Deutsche Tageszeitung - EU bringt breit angelegte Reformdiskussion auf den Weg

EU bringt breit angelegte Reformdiskussion auf den Weg


EU bringt breit angelegte Reformdiskussion auf den Weg
EU bringt breit angelegte Reformdiskussion auf den Weg / Foto: ©

Nach monatelanger Verzögerung hat die EU eine breit angelegte Diskussion über ihre Reform auf den Weg gebracht. Der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Portugals Regierungschef Antonio Costa unterzeichneten am Mittwoch in Brüssel eine entsprechende Vereinbarung. Die sogenannte Konferenz zur Zukunft Europas soll mit starker Bürgerbeteiligung stattfinden und im ersten Halbjahr 2022 Vorschläge für eine EU-Reform vorlegen.

Textgröße ändern:

"Heute wollen wir hören, wovon die EU-Bürger träumen", sagte von der Leyen. Die Zukunftskonferenz wolle die "stille Mehrheit" erreichen, um die richtigen Reformen einleiten zu können. Parlamentspräsident Sassoli sprach von einem "besonderen Tag für die europäische Demokratie".

Offizieller Starttermin für die Konferenz ist der Europatag am 9. Mai. Hier soll es eine Veranstaltung am Parlamentssitz in Straßburg geben. Davor könnten aber bereits Online-Veranstaltungen stattfinden. Die EU-Kommission entwickelt dazu eine digitale Plattform. Sie könnte dem Vernehmen nach Ende März fertig sein.

Eine Verpflichtung zur Umsetzung der am Ende der Konferenz präsentierten Reformvorschläge gibt es nicht. Darin geforderten Änderungen der EU-Verträge müssten die Mitgliedstaaten einstimmig zustimmen, was als hohe Hürde gilt. Die SPD-Europaabgeordnete Gabriele Bischoff warnte deshalb, die Vorschläge dürften nach der Konferenz nicht wie frühere Reforminitiativen "in Schubladen landen".

Das Vorhaben mit Diskussionsforen auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene hätte eigentlich schon im Mai vergangenen Jahres starten sollen. Verzögert wurde das Vorhaben dann aber einerseits durch die Corona-Pandemie, die Präsenzveranstaltungen mit Bürgern unmöglich machte.

Im Hintergrund ging es aber vor allem um die Frage, wer die Konferenz leiten soll. Das EU-Parlament hatte den ehemaligen belgischen Regierungschef Guy Verhofstadt vorgeschlagen. Der kampfeslustige Liberale stieß aber bei mehreren EU-Regierungen auf Ablehnung.

Der portugiesische Ratsvorsitz schlug dann im Februar eine Ko-Präsidentschaft der drei beteiligten Institutionen vor. Demnach sollen Kommissionspräsidentin von der Leyen, Parlamentspräsident Sassoli und der Staats- oder Regierungschef des Landes, das turnusmäßig die EU-Ratspräsidentschaft innehat, die Konferenz leiten.

Eine Ebene darunter soll ein "Exekutivausschuss" angesiedelt sein. Hier soll jede der drei Institutionen drei Vertreter stellen. Hier könnte auch einen Posten für Verhofstadt möglich sein.

Der Exekutivausschuss soll einem Konferenzplenum, dem Abgeordnete aus dem EU- und nationalen Parlamenten, aber auch Vertreter des Rates und der Kommission angehören sowie Bürger, Vorschläge für die Annahme von Reformvorhaben machen. Das Ergebnis wird dann in einem Schlussbericht vorgelegt.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma: Besserer Schutz für Minderheit angemahnt

Der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, Michael Brand, hat größere Anstrengungen zum Schutz von Sinti und Roma in Deutschland angemahnt. Der Umgang mit Minderheiten zeige, wie es um eine Demokratie bestellt sei, sagte Brand am Sonntag im Deutschlandfunk anlässlich des europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma. "Die Sinti und Roma sind Teil von Deutschland", hob der CDU-Politiker hervor.

Fifa-Chef Infantino trotz Investoren-Rückziehers weiter massiv unter Druck

Fifa-Chef Gianni Infantino bleibt auch nach dem Verzicht auf seinen umstrittenen Investoren-Plan massiv unter Druck. Die Uefa entzog ihm am Samstag in einer Erklärung ihr "Vertrauen". Ebenso wie der europäische Fußballverband fordert auch der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf eine umfassende Aufarbeitung von Infantinos Präsidentschaft. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verlangte eine "grundsätzlich andere Kultur" im Weltfußballverband.

SPD-Generalsekretär fordert höhere Erbschaftsteuer und Vermögensteuer

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat Forderungen nach einer höheren Besteuerung großer Erbschaften sowie einer Wiedererhebung der Vermögensteuer für Superreiche bekräftigt. Man könne nicht sagen: "Wir sparen jetzt bei Gesundheit, wir haben eine Pflegereform vor uns, wir müssen bei der Rente etwas tun" und gleichzeitig denjenigen mit den allerhöchsten Vermögen und Erbschaften nicht zusätzlich etwas abverlangen, sagte Klüssendorf der "Bild am Sonntag".

Trump: USA und Israel setzen neue Angriffe auf den Iran aus

Die USA und Israel verzichten nach Angaben von US-Präsident Donald Trump vorübergehend auf weitere Angriffe auf den Iran. Die USA seien vom Iran und von weiteren Ländern in der Region darum gebeten worden, weil sich eine neue Vereinbarung abzeichne, schrieb Trump am Samstagabend (Ortszeit) auf seiner Onlineplattform Truth Social. Ein solcher Deal müsse aber "schnell" erzielt werden.

Textgröße ändern: