Deutsche Tageszeitung - Maas und Blinken rufen deutsch-amerikanischen Dialog zu Holocaust-Fragen ins Leben

Maas und Blinken rufen deutsch-amerikanischen Dialog zu Holocaust-Fragen ins Leben


Maas und Blinken rufen deutsch-amerikanischen Dialog zu Holocaust-Fragen ins Leben
Maas und Blinken rufen deutsch-amerikanischen Dialog zu Holocaust-Fragen ins Leben / Foto: ©

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und sein US-Kollege Antony Blinken haben das Holocaust-Mahnmal in Berlin besucht und einen deutsch-amerikanischen Dialog über Holocaust-Fragen ins Leben gerufen. Eine der drängendsten Aufgaben sei es dabei, "unsere Erinnerungskultur auf eine Zeitenwende vorzubereiten, sagte Maas am Donnerstag bei seiner Rede an den mehr als 2700 Betonstelen des Denkmals.

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Angesichts der Tatsache, dass die letzten Zeitzeugen bald nicht mehr ihre Erfahrungen weitergeben können, müssten neue Formen des Erinnerns gefunden werden, mahnte der deutsche Außenminister. "Dies schulden wir den Ermordeten und den Überlebenden."

Blinken dankte den anwesenden Überlebenden, darunter die 99-jährige Margot Friedländer, für ihre Bemühungen, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Die nun zwischen Berlin und Washington getroffene Vereinbarung werde helfen, "uns an all das zu erinnern, was wir verlieren können, aber auch das zu sehen, was wir retten können - wenn wir uns dafür entscheiden, aufzustehen, anstatt nur daneben zu stehen", betonte Blinken.

Der Sohn amerikanisch-jüdischer Einwanderer gab in seiner Rede auch einen Einblick in seine eigene Familiengeschichte, die mit dem Holocaust verbunden ist. Sein aus dem polnischen Białystok stammender Stiefvater Samuel Pisar überlebte den Holocaust und die Konzentrationslager von Treblinka, Majdanek, Auschwitz und Dachau. "Als er 1945 von US-Soldaten befreit wurde, war er der einzige Überlebende seiner Familie", sagte Blinken.

Maas und Blinken erinnerten auch an den neu aufflammenden Antisemitismus und Rassismus in den vergangenen Jahren: "Denken wir an die gelben Sterne auf Corona-Demonstrationen, an die Flut antisemitischer Verschwörungstheorien im Netz, an die Angriffe auf Synagogen und Jüdinnen und Juden, an die Randalierer vor dem Bundestag oder an den enthemmten Mob im US-Kapitol", sagte Maas.

"Unsere Stärke liegt darin, die Last der historischen Verantwortung zu schultern - ohne Wenn und Aber. Unsere Stärke liegt darin, unsere Kräfte zu bündeln auf der Suche nach dem besten Weg", sagte Maas mit Blick auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Die Vereinbarung zum Holocaust-Gedenken sieht laut US-Außenministerium einen "regelmäßigen Dialog" vor, damit umfangreiches und Fakten-basiertes Wissen zum Holocaust erhalten bleibe. Gemeinsam sollen demnach "Strategien und Werkzeuge" entwickelt werden, mit denen Wissen zum Holocaust vermittelt sowie Leugnung und Verzerrung entgegengetreten werden kann.

Mit der bilateralen Zusammenarbeit und der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Antisemitismus "können wir als transatlantische Partner zusammenstehen und sicherstellen, dass solche Gräueltaten niemals wieder passieren", hieß es in der Vereinbarung weiter.

Blinken war am Mittwoch zu seinem ersten Deutschland-Besuch als US-Außenminister in Berlin eingetroffen. Bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte er die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Deutschland: "Die USA haben keinen besseren Partner und keinen besseren Freund als Deutschland."

(S.A.Dudajev--DTZ)

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