Deutsche Tageszeitung - Britisch-iranische Staatsbürgerin Zaghari-Ratcliffe zu neuer Haftstrafe verurteilt

Britisch-iranische Staatsbürgerin Zaghari-Ratcliffe zu neuer Haftstrafe verurteilt


Britisch-iranische Staatsbürgerin Zaghari-Ratcliffe zu neuer Haftstrafe verurteilt
Britisch-iranische Staatsbürgerin Zaghari-Ratcliffe zu neuer Haftstrafe verurteilt / Foto: ©

Die seit 2016 im Iran festgehaltene britisch-iranische Staatsbürgerin Nazanin Zaghari-Ratcliffe ist zu einer weiteren Haftstrafe verurteilt worden. Ein Gericht in Teheran habe die 42-Jährige in einem Prozess wegen Propaganda-Vorwürfen schuldig gesprochen, sagte ihr Anwalt Hodschdschat Kermani am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Sie sei zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und zusätzlich mit einer einjährigen Ausreisesperre belegt worden. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig und er werde Berufung einlegen, betonte Kermani.

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Der neue Prozess gegen Zaghari-Ratcliffe hatte Mitte März begonnen, nur eine Woche nach dem Ende ihrer fünfjährigen Haftstrafe. Nach Angaben ihres Anwalts wurde ihr zur Last gelegt, sich 2009 an einer Kundgebung vor der iranischen Botschaft in London beteiligt zu haben.

Der britische Regierungschef Boris Johnson verurteilte das neue Urteil am Montag als "grausam, unmenschlich und vollkommen ungerechtfertigt". Teheran müsse der 42-Jährigen erlauben, zu ihrer Familie nach Großbritannien zurückzukehren.

Der Fall belastet die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und Großbritannien seit Jahren. Zaghari-Ratcliffe war 2016 während eines Urlaubs im Iran festgenommen worden. Die iranischen Behörden warfen ihr vor, sieben Jahre zuvor an Protesten gegen die Regierung teilgenommen zu haben. Ein Gericht verurteilte sie wegen Verschwörung zum Umsturz zu fünf Jahren Haft. Zaghari-Ratcliffe hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Sie arbeitete damals als Projektmanagerin für die Thomson Reuters Stiftung.

Die Mutter einer inzwischen sechsjährigen Tochter saß die Haftstrafe zuerst im Gefängnis ab. Als im Frühjahr vergangenen Jahres die Corona-Pandemie ausbrach, wurde sie in Hausarrest bei ihren Eltern in Teheran überstellt.

Während ihrer Zeit im Teheraner Evin-Gefängnis war Zaghari-Ratcliffe lange in Einzelhaft in einer fensterlosen Zelle untergebracht und zeitweise in den Hungerstreik getreten. Laut ihrem Ehemann litt sie unter den hygienischen Bedingungen und hatte auch Suizidgedanken. Die Organisation Redress wertet ihre Behandlung in der Haftanstalt als Folter. Die iranischen Behörden haben jede Misshandlung stets bestritten.

(P.Tomczyk--DTZ)

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