Deutsche Tageszeitung - 160 Dorfbewohner bei Angriff im Norden von Burkina Faso getötet

160 Dorfbewohner bei Angriff im Norden von Burkina Faso getötet


160 Dorfbewohner bei Angriff im Norden von Burkina Faso getötet
160 Dorfbewohner bei Angriff im Norden von Burkina Faso getötet / Foto: ©

Nach dem Angriff mutmaßlicher Dschihadisten auf ein Dorf im Norden von Burkina Faso ist die Zahl der Toten auf 160 gestiegen. Unter den Opfern seien auch 20 Kinder, berichteten Bewohner des Dorfs Solhan am Sonntag. Nach Angaben der Behörden war es der blutigste Angriff seit Beginn der islamistischen Gewalt in dem westafrikanischen Land vor sechs Jahren. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian kündigte einen Besuch in Burkina Faso an.

Textgröße ändern:

Solhan liegt im Dreiländereck von Burkina Faso, Mali und dem Niger. Diese Region wird häufig von dschihadistischer Gewalt erschüttert. Wenige Stunden vor dem Überfall auf das Dorf waren bei einem weiteren Angriff in der Region 14 Menschen getötet worden. Die Behörden machen radikalislamische Kämpfer dafür verantwortlich, die mit Al-Kaida und der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) verbunden sind.

Bei den Opfern in Solhan handelte es sich übereinstimmenden Berichten zufolge ausschließlich um Zivilisten. Die Angreifer hatten demnach in der Nacht zum Samstag zunächst den Posten einer Bürgerwehr attackiert, die an der Seite der Armee gegen Dschihadisten kämpft. Danach setzten sie Häuser und den zentralen Markt in Brand. Viele Einwohner wurden von ihnen regelrecht hingerichtet. Viele Überlebende flohen in die nahegelegene Provinzhauptstadt Sebba.

Präsident Roch Marc Christian Kaboré verurteilte den Überfall als eine "barbarische" Tat. Wir müssen diesen Feinden der Aufklärung geeint und massiv entgegentreten", sagte er. Die Regierung entsandte Soldaten in die Region. Gleichzeitig ordnete sie eine dreitägige Staatstrauer an.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich erschüttert. Diese "abscheuliche" Tat zeige, dass die internationale Gemeinschaft ihre Unterstützung für die betroffenen Länder im Kampf gegen den gewaltsamen Extremismus verstärken müsse, erklärte sein Sprecher.

Der französische Außenminister Le Drian teilte auf Twitter mit, er habe mit Kaboré telefoniert. Bei seinem bevorstehenden Besuch werde er dem Präsidenten erneut die Unterstützung seiner Regierung zusagen.

Wenige Stunden vor dem Überfall auf Solhan hatten Sicherheitsvertreter einen Angriff auf das ebenfalls nahe der Grenzen zu Mali und Niger gelegenen Dorf Tadaryat gemeldet. Dort wurden am späten Freitagabend mindestens 14 Menschen getötet, darunter 13 Zivilisten. Nach Angaben einer örtlichen Quelle kam es in Tadaryat auch zu Plünderungen; unter anderem raubten die Angreifer demnach Vieh und Motorräder.

Der Sahel-Staat Burkina Faso wird immer wieder von islamistischen Gruppierungen heimgesucht, die aus dem benachbarten Mali ins Land eindringen. Seit 2015 fielen bereits mehr als 1400 Menschen der Gewalt zum Opfer, rund eine Million Menschen flohen aus ihren Dörfern.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Moskau droht London nach Bericht über Einsatz britischer Drohnen in Russland

Nach einem Bericht über den Einsatz britischer Drohnen bei ukrainischen Angriffen in Russland hat Moskau die Regierung in London vor den "Konsequenzen" gewarnt. Das Vereinigte Königreich werde sich für die militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine "verantworten" und einen "Preis" zahlen müssen, erklärte die russische Botschaft in London. Ein britischer Regierungssprecher wies die Drohungen in der Nacht zum Dienstag zurück und betonte, dass sein Land die Ukraine weiter unterstützen werde.

Kushner: Gespräche mit dem Iran verlaufen "sehr positiv"

Die Gespräche zwischen Washington und Teheran über ein Ende des Iran-Krieges kommen nach Angaben des US-Gesandten Jared Kushner voran. Beide Seiten führten "sehr positive Gespräche", sagte der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump am Montag dem Fernsehsender Fox News. Er schränkte zugleich aber ein, dass es "nach all den Jahren eigentlich kaum Vertrauen zwischen den USA und dem Iran" gebe.

Kushner: Fortschritte bei Umsetzung von Gaza-Friedensplan in 30 Tagen möglich

Der US-Sondergesandte Jared Kushner hält Fortschritte bei der Entwaffnung der islamistischen Hamas im Gazastreifen im Zuge des US-Friedensplans binnen eines Monats für möglich. "Wir könnten (...) schon in 30 Tagen Fortschritte sehen", sagte Kushner am Montag dem Sender Fox News in Tel Aviv. Diese Fortschritte begännen "hoffentlich mit dem Abtransport einiger Waffen und, wissen Sie, hoffentlich auch mit dem Zuschütten einiger Tunnel".

Kurdischer Regierungschef im Irak macht Iran für Angriff auf sein Büro verantwortlich

Der Ministerpräsident der autonomen Region Kurdistan im Irak, Masrur Barsani, hat den Iran für einen Drohnenangriff auf sein Büro verantwortlich gemacht. Er verurteilte den Angriff am Montag als "direkte Bedrohung für die Sicherheit und Stabilität in der Region". Die irakische Zentralregierung in Bagdad ordnete eine Untersuchung an. Der US-Sondergesandte Tom Barrack verurteilte den Angriff "aufs Schärfste". Teheran wiederum stellte den Vorfall als "Täuschung" dar.

Textgröße ändern: