Deutsche Tageszeitung - Australiens Premier baut wegen Missbrauchsskandalen Kabinett um

Australiens Premier baut wegen Missbrauchsskandalen Kabinett um


Australiens Premier baut wegen Missbrauchsskandalen Kabinett um
Australiens Premier baut wegen Missbrauchsskandalen Kabinett um / Foto: ©

Vor dem Hintergrund zweier Missbrauchsskandale hat Australiens Premierminister Scott Morrison sein Kabinett umgebaut. Die bisherige Verteidigungsministerin Linda Reynolds erhielt am Montag das weniger prestigeträchtige Ressort für staatliche Leistungen, der bisherige Justizminister Christian Porter übernahm das Wissenschaftsministerium. Beide Politiker waren zuvor wochenlang vom Dienst freigestellt.

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Porter wird vorgeworfen, als junger Mann im Jahr 1988 eine 16-Jährige vergewaltigt zu haben. Die Frau soll Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr Suizid begangen haben. Porter bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet sich als Opfer einer Verleumdungskampagne.

Reynolds steht wegen eines anderen Falls im Fokus der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, Vergewaltigungsvorwürfen einer jungen Mitarbeiterin gegen einen Kollegen in ihrem parlamentarischen Büro nicht hinreichend nachgegangen zu sein und die Mitarbeiterin als "lügende Kuh" bezeichnet zu haben. Wegen ihres Umgangs mit den Vorwürfen hatte die Opposition Reynolds’ Rücktritt gefordert.

Auch Australiens Premierminister war wegen der Missbrauchsskandale zuletzt zunehmend unter Druck geraten. Zehntausende Frauen gingen in den vergangenen Wochen auf die Straße, um ihrer Empörung über die Fälle Ausdruck zu verleihen und ein Ende sexueller Gewalt sowie Geschlechtergerechtigkeit zu fordern. Morrisons Versuche, bei Medienauftritten Mitgefühl für die Opfer sexueller Gewalt zu zeigen, erzeugte bei vielen der Demonstrantinnen noch mehr Wut. In Umfragen verlor Morrison zuletzt deutlich an Zustimmung - nachdem er wegen seines Umgangs mit der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr erheblich an Beliebtheit gewonnen hatte.

Am Montag verkündete Morrison neben dem Umbau seines Kabinetts auch eine Reihe von Beförderungen für Frauen in seiner Regierung. Es handele sich um die "stärkste weibliche Repräsentation in einem australischen Kabinett" in der Geschichte des Landes, betonte er.

Das wichtige Verteidigungsministerium übernimmt mit dem bisherigen Innenminister Peter Dutton allerdings ein Mann. Dutton gilt als äußerst konservativ und ist wegen seiner harten Haltung gegenüber China sowie seiner restriktiven Flüchtlingspolitik umstritten.

(V.Sørensen--DTZ)

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