Deutsche Tageszeitung - Zugriff auf Kommunikationsdaten nur bei schwerer Kriminalität

Zugriff auf Kommunikationsdaten nur bei schwerer Kriminalität


Zugriff auf Kommunikationsdaten nur bei schwerer Kriminalität
Zugriff auf Kommunikationsdaten nur bei schwerer Kriminalität / Foto: ©

Ermittlungsbehörden dürfen nur zur Aufklärung schwerer Kriminalität Zugang zu Kommunikationsdaten der Bürger erhalten. Das bekräftigte am Dienstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg in einem Verfahren aus Estland. Danach müssen zudem die Gerichte oder andere unabhängige Stellen über den Zugriff entscheiden. Die Dauer der Speicherung muss angemessen begrenzt sein und darf dann nur in terroristischen Bedrohungslagen verlängert werden. (Az: C-746/18)

Textgröße ändern:

Danach hat ein Kleinkrimineller in Estland noch Aussicht auf einen Freispruch. Er wurde wegen Diebstahls, Verwendung einer fremden Bankkarte und leichterer Gewalttaten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Beweise beruhten auf dem Zugriff der Ermittler auf verschiedene Standort- und Verbindugsdaten des Manns. Der mit der Überprüfung des Instanzurteils befasste Staatsgerichtshof in Tartu fragte beim EuGH an, ob dies nach EU-Datenschutzrecht hier zulässig war.

Dies verneinten die Luxemburger Richter nun. Sie erinnerten an ihre bisherige Rechtsprechung, wonach die Speicherung der Standort- und Verbindungsdaten einen erheblichen Eingriff in das Privatleben bedeutet. Speicherdauer und Zugriff auf die Daten müssten daher verhältnismäßig sein. Im Oktober hatte der EuGH allerdings entschieden, dass in einer terroristischen Bedrohungslage eine längere Speicherung und ein breiterer Zugriff der Behörden gerechtfertigt sein kann.

In ihrem neuen Urteil bekräftigten die obersten EU-Richter nun, dass darüber hinaus der Zugriff der Ermittlungsbehörden auf die Kommunikationsdaten auf schwere Verbrechen beschränkt sein muss. Auch die Regelung Estlands, wonach die ermittelnde Staatsanwaltschaft selbst über den Zugriff auf die Daten entscheiden kann, sei mit der EU-Grundrechtecharta nicht vereinbar. Vielmehr müsse die Freigabe der Daten durch Gerichte oder eine andere unabhängige Stelle erfolgen. Über den konkreten Fall muss nun wieder der Staatsgerichtshof in Estland entscheiden.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Mindestens neun Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kiew

Die russischen Streitkräfte haben die ukrainische Hauptstadt Kiew ukrainischen Angaben zufolge erneut massiv angegriffen. Bei den Angriffen auf fünf Regionen in Kiew in der Nacht zum Samstag seien mindestens neun Menschen getötet und 28 weitere verletzt worden, teilte der staatliche ukrainische Rettungsdienst mit. Die Angriffe seien "mit ballistischen Raketen" erfolgt, teilte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko im Onlinedienst Telegram mit. US-Präsident Donald Trump äußerte sich derweil zurückhaltend zu einer möglichen Lizenz für die Herstellung von Patriot-Abfangraketen in der Ukraine.

Trump droht Iran mit heftigen Angriffen - US-Medien: Attacken am Wochenende möglich

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran erneut mit heftigen Angriffen gegen Infrastruktur-Ziele gedroht. "Wir werden ihn ganz hart angehen", sagte Trump am Freitag bei einer Kabinettssitzung in der Präsidentenresidenz Camp David über den Iran. Irgendwann werde die Führung in Teheran sagen: "Das halten wir einfach nicht mehr aus."

Mindestens vier Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kiew

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht zu Samstag erneut Ziel massiver russischer Luftangriffe geworden. Die Angriffe seien "mit ballistischen Raketen" erfolgt, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko am Morgen im Onlinedienst Telegram mit. Kiews Militärverwaltung meldete mindestens vier Tote. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor vor einem drohenden "massiven" russischen Angriff gewarnt. US-Präsident Donald Trump äußerte sich derweil zurückhaltend zu einer möglichen Lizenz für die Herstellung von Patriot-Abfangraketen in der Ukraine.

Hunderttausende bei Demonstration zu Christopher Street Day in Hamburg erwartet

Hunderttausende Menschen werden am Samstag (12.00 Uhr) in Hamburg zur Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) erwartet. Die Kundgebung unter dem Motto "Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst" findet eine Woche nach dem islamistischen Anschlag beim Berliner CSD unter stark erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Polizei setzt rund doppelt so viele Einsatzkräfte wie im Vorjahr ein.

Textgröße ändern: