Deutsche Tageszeitung - Hongkonger Journalistin wegen Recherche zu Geldstrafe verurteilt

Hongkonger Journalistin wegen Recherche zu Geldstrafe verurteilt


Hongkonger Journalistin wegen Recherche zu Geldstrafe verurteilt
Hongkonger Journalistin wegen Recherche zu Geldstrafe verurteilt / Foto: ©

Die preisgekrönte Journalistin Bao Choy ist in Hongkong wegen einer Recherche zu einem Angriff auf Demokratieaktivisten zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht befand die Mitarbeiterin des Senders RTHK am Donnerstag für schuldig, falsche Angaben gemacht zu haben, um Zugriff zu einer offiziellen Datenbank für Kfz-Zulassungen zu bekommen. Choys Recherche bezog sich auf eine Attacke pro-chinesischer Angreifer auf pro-demokratische Demonstranten im Juli 2019.

Textgröße ändern:

"Obwohl ich für schuldig befunden wurde, glaube ich immer noch, dass Journalismus kein Verbrechen ist", sagte Choy am Donnerstag vor Journalisten. Sie muss eine Geldstrafe von umgerechnet rund 650 Euro bezahlen. Ursprünglich drohte der Journalistin eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten.

Zahlreiche Kollegen von Choy und Mitglieder der RTHK-Mitarbeitergewerkschaft versammelten sich vor dem Gericht. Sie hielten Schilder mit der Aufschrift "Journalismus ist kein Verbrechen" und "Wer will, dass die Öffentlichkeit im Dunkeln tappt?".

Choys Recherche erfolgte für den Dokumentarfilm "Who Owns The Truth?". Der Film handelt von einem Angriff mehrerer mit Knüppeln und Stöcken bewaffneter Männer auf eine Gruppe von Demokratieaktivisten im Jahr 2019. Die Filmemacher nutzten für ihre Recherche unter anderem Aufnahmen von Sicherheitskameras, Interviews mit Zeugen und eine Datenbank für Nummernschilder.

Die öffentlich zugängliche Datenbank für Nummernschilder war lange von Journalisten in Hongkong genutzt worden. Dann führten die Behörden eine Regelung ein, die es Medienvertretern nicht mehr erlaubt, die Datenbank zur Recherchen zu nutzen. Choy hatte deshalb angegeben, sie nutze die Datenbank zu "Verkehrs- und Transportangelegenheiten".

Der Sender RTHK hatte Choy nach ihrer Verhaftung im November suspendiert und keine Erklärung zur Unterstützung ihrer Arbeit abgegeben. Nach Angaben der RTHK-Gewerkschaft trug der Sender nicht zur Verteidigung von Choy bei. RTHK lehnte eine Stellungnahme am Donnerstag ab.

Hongkong ist in den vergangenen Jahren auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit zunehmend nach unten gerutscht. Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) führt die chinesische Sonderverwaltungszone derzeit auf Platz 80, im Jahr 2002 war es noch Platz 18.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Berliner SPD lässt Mitglieder über mögliche rot-grün-rote Koalition abstimmen

Die Berliner SPD lässt ihre Mitglieder über eine mögliche Koalition mit Linken und Grünen abstimmen. Dies segnete der Landesvorstand am Freitag abschließend ab, wie ein Sprecher mitteilte. "Damit erhalten alle Mitglieder der Berliner SPD die Möglichkeit, über die Annahme des ausgehandelten Koalitionsvertrags zu entscheiden."

Linnemann legt Krankenkassen-Zusatzbeitrag für 2027 auf 2,9 Prozent fest

Das Bundesgesundheitsministerium hat den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für die Krankenkassen für das kommende Jahr auf 2,9 Prozent festgelegt - damit bleibt er stabil. Der Satz sei in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, "diese Entwicklung haben wir jetzt gestoppt", erklärte Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) am Freitag. Schon für dieses Jahr hatte das Ministerium den Zusatzbeitrag auf diesen Wert festgelegt. De facto lag er aber darüber.

Druck von Behörden: Unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" gibt Schließung bekannt

Die unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" stellt nach eigenen Angaben angesichts des Drucks der russischen Behörden ihre Arbeit ein. "Die 'Nowaja Gaseta' hört auf zu existieren", sagte Chefredakteur Sergej Sokolow in einer am Freitag auf der Onlineplattform YouTube veröffentlichten Videobotschaft. "Die russischen Behörden, die russischen Geheimdienste haben die Redaktion dazu gezwungen, ihre Arbeit einzustellen."

Merz äußert bei Besuch in Südkorea Hoffnung auf Wiedervereinigung mit dem Norden

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bei einem Besuch der Demilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea die Hoffnung auf eine friedliche Wiedervereinigung Koreas geäußert. Er sei dankbar, "dass wir eine solche Teilung in Deutschland seit 36 Jahren nicht mehr erleben müssen", sagte Merz am Freitag bei einer Rede an der DMZ laut Redetext. "Wollen wir hoffen, dass auch Korea eines Tages die Chance bekommt, seine staatliche Einheit zurückzugewinnen", fügte er hinzu.

Textgröße ändern: