Deutsche Tageszeitung - Kramp-Karrenbauer wirft Russland gezielte Provokationen im Ukraine-Konflikt vor

Kramp-Karrenbauer wirft Russland gezielte Provokationen im Ukraine-Konflikt vor


Kramp-Karrenbauer wirft Russland gezielte Provokationen im Ukraine-Konflikt vor
Kramp-Karrenbauer wirft Russland gezielte Provokationen im Ukraine-Konflikt vor / Foto: ©

Angesichts der russischen Truppenbewegungen nahe der ukrainischen Grenze hat Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) schwere Vorwürfe gegen Moskau erhoben. "Mein Eindruck ist, dass die russische Seite alles versucht, um Reaktionen zu provozieren", sagte sie am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". "Und wir wollen uns gemeinsam mit der Ukraine auf dieses Spiel nicht einlassen." Über die angespannte Lage in der Ostukraine beraten am Mittwoch auch die Nato-Verteidigungs- und Außenminister.

Textgröße ändern:

In der Ostukraine gibt es seit Mitte Februar wieder verstärkt Kämpfe zwischen pro-russischen Rebellen und der Regierungsarmee. Kiews westlichen Verbündeten bereitet zudem die jüngste Verlegung russischer Truppen an die ukrainische Grenze große Sorgen. Moskau spricht von "Kampftraining".

Kramp-Karrenbauer zog diese Darstellung in Zweifel. "Wenn es so ist, wie die russische Seite sagt, dass es ein Manöver ist - dafür gibt es international vorgeschriebene Verfahren, in denen man Transparenz und Vertrauen schafft", sagte sie in der ARD. Dies sei nicht geschehen.

Die Situation in der Ostukraine werde "sehr aufmerksam" beobachtet, "auch mit Sorge", sagte die Ministerin. Sie versicherte, "dass wir alles daran setzen, dass hier nichts eskaliert". Die Ukraine habe bisher sehr "besonnen" reagiert und dafür sei sie dankbar, sagte Kramp-Karrenbauer.

Die CDU-Politikerin betonte, dass die Nato an der Seite Kiews stehe. "Wir sind mit der Ukraine committet, das ist ganz klar." Es sei zugleich auch klar, dass der russische Präsident Wladimir Putin "gerade auf einen Schritt sozusagen hin zur Nato wartet, um einen Vorwand zu haben, um weiter agieren zu können".

Vor dem Hintergrund der angespannten Lage in der Ostukraine und der massiven russischen Truppenbewegungen in der Grenzregion hatte die Nato für diesen Mittwoch kurzfristig ein außerordentliches Treffen der Verteidigungs- und Außenminister aller Nato-Länder einberufen. Die virtuellen Beratungen, bei denen es auch um Afghanistan und den Iran gehen soll, finden anlässlich des Besuchs von US-Außenminister Antony Blinken und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in Brüssel statt.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Blinken hatten Kiew bereits am Dienstag bei einem Besuch des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba die Unterstützung der Nato und der USA zugesichert. In einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin gab am selben Tag auch der neue US-Präsident Joe Biden seiner "Besorgnis" über die jüngsten russischen Truppenverlegungen zum Ausdruck und rief Moskau zur Deeskalation auf. Nach Angaben des Weißen Hauses schlug Biden Putin zudem ein Gipfeltreffen in einem Drittstaat vor. Der Kreml erklärte am Mittwoch, den Vorschlag "prüfen" zu wollen.

Nach Angaben der Regierung in Kiew hat Russland inzwischen 41.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Zugleich gibt es seit Mitte Februar wieder verstärkt militärische Auseinandersetzungen zwischen pro-russischen Kämpfern und der Regierungsarmee in der Ostukraine.

Seit Jahresbeginn wurden bei den Gefechten in dem Konfliktgebiet 28 ukrainische Soldaten getötet, im Vergleich zu 50 im gesamten vergangenen Jahr. Insgesamt wurden seit Beginn des Konflikts 2014 bereits 13.000 Menschen getötet. Kiew und der Westen machen die pro-russischen Kämpfer und Moskau für die Zuspitzung der Lage verantwortlich.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Nach Rückkehr nach Venezuela: Machado dankt Trump für Sturz Maduros

Die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado hat US-Präsident Donald Trump für den US-Militäreinsatz zum Sturz des damaligen Staatschefs Nicolás Maduro gedankt. "Dank Ihrer Weitsicht, Ihres Mutes und Ihres Handelns am 3. Januar ist das Tor zur Freiheit aufgestoßen worden", sagte Machado am Donnerstag auf ihrer ersten Pressekonferenz nach ihrer Rückkehr nach Venezuela vor wenigen Tagen.

Weltklimarat soll im Dezember über nächsten Sachstandsbericht beraten

Nach den vorerst gescheiterten Verhandlungen über den Zeitplan für den nächsten großen Sachstandsbericht will der Weltklimarat (IPCC) Anfang Dezember erneut über noch offene Fragen beraten. Bei der virtuell abgehaltenen Sitzung vom 1. bis zum 3. Dezember solle über die Veröffentlichung des nächsten Sachstandsberichts sowie über den Haushalt beraten werden, erklärte der Weltklimarat am Donnerstag.

Frankreich verweigert österreichischem Rechtsextremisten Sellner die Einreise

Der rechtsextreme österreichische Aktivist Martin Sellner ist nach eigenen Angaben von den französischen Behörden an der Einreise nach Frankreich gehindert worden. "Ich bin am Flughafen in Frankreich festgehalten worden. Morgen werde ich abgeschoben", erklärte Sellner am Donnerstag im Onlinedienst X. Eigentlich wollte der 37-Jährige am Freitag sein Buch "Remigration" in einer Pariser Buchhandlung vorstellen und eine Signierstunde geben. Linke Gruppen hatten zu Protesten dagegen aufgerufen.

Medien: Ranghöchster Stratege der US-Armee überraschend entlassen

Vor dem Hintergrund möglicher neuer US-Angriffe auf den Iran ist der ranghöchste Stratege im US-Militär laut einem Medienbericht unerwartet entlassen worden. Der im Generalstab für Planungs- und Politikfragen zuständige Generalleutnant Brett Sylvia sei in dieser Woche von seinem Posten abberufen worden, berichtete das US-Magazin "The Atlantic" am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter des Verteidigungsministeriums in Washington. US-Medien zufolge stand die Entlassung im Zusammenhang mit dem angeblichen Durchstechen von Geheiminformationen durch Sylvia.

Textgröße ändern: