Deutsche Tageszeitung - Kritik an Koalitionseinigung zur Einführung eines Lobbyregisters

Kritik an Koalitionseinigung zur Einführung eines Lobbyregisters


Kritik an Koalitionseinigung zur Einführung eines Lobbyregisters
Kritik an Koalitionseinigung zur Einführung eines Lobbyregisters / Foto: ©

Auch nach der Einigung der großen Koalition auf ein Lobbyregister reißen Forderungen nach strengeren Regeln nicht ab. Grüne und Linkspartei kritisierten die Pläne am Mittwoch als unzureichend, die Organisation Lobbycontrol sah in dem Kompromiss "Licht und Schatten". Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach von einem "großen Erfolg", kritisierte aber, dass weitere Regelungen mit der Union nicht umsetzbar gewesen seien. Das Lobbyregister soll zeitnah im Bundestag verabschiedet werden.

Textgröße ändern:

Die nach langem Ringen erzielte Einigung war am Dienstagabend bekannt geworden. Professionelle Interessenvertreter müssen sich demnach künftig in ein Register eintragen, das beim Bundestag geführt wird und öffentlich einsehbar sein soll. Verstöße sollen mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden können.

Die gesetzliche Registrierungspflicht soll für die Interessenvertretung auch gegenüber Abgeordneten, Fraktionen und der Bundesregierung gelten. Professionelle Interessenvertreter müssten sich künftig dann vor Kontaktaufnahme in dem Register eintragen und Angaben zu ihrem Arbeits- oder Auftragsgeber, zur Anzahl der Beschäftigten und finanziellen Aufwendungen machen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Mittwoch, dass das Lobbyregister nun zeitnah verabschiedet werden könne.

Um die Einführung eines Lobbyregisters hatten SPD und Union zuvor lange gerungen. Im Sommer 2020 trug die öffentliche Empörung über den Fall des CDU-Politiker Philipp Amthor dazu bei, dass die Union dem Vorhaben nach langem Zögern im Grundsatz zustimmte. Die Details blieben aber bis zur Einigung am Dienstagabend strittig.

Bundesjustizministerin Lambrecht erklärte dazu, die Einführung eines Lobbyregisters sei "ein großer Erfolg, für den wir lange gekämpft haben". Damit werde "ein wirksames Instrument für mehr Transparenz in der Gesetzgebung" geschaffen. Ein entscheidender Faktor für die Wirksamkeit des Registers sei die Einbeziehung der Bundesregierung bis auf die Ebene der Unterabteilungsleitung.

Lambrecht zeigte sich zugleich überzeugt, dass es sinnvoll gewesen wäre, "noch transparenter zu machen, wessen Anliegen von einem Gesetzentwurf betroffen sind und wer sich in den Gesetzgebungsprozess eingebracht hat". Das sei der "exekutive Fußabdruck". Dies sei aber mit dem Koalitionspartner "leider nicht umsetzbar" gewesen.

Die SPD-Fraktion zeigte sich insgesamt zufrieden mit der Koalitionseinigung. "Endlich hat die Union eingelenkt, nachdem die jahrelange Blockade auch vor der Öffentlichkeit nicht mehr vertretbar war", erklärte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich. Wichtig sei, dass das Lobbyregister nicht nur für den Bundestag gelte, sondern auch für die Bundesregierung.

Grüne und Linke zeigten sich dagegen unzufrieden. "Was CDU/CSU und SPD für mehr Transparenz vorschlagen, ist unzureichend", kritisierte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Britta Haßelmann. Der Parlamentsgeschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte, nannte es "enttäuschend und bezeichnend zugleich", dass sich die Koalition nach "den nicht enden wollenden Skandalen von Unionsabgeordneten nur auf ein zahnloses Lobbyregister-light" geeinigt habe.

Die Organisation Lobbycontrol begrüßte die Einigung grundsätzlich, auch wenn die Pläne aus ihrer Sicht nicht weit genug gehen. Es sei ein "wichtiger Schritt hin zu Transparenz im Lobbyismus gemacht, auch wenn es sich um einen Kompromiss handelt und wir uns deutlich mehr gewünscht hätten", erklärte Lobbycontrol-Experte Timo Lange.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Unterlassene Hilfeleistung: Wann Sie helfen müssen und welche Risiken bestehen

Wer in einer Notlage nicht hilft, macht sich strafbar. Doch was genau verlangt das Gesetz von Passanten? Rechtsanwältin Leonora Holling und Rechtsanwalt Christian Rode klären auf: Hilfe muss möglich und zumutbar sein, doch wer handelt, ist vor Haftungsrisiken weitgehend geschützt.

Neue Berechnung: Deutschland droht 2026 Klimaziel zu verfehlen

Deutschland droht 2026 anders als in den Vorjahren sein gesetzliches Klimaziel zu verfehlen. Das geht aus am Freitag veröffentlichten Berechnungen des Thinktanks Agora Energiewende auf Basis vorläufiger Daten hervor. Demnach nahmen die Treibhausgasemissionen im ersten Halbjahr zwar weiter ab, jedoch nur geringfügig um sieben Millionen CO2-Äquivalente. Zudem sei der Rückgang in erster Linie auf die schwierige Wirtschaftslage und auf Preiseffekte zurückzuführen.

Brosius-Gersdorf kritisiert Richterwahl in neuem Buch

Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf hat ein neues Buch veröffentlicht, in dem sie ihre abgelehnte Nominierung zur Richterin am Bundesverfassungsgericht thematisiert. Sie wirft der Politik vor, die Grenzen der juristischen Vernunft zu überschreiten und ihre wissenschaftlichen Standpunkte als Hindernis für das Amt zu nutzen.

US-Bundesrichterin blockiert vorerst Trumps Dekret zu Briefwahleinschränkungen

Gut zwei Monate vor den Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten hat eine US-Bundesrichterin den Plänen von Präsident Donald Trump für eine erschwerte Briefwahl vorerst einen Riegel vorgeschoben. Ein entsprechendes Dekret Trumps sei "mutmaßlich verfassungswidrig", erklärte die Richterin Indira Talwani am Donnerstag (Ortszeit). Unabhängig davon wäre es für die Bundesstaaten "praktisch unmöglich", das Dekret umzusetzen, führte sie weiter aus.

Textgröße ändern: