März laut Divi-Prognose immer noch bei bis zu 4000, bei schnellerer Impfung bei bis zu 3000.

Der Divi-Experte Christian Karagiannidis wies jedoch darauf hin, dass ohne Lockdown im vergangenen Oktober der R-Wert deutlich über 1,2 lag, in der Zeit der Weihnachtseinkäufe im Dezember ungefähr bei 1,2. Eine um drei Wochen spätere Lockerung sei insofern entscheidend, weil dann die Wirkung der Impfungen "der Infektionswelle vorausläuft". Bei Öffnungen ab 7. März wäre es demnach umgekehrt.

Die Mediziner drängten deswegen auch darauf, die Impfkampagne voranzutreiben. "Also auch mit Astrazeneca", sagte Marx mit Blick auf Akzeptanzprobleme dieses Produkts. Generell solle bis Ende September eine Impfquote von 80 Prozent erreicht werden, um die Pandemie erfolgreich einzudämmen.

Der Divi-Mediziner Steffen Weber-Carstens warnte zudem davor, die Grenzen der Belastbarkeit des Gesundheitssystems auszutesten. Es gehe nicht nur um die Zahl der Corona-Toten, sondern auch um schwere Langzeitfolgen nach Infektionen sowie um viele Patientinnen und Patienten, die dann nicht operiert werden könnten. So werden laut Divi derzeit zahlreiche Tumor- und Herzoperationen nachgeholt, die eigentlich schon in den vergangenen Monaten hätten stattfinden sollen.

(I.Beryonev--DTZ)

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