Deutsche Tageszeitung - Schulze dringt am Fukushima-Jahrestag auf Schließung von Atomfabriken

Schulze dringt am Fukushima-Jahrestag auf Schließung von Atomfabriken


Schulze dringt am Fukushima-Jahrestag auf Schließung von Atomfabriken
Schulze dringt am Fukushima-Jahrestag auf Schließung von Atomfabriken / Foto: ©

Zehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) einen Zwölf-Punkte-Plan zur Vollendung des Atomausstiegs in Deutschland vorgelegt. Zu dem von der Ministerin am Donnerstag in Berlin vorgestellten Konzept zählen die Schließung der Atomfabriken, die Endlagerung sowie der beschleunigte Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Textgröße ändern:

"Mit dem Abschalten der letzten deutschen Atomkraftwerke erreichen wir nächstes Jahr ein historisches Ziel", sagte Schulze. Doch es blieben nukleare Risiken, die weitere konsequente Schritte erforderten. "Unsere Arbeit ist mit dem deutschen Atomausstieg Ende 2022 nicht beendet", betonte die Ministerin. Die Katastrophe von Fukushima nannte sie eine "Zäsur".

Schulze forderte neben der Abschaltung der verbliebenen Akw auch die Schließung der deutschen Atomfabriken in Gronau und Lingen. Darauf hatte sich die schwarz-rote Bundesregierung bislang allerdings nicht verständigen können. "Anders als über eine Entschädigung wird es nicht gehen", sagte nun Schulze.

Ein weiterer Punkt ihres Plans betrifft die laufende Suche nach einem Endlager-Standort für hochradioaktive Abfälle. Zudem will Schulze die Atomrisiken in Europa reduzieren und dafür den Schulterschluss mit den atomkritischen Ländern suchen. Ziel sei, Laufzeitverlängerungen älterer Reaktoren zu verhindern und zu erreichen, dass in der EU keine öffentliche Gelder für Atomkraftwerke bereitgestellt werden.

"Mir bereitet die zunehmende Überalterung der europäischen Atomkraftwerke große Sorge", sagte die Ministerin. Bei Atomkraftwerken in Grenznähe sollten die bilaterale Kooperation gestärkt und der radiologische Notfallschutz fortgeführt und international besser vernetzt werden.

Die Grünen-Umweltpolitikerin Sylvia Kotting-Uhl begrüßte, dass Schulze mit ihrem Plan endlich viele Forderungen ihrer Partei aufnehme. Allerdings komme der Vorstoß der Ministerin für die Schließung der Atomanlagen in Gronau und Lingen "zu spät", um noch in dieser Legislaturperiode Wirkung zu entfalten. Gegen Forderungen nach einer Renaissance der Atomkraft wandte sich die Grünen-Klimaexpertin Lisa Badum. "Die Atomkatastrophe von Fukushima hat schmerzhaft gezeigt, wie unbeherrschbar und zerstörerisch Atomkraft ist", hob sie hervor.

"Die von einigen propagierte Renaissance der Atomenergie als Lösung der Klimakrise ist ein Irrweg", erklärten auch die SPD-Umweltpolitiker Matthias Miersch, Carsten Träger und Nina Scheer. Sie forderten stattdessen mehr "zukunftsfähige Investitionen" in Energiewende und Ökostrom. Atomkraft sei für Deutschland "keine Zukunftsoption", sagte auch die CDU-Umweltpolitikerin Marie-Luise Dött der "Rheinischen Post". Lediglich AfD-Fraktionschef Alexander Gauland sprach von einem "Irrweg" des Atomausstiegs.

"Atomkraft ist letztlich nie kontrollierbar und bleibt eine Hochrisikotechnologie", erklärte auch Juliane Dickel vom Umweltverband BUND, dazu komme die ungeklärte Entsorgungsfrage. Kritik übte sie an Akw-Laufzeitverlängerungen in Frankreich. Ein breites Bündnis von Umwelt- und Friedensorganisationen forderte anlässlich des Fukushima-Jahrestags "einen schnellen und konsequenten Ausstieg aus der Atomkraft - in Deutschland und weltweit". Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital verlangte mit Blick auf Gronau und Lingen ein Ende der deutschen Beteiligung an "atomaren Lieferketten".

Am 11. März 2011 hatte sich im japanischen Fukushima infolge eines schweren Erdbebens und eines Tsunamis das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 ereignet. Als Konsequenz wurden in Deutschland mehrere Atomkraftwerke stillgelegt, für die übrigen ein neuer Ausstiegsfahrplan beschlossen.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Trump: Unterstützung für Netanjahu hat diesem bei Wahl in Israel sehr geholfen

US-Präsident Donald Trump hat nach der Parlamentswahl in Israel die Bedeutung seiner Unterstützung für Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betont. "Ich glaube, als die Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen", sagte Trump am Mittwoch mit Blick auf Netanjahu zu Reportern an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. Trump hatte sich vor der Wahl mehrfach hinter Netanjahu gestellt, beide gelten als enge Verbündete.

Neue Antisemitismusbeauftragte beklagt offen gelebten Judenhass in Deutschland

Die neue Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein hat beklagt, dass Judenhass hierzulande teils wieder offen gelebt wird. Deutschland sei an einer Stelle angelangt, "wie es sie seit der Schoah wahrscheinlich nie gab", sagte die Regierungsbeauftragte der "Rheinischen Post" vom Mittwoch. "Antisemitismus wird offen und schamlos verbreitet."

Buenos Aires: Flávio Bolsonaro von Brasilien über Argentinien nach Ecuador gereist

Der bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegene Kandidat Flávio Bolsonaro ist nach Angaben der argentinischen Regierung nach seiner Flucht aus Brasilien über Argentinien nach Ecuador gereist. Bolsonaro sei am Dienstagabend nach Argentinien eingereist, ehe er einen Flug nach Ecuador angetreten habe, erklärte die argentinische Einwanderungsbehörde am Mittwoch im Onlinedienst X. Bolsonaro hatte am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verloren. US-Medien hatten berichtet, Bolsonaro sei in den USA eingetroffen.

Israels Wahlbehörde: Nach Auszählung von 50 Prozent der Stimmen führt Netanjahus Block

Bei der Parlamentswahl in Israel liegt nach Auszählung der Hälfte aller Stimmzettel offiziellen Angaben zufolge der Block von Regierungschef Benjamin Netanjahu vor dem Block der Opposition. Nach Angaben der israelischen Wahlkommission vom Mittwoch kommen Netanjahus Likud-Partei und ihre Verbündeten nach Auszählung von 50.1 Prozent der Stimmzettel auf 56 der 120 Sitze im Parlament. Das Oppositionsbündnis unter Gadi Eisenkot kommt demnach auf 49 Sitze, die Listen der arabischen Israelis auf 15.

Textgröße ändern: