Deutsche Tageszeitung - Belarus reagiert mit Gegenmaßnahmen auf EU-Sanktionen

Belarus reagiert mit Gegenmaßnahmen auf EU-Sanktionen


Belarus reagiert mit Gegenmaßnahmen auf EU-Sanktionen
Belarus reagiert mit Gegenmaßnahmen auf EU-Sanktionen / Foto: ©

Die belarussische Regierung hat mit Gegenmaßnahmen auf Sanktionen der EU reagiert. Das Außenministerium in Minsk kündigte am Montag an, die Teilnahme am EU-Programm der Östlichen Partnerschaft auszusetzen und den Verantwortlichen für die EU-Sanktionen die Einreise nach Belarus zu verbieten. Das Ministerium beorderte außerdem den belarussischen Botschafter in Brüssel zurück nach Minsk. EU-Ratspräsident Charles Michel kritisierte die Reaktion scharf.

Textgröße ändern:

"Wir können unsere Verpflichtungen aus diesem Abkommen im Zusammenhang mit den von der EU verhängten Sanktionen und Beschränkungen nicht erfüllen", erklärte das Außenministerium mit Blick auf die Östliche Partnerschaft. Der belarussische Botschafter in Brüssel werde zu "Konsultationen" abgezogen. Zudem sei der Leiter der EU-Delegation in Belarus "eingeladen", nach Brüssel zurückzukehren und dort "die Position der belarussischen Seite zu übermitteln".

Mit dem 2009 ins Leben gerufene Programm für die Östliche Partnerschaft will die EU die sechs früheren Sowjetrepubliken Belarus, Ukraine, Moldawien, Armenien, Aserbaidschan und Georgien politisch und wirtschaftlich stabilisieren und an sich binden. Brüssel ermutigt die Länder dabei zu Reformen in Richtung Marktwirtschaft und unterstützt Fortschritte bei Demokratisierung und Menschenrechten. Russland, dem engsten Verbündeten des ansonsten international weitgehend isolierten Belarus, ist dies schon lange ein Dorn im Auge.

Die Regierung in Minsk drohte nun, die Aussetzung des Partnerschafts-Programms werde die Zusammenarbeit mit der EU "im Bereich der Bekämpfung der illegalen Migration und der organisierten Kriminalität" beeinträchtigen. "Belarus bereitet außerdem andere Gegenmaßnahmen vor, einschließlich solcher wirtschaftlicher Natur", erklärte das Ministerium.

Ratspräsident Michel warf der Regierung in Minsk vor, "einen weiteren Schritt zurück gemacht" zu haben. "Diese Entscheidung wird zu einer weiteren Eskalation der Spannungen führen und sich eindeutig negativ auf das belarussische Volk auswirken", erklärte der Belgier auf Twitter.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, die sich in Litauen im Exil befindet, bezeichnete die angekündigten Maßnahmen als offensichtlichen Versuch, "Rache" zu nehmen. Darin zeige sich die "Schwäche" und "Blindheit" des in Belarus autoritär regierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko.

Vergangene Woche hatte die EU als Reaktion auf die erzwungene Landung eines Ryanair-Flugzeuges und die Unterdrückung der Opposition umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Belarus in Kraft gesetzt. Bei der erzwungenen Flugzeuglandung in Minsk war Ende Mai der regierungskritische Blogger Roman Protassewitsch festgenommen worden.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl vom August vergangenen Jahres und dem gewaltsamen Vorgehen gegen die Opposition hat die EU bereits Sanktionen gegen 166 Verantwortliche verhängt, darunter der seit 1994 regierende Lukaschenko.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Merz dankt Einsatzkräften nach Brand in Hürtgenwald - Kanzler-Auftritt von Pfiffen begeleitet

Rund eine Woche nach dem schweren Waldbrand bei Hürtgenwald hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstag mit einem Besuch bei den Einsatzkräften in der nordrhein-westfälischen Gemeinde aus dem Sommerurlaub zurückgemeldet. Die kurze Dankesrede des Kanzlers vor den Helfern wurde von einem Pfeifkonzert überschattet. Dass Merz seit Beginn seines Urlaubs in der ersten August-Woche trotz Entwicklungen wie folgenschwerer Dürre und heftiger Waldbrände bislang nicht öffentlich aufgetreten war, hatte zuvor Kritik ausgelöst.

Palästinensergebiete: Frühere Diplomaten fordern Paris und London zum Handeln auf

Dutzende frühere französische und britische Diplomaten haben ihre Regierungen dazu aufgerufen, in den Palästinensergebieten das Völkerrecht zu verteidigen. Das Engagement Frankreichs und Großbritanniens sei angesichts der historischen Rolle der beiden Länder im Nahen Osten und ihres Status als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat unverzichtbar, erklärten die 102 Unterzeichner eines am Samstag in der französischen Zeitung "Le Monde" veröffentlichten offenen Briefs.

Wadephul wirft Russland bei Ukraine-Besuch "wahllosen Mord an Zivilisten" vor

Wenige Stunden nach einem tödlichen russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Ukraine hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Kiew besucht und Russland "wahllosen Mord an Zivilisten" vorgeworfen. Der Ukraine sagte er bei dem Besuch am Samstag weitere 50 Millionen Euro humanitäre Hilfe zu. Mit US-Außenminister Marco Rubio wolle er zudem über zusätzliche Luftverteidigung für die Ukraine beraten.

Nach BSW-Streit um Koalition: Thüringer CDU bestätigt Voigt als Parteichef

Unter dem Eindruck eines BSW-internen Streits um den Verbleib in der Thüringer Regierungskoalition hat die CDU ihren Ministerpräsidenten Mario Voigt als Landesparteichef bestätigt. Auf einem Parteitag in Eisenach erhielt Voigt am Samstag 84,1 Prozent der Stimmen, wie die CDU mitteilte. Voigt ist seit 2022 Landesvorsitzender der CDU Thüringen und seit 2024 Regierungschef einer Koalition mit SPD und BSW.

Textgröße ändern: