Deutsche Tageszeitung - Proteste von Journalisten in Türkei nach brutaler Festnahme von AFP-Fotograf

Proteste von Journalisten in Türkei nach brutaler Festnahme von AFP-Fotograf


Proteste von Journalisten in Türkei nach brutaler Festnahme von AFP-Fotograf
Proteste von Journalisten in Türkei nach brutaler Festnahme von AFP-Fotograf / Foto: ©

In der Türkei haben nach der brutalen Festnahme eines AFP-Fotografen am Samstag am Rande einer Pride-Parade mehrere Dutzend Journalisten gegen Polizeigewalt und für Pressefreiheit demonstriert. Rund 80 Menschen, überwiegend Journalisten, versammelten sich am Dienstag nahe der Residenz des Gouverneurs in Istanbul. In der türkischen Hauptstadt Ankara demonstrierten ebenfalls rund 20 Medienvertreter.

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Der preisgekrönte Fotojournalist Bülent Kilic war am Samstag vorübergehend festgenommen worden, als er über die verbotene Pride-Parade in Istanbul berichtete. Die Polizei ging bei der Festnahme überaus brutal vor. Kilic wurde auf den Boden gedrückt, Polizisten drückten mit ihren Knien auf seinen Rücken und sein Genick. Seine Kamera wurde beschädigt.

Die Demonstranten in Istanbul und Ankara zeigten Fotos von Kilics Festnahme und Schilder mit der Aufschrift: "Wir können nicht atmen" - in Anlehnung an George Floyd, der in den USA bei seiner Festnahme von auf ihm knienden Polizisten getötet worden war.

Kilic war nach seiner Festnahme stundenlang auf einer Istanbuler Polizeiwache festgehalten worden, bevor er am Abend wieder freigelassen wurde. Wegen des gewaltsamen Vorgehens erstatte er nach eigenen Angaben Anzeige gegen die beteiligten Polizisten.

AFP-Chef Fabrice Fries protestierte in einem Brief "aufs Schärfste" gegen das Verhalten der Polizei und forderte die türkischen Behörden auf, "diesen Vorfall rasch zu untersuchen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit die beteiligten Beamten zur Verantwortung gezogen werden".

"Unsere Kollegen werden mit Gewalt konfrontiert, nur weil sie ihre Arbeit machen", sagte die Leiterin der türkischen Journalistenvereinigung in Ankara, Esra Kocak Mayda. Der Türkei-Chef von Reporter ohne Grenzen, Erol Onderoglu, forderte die Regierung auf, "den staatlichen Sicherheitskräften klare Anweisungen zu geben, diese inakzeptable und unfaire Behandlung zu beenden, bevor es zu spät ist".

Der türkischen Regierung wird vorgeworfen, die Pressefreiheit systematisch zu untergraben. Reporter beklagen, dass ihre Arbeit zuletzt durch ein Verbot von Aufnahmen von Polizisten weiter erschwert worden sei. Im Weltpressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen rangiert die Türkei auf Platz 153 von 180 Ländern.

(V.Sørensen--DTZ)

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