Deutsche Tageszeitung - Deutlicher Anstieg von Hilfesuchenden bei Krisentelefonen in Corona-Krise

Deutlicher Anstieg von Hilfesuchenden bei Krisentelefonen in Corona-Krise


Deutlicher Anstieg von Hilfesuchenden bei Krisentelefonen in Corona-Krise
Deutlicher Anstieg von Hilfesuchenden bei Krisentelefonen in Corona-Krise / Foto: ©

In der Corona-Krise suchen deutlich mehr Menschen Rat bei einem Krisentelefon oder ähnlichen Anlaufstellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) informierte sich am Mittwoch bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern solcher Hilfsangebote über die Erfahrungen in der Pandemie. Einhellige Aussage war, dass die Sorgen der Menschen deutlich gestiegen sind. Die Hilfesuchenden leiden demnach unter Einsamkeit, Isolation, Problemen in der Familie oder depressiven Stimmungen. Viele hätten auch Suizidgedanken.

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Gabriela Piber von der Telefonseelsorge Oberschwaben-Allgäu-Bodensee sagte, aufgrund der Pandemie sei die Zahl der Anrufe wegen Einsamkeit und Isolation um 27 Prozent gestiegen. Zudem riefen deutlich mehr Menschen mit Suizidgedanken an, darunter auch viele Jugendliche. Hier liege der Anstieg bei fast 17 Prozent.

Benjamin Ochel vom Berliner Krisendienst sagte, in der Corona-Krise werde "alles verstärkt". Er nannte Beziehungskrisen, Verlustängste, familiären Krisen bis hin zu schweren psychiatrischen Krisen. Anfangs hätten sich viele an das Hilfeangebot gewandt, deren psychosoziale Hilfen durch die Pandemie eingeschränkt wurden. Jetzt meldeten sich zunehmend auch Menschen mit neuen psychischen Symptomen, die sich aus der Dauerbelastung ergeben.

Die Leiterin des Hilfetelefons Gewalt gegen Frauen, Petra Söchting, berichtete von einem Anstieg der Anfragen seit April 2020 um rund 20 Prozent. Es werde "sehr deutlich", wie belastet und verzweifelt viele Frauen durch Corona seien. Die Arbeit des Hilfetelefons werde durch die Pandemie erschwert, da viele Stellen wie Frauenhäuser oder Beratungsstellen ihre Arbeit wegen der Pandemie einschränken mussten.

Merkel sagte, sie habe "Hochachtung" vor der Arbeit der Mitarbeiter der Hilfs- und Krisentelefonen, von denen viele ehrenamtlich engagiert sind. Ausdrücklich wollte sie auch von allen Teilnehmern des Gesprächs wissen, wo die Politik Unterstützung leisten könne.

Die Kanzlerin sagte, die Dauer der Pandemie sei "dramatisch". Zugleich verwies sie darauf, dass es Licht am Ende des Tunnels gebe. "Es sind jetzt noch drei, vier schwere Monate, März, April, Mai, Juni, dann werden wir mit dem Impfen so weit sein, dass wir wirklich richtig Effekte sehen", sagte die Kanzlerin. "Dann wird es deutlich besser, aber im Augenblick fällt jeder Tag schwer."

Seit dem vergangenen Jahr hatte Merkel schon fünf digitale Bürgerdialoge mit Bevölkerungsgruppen geführt, die von der Pandemie besonders betroffen sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden nicht vom Bundeskanzleramt, sondern von verschiedenen Kooperationspartnern benannt.

(M.Dylatov--DTZ)

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