Deutsche Tageszeitung - Tadschikistan und Kirgistan nach Gefechten um Deeskalation bemüht

Tadschikistan und Kirgistan nach Gefechten um Deeskalation bemüht


Tadschikistan und Kirgistan nach Gefechten um Deeskalation bemüht
Tadschikistan und Kirgistan nach Gefechten um Deeskalation bemüht / Foto: ©

Nach den Kämpfen an der Grenze zwischen Tadschikistan und Kirgistan mit dutzenden Toten haben sich Vertreter beider Seiten um Deeskalation bemüht. Der kirgisische Präsident Sadyr Japarow und sein tadschikischer Kollege Emomali Rachmon hätten am Freitag telefoniert und ein Treffen "in der zweiten Maihälfte" vereinbart, teilte Japarows Büro mit. Beide Staatschefs hätten vereinbart, die "aktuelle Situation ausschließlich mit friedlichen Mitteln zu lösen".

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Die kirgisische Seite korrigierte ihre Opferzahlen auf mindestens 154 nach oben, darunter 31 Tote. Am Morgen hatte das Gesundheitsministerium noch von 13 Toten gesprochen. Kirgistan veröffentlichte zudem detaillierte Listen des beschädigten Eigentums in der Region. Das autoritär regierte Tadschikistan hat bisher keine Opferzahlen oder Schäden öffentlich gemacht.

Die Gespräche zwischen Vertretern beider Länder nähren die Hoffnungen, dass der Konflikt, der am Donnerstag offenbar wegen eines Streits zwischen Zivilisten eskalierte, befriedet werden kann. Auch der kirgisische Beauftragte für die nationale Sicherheit, Kamtschibek Taschijew, gab an, sich mit seinem tadschikischen Kollegen Saimumin Yatimow getroffen zu haben. Er bekräftigte, die Probleme an der Grenze würden "in den nächsten Tagen" gelöst werden. Tadschikistan bestätigte das Treffen zunächst nicht.

Der Präsident des benachbarten Usbekistan, Schawkat Mirsijojew, teilte mit, sich telefonisch mit seinen Kollegen Rachmon und Japarow verständigt zu haben. Dabei sei klargestellt worden, dass alle Konflikte zwischen den Parteien "auf der Basis von Dialog und im Geiste jahrhundertealter Freundschaften" behandelt werden sollten, teilte Mirsijojews Büro mit.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow äußerte sich "zutiefst besorgt" über die gewaltsamen Auseinandersetzungen und begrüßte die Gespräche zwischen den Parteien. Der russische Präsident Wladimir Putin sei "jederzeit bereit", eine "vermittelnde Rolle" einzunehmen.

Soldaten aus Kirgistan und Tadschikistan hatten sich am Donnerstag die heftigsten Kämpfe seit Jahren geliefert. Mehr als 10.000 Menschen wurden aus zwei Bezirken an der Grenze in Sicherheit gebracht. Wie die Regierung der Grenzregion Batken mitteilte, kamen sie in Notunterkünften oder bei Verwandten unter.

Die beiden zentralasiatischen Länder einigten sich aber rasch auf einen Waffenstillstand, der nach kirgisischen Angaben am Donnerstagabend in Kraft trat. Die Soldaten seien daraufhin in ihre Stützpunkte zurückgekehrt. Tadschikistan bestätigte die Einigung am Freitagmorgen.

Lokale Behörden in der Region Batken im Südwesten Kirgistans berichteten, dass es trotz des vereinbarten Waffenstillstands weiterhin vereinzelt zu Schusswechseln entlang der Grenze käme. Vertreter der Streitkräfte der beiden Länder bestätigten dies zunächst nicht.

Beide Seiten machten sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich. Den Kämpfen war offenbar ein Streit zwischen Zivilisten um eine Wasserverteilungsstelle vorausgegangen. Kirgistan nahm daraufhin nach eigenen Angaben einen tadschikischen Grenzposten ein.

Die zentralasiatischen Nachbarstaaten sind seit Jahrzehnten in Grenzstreitigkeiten verwickelt. Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion im Jahr 1991 ist es immer wieder zu Gefechten an der Grenze gekommen. Mehr als ein Drittel der Grenze ist umstritten. Die ungewöhnlich heftigen Kämpfe am Donnerstag weckten jedoch Befürchtungen, der Konflikt könnte eskalieren.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte vor Reisen in die Grenzregion und rief dazu auf, Demonstrationen und Menschenansammlungen in beiden Ländern zu meiden.

(I.Beryonev--DTZ)

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