Deutsche Tageszeitung - Eklat bei EU-Anhörung zu Medienfreiheit mit Sloweniens Regierungschef

Eklat bei EU-Anhörung zu Medienfreiheit mit Sloweniens Regierungschef


Eklat bei EU-Anhörung zu Medienfreiheit mit Sloweniens Regierungschef
Eklat bei EU-Anhörung zu Medienfreiheit mit Sloweniens Regierungschef / Foto: ©

Bei einer Anhörung im Europaparlament zur Medienfreiheit ist es zu einem Eklat mit Sloweniens Ministerpräsident Janez Jansa gekommen. Der rechtskonservative Regierungschef, der am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, verlangte von den Abgeordneten, bei seinem Eingangsstatement ein vorgefertigtes Video zu präsentieren. Nachdem ihm dies verweigert wurde, unterbrach er seine Video-Verbindung und warf den Abgeordneten auf sozialen Medien "Zensur" vor.

Textgröße ändern:

Jansa steht seit längerem in der EU wegen seines Umgangs mit Medien in der Kritik. So zeigte sich die EU-Kommission besorgt, nachdem seine Regierung der Nachrichtenagentur STA öffentliche Fördergelder streichen wollte. Jansa hatte STA mehrfach scharf angegriffen, unter anderem nachdem die Agentur seine Regierung für ihren Umgang mit der Corona-Pandemie kritisiert hatte.

Im Februar kritisierte Brüssel auch Angriffe auf ausländische Medienvertreter. Der Regierungschef hatte dabei öffentlich eine Reporterin des Magazins "Politico" angegriffen, der er vorwarf, "Fakenews" und "linksextreme Propaganda" über ihn zu verbreiten.

Am Freitag zeigte er sich bereit, an einer Anhörung einer Beobachtergruppe zur Medienfreiheit in Slowenien im EU-Parlament teilzunehmen. Er stritt sich dann über geraume Zeit mit Sitzungsleiterin Sophie in’t Veld über das Video, das er zeigen wollte, "um Zeit zu sparen". Die Liberale lehnte das ab und verwies darauf, dass dies in solchen Anhörungen nicht üblich sei und das Video erst Minuten vor der Sitzung nach Brüssel geschickt worden sei.

Jansa zufolge sollte das Video "die andere Seite der Medaille der Medienfreiheit in Slowenien" zeigen. Er sprach von "Angriffen auf Journalisten" und einem Mordversuch aus der Zeit nach Sloweniens Unabhängigkeit ab 1991.

Der 62-jährige Jansa wurde erstmals 2004 Ministerpräsident Sloweniens und hat das Amt inzwischen bereits zum dritten Mal inne. Sein autoritärer Stil hat ihm während seiner ersten Amtszeit den Spitznamen "slowenischer Putin" eingebracht. Als er am Freitag das Video nicht zeigen durfte, forderte er eine Unterbrechung und Neuorganisation der Sitzung.

"Sie werden die Europäische Union ab dem 1. Juli führen", sagte darauf in’t Veld. "Ich denke, Sie sind absolut in der Lage, uns zu erklären, was die Sorgen in Ihrem Land sind." Kurz darauf stellte die Sitzungsleiterin fest, dass der Regierungschef "die Verbindung unterbrochen hat". Es tue ihr leid, dass die Anhörung "nicht nach seinem Geschmack gewesen" sei.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

EU-Spitzen zu Gipfeltreffen in Kanada

Vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen zu den USA beginnt am Donnerstag in Montreal der EU-Kanada-Gipfel. Die EU-Delegation wird von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa angeführt. Eröffnet wird das Treffen mit einer Rede von der Leyens zu den Beziehungen zwischen Kanada und der EU (15.00 Uhr MEZ).

Rotes Kreuz eröffnet größtes Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands

Das Deutsche Rote Kreuz eröffnet am Donnerstag in Brandenburg das größte und modernste Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands (9.30 Uhr). Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wird bei der Veranstaltung in Luckenwalde die Eröffnungsrede halten. Mit der Lagerung und schnellen Bereitstellung von Hilfsgütern für Katastrophen in Deutschland soll der DRK-Bevölkerungsschutz-Hub für die nationale Krisenvorsorge eine Schlüsselrolle einnehmen.

Merz besucht Südkorea - Halbleiter und Abhängigkeit von China auf der Agenda

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) tritt am Donnerstag den letzten Teil seiner Asienreise an und besucht Südkorea. In Seoul trifft er Präsident Lee Jae Myung, mit dem am späten Nachmittag (10.00 Uhr MEZ) eine Pressekonferenz geplant ist. Begleitet wird der Kanzler von einer Delegation aus Vertretern von Industrie- und Technologieunternehmen sowie des Energie- und Verteidigungssektors.

Konstituierende Sitzung von neu gewähltem Abgeordnetenhaus in Berlin

Fünfeinhalb Wochen nach der Wahl in Berlin kommt das neue Abgeordnetenhaus am Donnerstag (10.00 Uhr) zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Parlamentspräsidiums. Die Linke als stärkste Fraktion schlägt die Abgeordnete Hendrikje Klein als Präsidentin vor. Die 46-Jährige ist seit 2016 Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und derzeit parlamentarische Geschäftsführerin der Linken-Fraktion.

Textgröße ändern: