Deutsche Tageszeitung - Neue schottische Partei will gleich nach der Wahl für Unabhängigkeit kämpfen

Neue schottische Partei will gleich nach der Wahl für Unabhängigkeit kämpfen


Neue schottische Partei will gleich nach der Wahl für Unabhängigkeit kämpfen
Neue schottische Partei will gleich nach der Wahl für Unabhängigkeit kämpfen / Foto: ©

Die neue Partei des ehemaligen schottischen Regierungschefs Alex Salmond will schon unmittelbar nach der schottischen Parlamentswahl im Mai für die Unabhängigkeit von Großbritannien kämpfen. Binnen drei Wochen nach der Bildung einer neuen Regierung in Edinburgh werde sie sich für sofortige Gespräche mit London über ein neues Referendum und die Bedingungen für eine Unabhängigkeit einsetzen, erklärte Alba in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Parteiprogramm.

Textgröße ändern:

Darin fordert sie Vorbereitungen für eine schottische Zentralbank und eine neue Währung sowie eine schriftliche Verfassung. Sie schlägt zudem eine rasche Rückkehr zum europäischen Binnenmarkt vor. Nach ihren Vorstellungen sollen die Schotten eigens über einen Wiedereintritt in die EU abstimmen können - obwohl sie 2016 bereits mit überwältigender Mehrheit gegen den Brexit votiert hatten.

Salmond hatte die neue Partei Alba (schottisch-gälisch für Schottland) Ende März gegründet und war damit überraschend auf die politische Bühne zurückgekehrt. Der frühere Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP) war von 2007 bis 2014 Regierungschef, trat nach einem gescheiterten Unabhängigkeitsreferendum aber zurück. Mit seiner Nachfolgerin, der aktuellen Regierungschefin Nicola Sturgeon, hat er sich im Streit um Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn überworfen. Er wurde später von den Anschuldigungen freigesprochen.

Auch wenn Salmond betonte, die neue Partei sei keine direkte Konkurrentin der SNP, könnte er Sturgeon Stimmen streitig machen. Alba werde eine "neue politische Kraft" sein, die darauf abziele, im Mai eine "qualifizierte Mehrheit" für die Unabhängigkeit zu erreichen, sagte Salmond. Sturgeon bekräftigte jedoch am Sonntag, dass sie nicht mit ihrem ehemaligen Mentor zusammenarbeiten werde.

Die SNP hofft bei der Parlamentswahl am 6. Mai auf einen Sieg. Sturgeon strebt ein Referendum bis Ende 2023 an und hofft, nach einem Austritt aus dem Vereinigten Königreich wieder der EU beitreten zu können.

Der britische Premierminister Boris Johnson lehnt ein erneutes Referendum nach so kurzer Zeit jedoch strikt ab. Beim ersten Referendum im Jahr 2014 hatten sich noch 55 Prozent der Schotten gegen eine Loslösung von London ausgesprochen. Seit dem EU-Austritt Großbritanniens gewinnt die Unabhängigkeitsbewegung aber wieder an Fahrt. In ihrem Parteiprogramm schlägt Alba vor, ein Referendum notfalls per Gesetz zu verabschieden und vor den Gerichten dafür zu kämpfen.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Deutschland sagt weitere 250 Millionen Euro für Energieversorgung in Ukraine zu

Deutschland stellt der Ukraine weitere 250 Millionen Euro zur Sicherung ihrer von Russland angegriffenen Energieversorgung zur Verfügung. Mit dem Geld sollten "akute Reparaturbedarfe" im kommenden Winter finanziert werden, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin. Hintergrund ist, dass Russland bei seinen Angriffen oftmals gezielt ukrainische Kraftwerke zerstört. Der Ausfall der Wärmeversorgung macht den Menschen in dem Land vor allem im Winter schwer zu schaffen.

Moskau kündigt Schließung von russischen Standorten des Goethe-Instituts an

Als Reaktion auf die Schließung des Russischen Hauses in Berlin hat die russische Regierung eine Schließung der Standorte des Goethe-Instituts in Russland angekündigt. Die Zweigstellen des deutschen Kulturinstituts in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg würden "natürlich" geschlossen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Die Bundesregierung hatte die Schließung des Russischen Hauses mit dem mutmaßlich russischen Anschlagsversuch am Flughafen in Leipzig begründet.

Schmiererei an Gebäude von Rüstungsorganisation in Bonn - Staatsschutz ermittelt

Mehrere Vermummte haben in der Nacht zum Donnerstag in Bonn die Fassade eines Gebäudes einer Organisation für Rüstungskooperation großflächig mit roter Farbe besprüht. Bei dem Gebäude handle es sich um den Sitz der Gemeinsamen Organisation für Rüstungskooperation (Occar), sagte ein Polizeisprecher. Vor Ort fanden die Beamten eine rund zehn mal drei Meter große Schmiererei und die Schriftzüge "Krieg dem Krieg" und "Kriegstreiber stoppen".

Übergriffe gegen Journalisten in Sachsen-Anhalt: Gewerkschaft schlägt Alarm

Einschüchterung, Schikane und körperliche Gewalt: Die Journalistengewerkschaft dju hat einen deutlichen Anstieg von Übergriffen gegen Medienschaffende auf AfD-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt registriert. Seit Mai seien mehr als 30 Vorfälle dokumentiert worden, bei denen mindestens 43 Journalistinnen und Journalisten, TV-Teams und politische Influencer betroffen gewesen seien, teilte die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) innerhalb der Gewerkschaft Verdi am Donnerstag mit. 25 dieser Vorfälle hätten sich allein in den vergangenen drei Wochen ereignet.

Textgröße ändern: