Deutsche Tageszeitung - Kreml-Kritiker Nawalny setzt Hungerstreik trotz starken Hustens und Fiebers fort

Kreml-Kritiker Nawalny setzt Hungerstreik trotz starken Hustens und Fiebers fort


Kreml-Kritiker Nawalny setzt Hungerstreik trotz starken Hustens und Fiebers fort
Kreml-Kritiker Nawalny setzt Hungerstreik trotz starken Hustens und Fiebers fort / Foto: ©

Der in einem russischen Straflager inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny leidet nach eigenen Angaben unter starkem Husten und Fieber, setzt seinen Hungerstreik aber fort. "Ich zitiere die offiziellen Werte der heutigen Temperaturmessung: ’Nawalny A.A., starker Husten, Temperatur 38,1 (Grad Celsius)", schrieb Nawalny am Montag im Onlinenetzwerk Instagram. "PS: Ich setzte meinen Hungerstreik natürlich fort."

Textgröße ändern:

Der 44-Jährige hatte seinen Hungerstreik am vergangenen Mittwoch begonnen. Er will damit nach eigenen Angaben erreichen, dass ihn ein Arzt besuchen darf, um ihn wegen starker Rücken- und Beinschmerzen zu behandeln. "Ich habe ein Recht darauf, dass ein Arzt zu mir kommt und dass ich Medikamente erhalte", schrieb Nawalny am Mittwoch auf Instagram. Ein Gefängnisarzt habe ihm bisher nur Schmerzmittel verordnet.

Nawalnys Mitarbeiter hatten sich zuletzt besorgt über dessen Gesundheitszustand gezeigt. Dieser leidet nach eigenen Angaben unter einem eingeklemmten Nerv im Rücken. Wegen unzureichender Behandlung drohe ihm deshalb der Verlust seines rechten Beins. Auch im linken Bein habe er allmählich kein Gefühl mehr.

Nach Angaben seiner Mitarbeiter hat Nawalny schon vor seinem Hungerstreik in der Haft stark abgenommen. Er verlor demnach seit seiner Ankunft in dem Straflager acht Kilogramm an Gewicht. Sein Team führte dies auf Schlafentzug zurück. Nawalny wird nach eigenen Angaben acht Mal pro Nacht von den Gefängniswärtern geweckt.

Die Gefängnisbehörde hatte Nawalnys Vorwürfe zurückgewiesen. Dieser erhalte "jegliche notwendige medizinische Hilfe". Andere Häftlinge fühlten sich durch die nächtlichen Kontrollen zudem nicht gestört.

Nawalny, der als der größte innenpolitische Widersacher Putins gilt, war im August in Russland Opfer eines Giftanschlags geworden, für den er den russischen Geheimdienst und den Kreml verantwortlich macht. Er wurde nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Moskau im Januar wurde Nawalny dann festgenommen. Im Februar wurde er in einem international kritisierten Verfahren wegen angeblicher Verstöße gegen seine Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Der Oppositionelle ist in der berüchtigten Strafkolonie Nr. 2 in der Kleinstadt Pokrow inhaftiert.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Geplante "GenZ"-Proteste: Anhaltende Kritik an Initiative und Sorge vor Gewalt

Vor den geplanten bundesweiten Schülerprotesten am Samstag reißen die Kritik an der Initiative "GenZ regelt" und die Sorge vor gewaltsamen Ausschreitungen nicht ab. Während mehrere Initiatoren ihre friedvolle Absicht bekräftigten, verlor die Gruppe einen prominenten Mitgründer. Auch die Landesschülervertretung Niedersachsen distanzierte sich von den Protesten. Die Bundesschülerkonferenz kündigte unterdessen am Donnerstag eine eigene Demonstration für den 20. November an.

Berlin: Krach distanziert sich indirekt von Linken-Spitzenkandidatin Eralp

Der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat Steffen Krach hat sich indirekt von seiner möglichen Koalitionspartnerin Elif Eralp (Linke) distanziert. "Wer diese Stadt regieren will, muss Gefahren deutlich benennen und Berlin vor ihnen schützen", sagte er am Donnerstag der "Welt". "Weder Clan-Bosse noch ein Ibrahim Ibrahim dürfen in Berlin was zu sagen haben."

Europarat prangert Zustände in französischen Abschiebezentren an

Französische Abschiebezentren sind nach Ansicht des Europarats wegen der intern schlimmen Zustände einer "Pulverfässer". Die in Straßburg ansässige Institution, die sich als Hüterin der Menschenrechte in Europa versteht, forderte Frankreich in einem Bericht am Donnerstag zu "dringenden Maßnahmen" auf, um die Zustände in den Abschiebzentren zu verbessern und Gewaltausbrüche zwischen den dort eingesperrten Menschen, die auf ihre Abschiebung warten, zu verhindern.

Linke stellt Parlamentspräsidentin in Berlin - AfD fällt mit Vorschlag durch

Die Linke-Abgeordnete Hendrikje Klein ist zur Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses gewählt worden. Bei der konstituierenden Sitzung des neu zusammengesetzten Parlaments am Donnerstag stimmten 98 der 149 anwesenden Abgeordneten für die 46-Jährige. Es gab 42 Gegenstimmen und neun Enthaltungen. Gegenkandidaten gab es keine. Die CDU-Politikerin Cornelia Seibeld wurde zur Vizepräsidentin gewählt, die AfD fiel mit ihrem Vorschlag für einen weiteren Stellvertreter durch.

Textgröße ändern: