Deutsche Tageszeitung - Schwedisches Parlament entzieht Regierungschef Löfven das Vertrauen

Schwedisches Parlament entzieht Regierungschef Löfven das Vertrauen


Schwedisches Parlament entzieht Regierungschef Löfven das Vertrauen
Schwedisches Parlament entzieht Regierungschef Löfven das Vertrauen / Foto: ©

Nach fast sieben Jahren an der Macht ist der schwedische Regierungschef Stefan Löfven durch ein Misstrauensvotum gestürzt worden. 181 der 349 Abgeordneten im Parlament sprachen Löfven am Montag in Stockholm das Misstrauen aus. Der Sozialdemokrat muss nun innerhalb einer Woche entweder seinen Rücktritt erklären oder vorgezogene Neuwahlen ausrufen.

Textgröße ändern:

Die Linkspartei hatte in der vergangenen Woche aus Protest gegen einen Plan zur Liberalisierung des regulierten Mietmarktes ein Misstrauensvotum angekündigt. Die konservativen Moderaten und die Christdemokraten signalisierten ihre Unterstützung dafür. Beantragt wurde die Abstimmung letztlich von den rechtsextremen Schwedendemokraten.

Löfven ist bereits seit 2014 Ministerpräsident und hat bisher elf Misstrauensabstimmungen überstanden. Seine derzeitige Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen galt jedoch als eine der schwächsten in Schweden seit 70 Jahren. Sie war seit 2019 im Amt.

Um trotzdem eine Mehrheit zu erreichen, hatte Löfven Vereinbarungen mit zwei anderen Parteien geschlossen, den Liberalen und der Zentrumspartei. Auch von den Linken wurde die Regierung regelmäßig unterstützt.

Streit gab es nun aber über eine geplante Liberalisierung des Mietmarktes. Die Pläne dazu befinden sich noch in einem Anfangsstadium. Noch am Wochenende versuchte die Regierung, die Krise zu entschärfen - jedoch vergeblich.

Löfven ist der erste Regierungschef Schwedens, der durch ein Misstrauensvotum gestürzt wurde. Im Falle seines Rücktritts muss Parlamentssprecher Andreas Norlen Verhandlungen über einen neuen Ministerpräsidenten zwischen den Parteien eröffnen. Experten zufolge könnte Löfven dabei wieder zum Zug kommen.

Die Alternativoption sind vorgezogene Neuwahlen: Diese würden zusätzlich zu den regulären Parlamentswahlen stattfinden, die für September 2022 geplant sind. In diesem Szenario würden also zwei Parlamentswahlen innerhalb eines Jahres auf die Schweden zukommen. Formell führt Löfven die Regierungsgeschäfte weiter, bis eine neue Regierung gebildet ist.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Hunderte Festnahmen bei Protest gegen Verbot von propalästinensischer Gruppe in London

Bei einer Solidaritätskundgebung für die als Terrororganisation eingestufte Gruppe Palestine Action sind in der britischen Hauptstadt London am Samstag mehr als 300 Menschen festgenommen worden. Insgesamt seien 325 Menschen in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Londoner Polizei am Sonntag. Die Festnahmen erfolgten demnach "wegen der Unterstützung einer verbotenen Organisation nach den Anti-Terror-Gesetzen".

Ausschreitungen nach "GenZ"-Protest in Köln: Mehr als 20 Polizisten verletzt

Bei Ausschreitungen nach der "GenZ"-Demonstration in Köln ist es nach Polizeiangaben unter anderem zu einem Angriff auf ein Geschäft sowie massiven Attacken auf Einsatzkräfte gekommen. Wie die örtliche Polizei am Sonntag mitteilte, wurden einer ersten Bilanz zufolge 23 Beamte verletzt und mehrere Verdächtige in Gewahrsam genommen. Im Rucksack eines festgenommenen 56-Jährigen fanden die Einsatzkräfte demnach Molotowcocktails sowie Stichwaffen.

Hessens Innenminister: Bis zu 1500 gewaltbereite Störer bei Krawallen in Frankfurt

Bei schweren Ausschreitungen nach Jugendprotesten in Frankfurt am Main sind Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) zufolge am Samstagabend 17 Geschäfte beschädigt und fünf davon geplündert worden. 54 Verdächtige seien festgenommen und mehr als zehn Polizisten verletzt worden, sagte Poseck am Sonntag vor Journalisten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stadtverwaltung und Polizei.

Spannung steigt vor US-Kongresswahlen - Richterin weist Weißes Haus in die Schranken

Die Spannung steigt - nicht nur in den USA: Am Dienstag stehen die Kongresswahlen an, die das Machtverhältnis in Washington deutlich verändern könnten. Bei den sogenannten Midterms geht es um die künftigen Mehrheiten in beiden Kongresskammern - die Demokraten wollen den Republikanern von US-Präsident Donald Trump sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat entreißen. Kurz vor dem Urnengang untersagte eine Bundesrichterin der US-Regierung, Wahlbeamten und Wahlhelfern mit Strafverfolgung zu drohen.

Textgröße ändern: