Deutsche Tageszeitung - Polnische Disziplinarkammer verstößt laut EuGH-Generalanwalt gegen EU-Recht

Polnische Disziplinarkammer verstößt laut EuGH-Generalanwalt gegen EU-Recht


Polnische Disziplinarkammer verstößt laut EuGH-Generalanwalt gegen EU-Recht
Polnische Disziplinarkammer verstößt laut EuGH-Generalanwalt gegen EU-Recht / Foto: ©

Die Einrichtung einer Disziplinarkammer am Obersten Gericht Polens verstößt nach der Ansicht eines Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof (EUGH) gegen EU-Recht. Das strittige Gremium könne unter anderem inhaltliche gerichtliche Entscheidungen als Disziplinarvergehen einstufen und verstoße damit gegen den Grundsatz richterlicher Unabhängigkeit, erklärte der für den Fall zuständige Gutachter nach Angaben des Luxemburger Gerichtshofs am Donnerstag.

Textgröße ändern:

Die EU-Kommission hatte Polen vor dem EuGH wegen der Regularien zu der Disziplinarkammer verklagt. Es ist eines von mehreren Verfahren zwischen der Kommission und der polnischen Regierung um Reformen im Justizbereich. In Verfahren vor dem EuGH übernimmt jeweils ein sogenannter Generalanwalt die Aufgabe, als neutraler Gutachter die Rechtslage zu analysieren. Das Gericht folgt dessen Einschätzungen in der Regel, muss dies allerdings nicht tun.

In seiner Stellungnahme folgte Generalanwalt Evgeni Tanchev nach Gerichtsangaben den Einschätzungen der EU-Kommission. Die Regeln für die neue Disziplinarkammer enthielten "keine ausreichenden Garantien für den Schutz der Richter". Sie gestatteten unter anderem auch, dass rein inhaltliche gerichtliche Entscheidungen als Disziplinarvergehen eingestuft und geahndet werden könnten. Allein die Möglichkeit dazu sei geeignet, Richter einzuschüchtern.

Der Gutachter bemängelte darüber hinaus auch noch mehrere weitere Bestimmungen - etwa den Umstand, dass die Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Kammer selbst nicht gewährleistet sei. Er wies auch darauf hin, dass der Vorsitzende der Kammer gemäß den entsprechenden Regularien praktisch freie Hand bei der Wahl des für einen Fall in erster Instanz zuständigen Disziplinargerichts habe. Auch dies widerspreche den rechtsstaatlichen Grundsätzen.

Das Verfahren vor dem EuGH läuft bereits seit längerem. Schon vor einem Jahr ordnete das Luxemburger Gericht an, dass die strittige Disziplinarkammer ihre Arbeit bis zur Klärung des Falls vorläufig einzustellen hat. Einen Termin für ein Urteil gibt es noch nicht.

Die EU-Kommission liegt seit Jahren wegen Reformen im Justizwesen mit Warschau über Kreuz. Brüssel wirft der rechtsgerichteten Regierung vor, die Unabhängigkeit der Justiz systematisch zu beschneiden und die Gewaltenteilung zu untergraben. Eine Reihe von Vertragsverletzungsverfahren, Urteile aus Luxemburg und ein EU-Strafverfahren brachten sie bislang nicht grundsätzlich von ihrem Kurs ab.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Trump: Putin will Nato nicht angreifen - Gesandte mit Ukraine-Plan unterwegs

US-Präsident Donald Trump hält nach den deutschen Vorwürfen gegen Russland wegen des versuchten Drohnen-Anschlags am Flughafen Leipzig an seiner Einschätzung fest, dass Kreml-Chef Wladimir Putin keinen Angriff auf Nato-Gebiet plant. "Ich spreche mit ihm. Ich kenne ihn sehr gut. Putin will kein Nato-Gebiet angreifen", sagte Trump am Freitag im Weißen Haus auf die Frage eines AFP-Reporters.

Vor Abschied bei der UNO: Baerbock fordert erneut UN-Generalsekretärin

Die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat sich wenige Tage vor ihrem Ausscheiden als Präsidentin der UN-Generalversammlung noch einmal für eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen stark gemacht. Dies sei ein "Testfall für die Glaubwürdigkeit der Organisation", erklärte Baerbock am Freitag in New York. Bislang waren ausschließlich Männer UN-Generalsekretär.

Meloni feiert Amtszeit-Rekord und stimmt auf Wahlkampf 2027 ein

Mit einer Kundgebung in der Hafenstadt Bari hat die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni den Amtszeit-Rekord ihrer Regierung gefeiert und zugleich den Blick auf die Parlamentswahl 2027 gerichtet. "Stabilität ist kein Rekord, den man zur Schau stellt, sondern die Voraussetzung dafür, dass eine Nation planen, entscheiden, ihre Verpflichtungen einhalten und respektiert werden kann", erklärte die 49-jährige Vorsitzende der ultrarechten Fratelli d'Italia (FdI) im Onlinedienst X.

Angriff am helllichten Tag: Russische Drohne trifft Geheimdienst-Zentrale in Kiew

Am helllichten Tag ist der Sitz des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU im Zentrum von Kiew von einer russischen Drohne getroffen worden. Der Angriff am Freitag habe "direkt" auf das Büro des Geheimdienstchefs gezielt, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Onlinedienst Telegram. Nach Behördenangaben wurden zwölf Menschen verletzt. Der Angriff erfolgte kurz vor einem Besuch der US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Kiew.

Textgröße ändern: