Deutsche Tageszeitung - Söder sieht wegen Umfragetiefs Gefahr einer "Wechselstimmung" im Land

Söder sieht wegen Umfragetiefs Gefahr einer "Wechselstimmung" im Land


Söder sieht wegen Umfragetiefs Gefahr einer "Wechselstimmung" im Land
Söder sieht wegen Umfragetiefs Gefahr einer "Wechselstimmung" im Land / Foto: ©

Nach dem Absturz der Union in den Umfragen hat CSU-Chef Markus Söder vor einer "Wechselstimmung" in Deutschland gewarnt. "Die Lage ist sehr ernst. Die Corona-Zahlen steigen und die Unionswerte fallen", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". "Es kommt Wechselstimmung im Land auf." CDU-Parteivize Norbert Röttgen sagte am Wochenende: "Schon die Landtagswahlen waren ein Weckruf, aber jetzt herrscht wirklich Alarm".

Textgröße ändern:

Die Union müsse "zeigen, dass sie noch Kraft und Ideen hat und nicht erschöpft und ausgelaugt ist", sagte Söder. "Es braucht jetzt Aufbruch." Die Union habe kein Abo mehr auf die Kanzlerschaft, fügte er hinzu.

Im "Sonntagstrend" für die "Bild am Sonntag" setzte sich der Abwärtstrend der Union die vierte Woche in Folge fort. CDU und CSU verloren zwei Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwoche und kamen nun auf 25 Prozent, wie die wöchentliche Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Kantar ergab. Das sind elf Prozentpunkte weniger als noch vor sieben Wochen.

Die Grünen verbesserten sich um einen Punkt auf 23 Prozent und lagen damit nur noch zwei Punkte hinter der Union. Die SPD profitierte weiter nicht von der Schwäche ihres Koalitionspartners und blieb unverändert bei 17 Prozent. AfD und FDP lagen beide unverändert bei jeweils zehn Prozent, die Linke gewann einen Punkt auf neun Prozent. Befragt wurden 1447 Menschen im Zeitraum vom 18. bis zum 24. März.

Im ZDF-"Politbarometer" vom Freitag war die Union um sieben Punkte auf 28 Prozent abgerutscht, zulegen konnten vor allem die Grünen mit einem Plus von vier Punkten auf 23 Prozent.

Röttgen sagte der "Augsburger Allgemeinen" vom Samstag, die Umfrageverluste seien "durch einen massiven Verlust von Vertrauen eingetreten". Die gesamte Partei müsse nun gemeinsam mit CDU-Chef Armin Laschet mit der Krise umgehen. "Das ist nicht das alleinige Problem des Vorsitzenden." Mit Blick auf die Bundestagswahl in einem halben Jahr fügte Röttgen hinzu: "Aber die Zeit dafür wird knapp."

Röttgen warnte zugleich vor Zeitdruck in der Frage der Kanzlerkandidatur. Die CDU/CSU solle "nichts überstürzen", mahnte der CDU-Vizevorsitzende. "Mit Aktionismus gewinnen wir kein Vertrauen wieder." Dass es mit Söder einen möglichen Bewerber gebe, sei kein Problem.

"Ich finde, wir sollten uns als CDU darüber freuen, dass der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident in den Umfragen gut dasteht", sagte Röttgen. Es gehe darum, mit welcher Aufstellung die Union "im Herbst die größte Aussicht auf Erfolg" haben wird.

CDU-Bundesvize Thomas Strobl sagte der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" vom Samstag: "Die CDU in Deutschland möchte, dass unser Bundesvorsitzender Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union wird und im Herbst auch Bundeskanzler." Diesen Eindruck habe er aus vielen Gesprächen gewonnen, sagte der baden-württembergische Innenminister und Landesparteichef.

Angesichts der "schwierigen Lage" rief Strobl Laschet und Söder auf, die offene Führungsfrage in der Union schnell zu beantworten, "und dies nicht sehr viel später als Ostern".

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

EU-Spitzen zu Gipfeltreffen in Kanada

Vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen zu den USA beginnt am Donnerstag in Montreal der EU-Kanada-Gipfel. Die EU-Delegation wird von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa angeführt. Eröffnet wird das Treffen mit einer Rede von der Leyens zu den Beziehungen zwischen Kanada und der EU (15.00 Uhr MEZ).

Rotes Kreuz eröffnet größtes Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands

Das Deutsche Rote Kreuz eröffnet am Donnerstag in Brandenburg das größte und modernste Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands (9.30 Uhr). Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wird bei der Veranstaltung in Luckenwalde die Eröffnungsrede halten. Mit der Lagerung und schnellen Bereitstellung von Hilfsgütern für Katastrophen in Deutschland soll der DRK-Bevölkerungsschutz-Hub für die nationale Krisenvorsorge eine Schlüsselrolle einnehmen.

Merz besucht Südkorea - Halbleiter und Abhängigkeit von China auf der Agenda

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) tritt am Donnerstag den letzten Teil seiner Asienreise an und besucht Südkorea. In Seoul trifft er Präsident Lee Jae Myung, mit dem am späten Nachmittag (10.00 Uhr MEZ) eine Pressekonferenz geplant ist. Begleitet wird der Kanzler von einer Delegation aus Vertretern von Industrie- und Technologieunternehmen sowie des Energie- und Verteidigungssektors.

Konstituierende Sitzung von neu gewähltem Abgeordnetenhaus in Berlin

Fünfeinhalb Wochen nach der Wahl in Berlin kommt das neue Abgeordnetenhaus am Donnerstag (10.00 Uhr) zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Parlamentspräsidiums. Die Linke als stärkste Fraktion schlägt die Abgeordnete Hendrikje Klein als Präsidentin vor. Die 46-Jährige ist seit 2016 Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und derzeit parlamentarische Geschäftsführerin der Linken-Fraktion.

Textgröße ändern: