Deutsche Tageszeitung - UN-Sicherheitsrat verlängert Einsatz im Krisenland Mali

UN-Sicherheitsrat verlängert Einsatz im Krisenland Mali


UN-Sicherheitsrat verlängert Einsatz im Krisenland Mali
UN-Sicherheitsrat verlängert Einsatz im Krisenland Mali / Foto: ©

Der UN-Sicherheitsrat hat die Friedensmission Minusma in Mali bis Ende Juni 2022 verlängert und zugleich die Rückkehr einer Zivilregierung gefordert. Eine von Frankreich entworfene Resolution wurde am Dienstag (Ortszeit) in New York einstimmig angenommen. In Mali waren am Freitag zwölf Bundeswehrsoldaten der Minusma-Mission bei einem Anschlag teils schwer verletzt worden - der Bundesnachrichtendienst (BND) vermutet einen Ableger der Terrororganisation Al-Kaida hinter dem Angriff.

Textgröße ändern:

Die vom Sicherheitsrat verabschiedete Resolution sieht ein erneutes Mandat für die Blauhelm-Mission in ihrem derzeitigen Umfang von maximal 13.289 Soldaten und 1920 Polizisten vor. Zudem wird die malische Übergangsregierung aufgefordert, im Februar "freie und faire Präsidentschafts-, Parlaments-, Regional- und Kommunalwahlen sowie ein Verfassungsreferendum" abzuhalten. Die derzeitigen Verantwortlichen der Übergangsregierung dürften sich dabei nicht als Kandidaten zur Wahl stellen.

UN-Generalsekretär António Guterres wurde zudem aufgefordert, "angesichts des wachsenden Ausmaßes an Unsicherheit und physischer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in Zentralmali" bis zum 15. Juli einen Bericht vorzulegen mit Empfehlungen zur möglichen Aufstockung der Friedenstruppe.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am 10. Juni das Ende des französischen Kampfeinsatzes "Barkhane" in der Sahelzone angekündigt. Paris hoffte daher auf eine Verstärkung der Minusma-Mission um einige tausend Soldaten. Der Stichtag 30. Juni für das Ende der Mission kam jedoch zu früh, um vom US-Kongress grünes Licht für zusätzliche UN-Ausgaben in Mali zu erhalten.

Die Linksfraktion im Bundestag sprach sich gegen eine mögliche Truppenaufstockung aus. "Die Linke erteilt Plänen der Bundesregierung eine klare Absage, in diesem Zusammenhang die deutsche Militärpräsenz in Mali auszuweiten", erklärte Sevim Dagdelen, Obfrau der Linksfraktion im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags. "Statt einer Ausweitung des Krieges in Mali und einer Truppenaufstockung braucht es einen sofortigen Abzug der deutschen Soldaten und eine Beendigung dieses verantwortungslosen Einsatzes."

Die UN-Friedensmission Minusma soll einen Beitrag zur Stabilisierung Malis leisten. An ihr nehmen mehr als 60 Länder teil. Deutschland beteiligt sich mit bis zu 1700 deutschen Soldaten an Ausbildungs- und Stabilisierungsmissionen der EU und der UNO in Mali.

Die Lage in Mali und seinen Nachbarländern gilt als sehr instabil. Am vergangenen Freitag waren bei einem Selbstmordanschlag nordöstlich von Gao zwölf deutsche Soldaten verletzt worden. Sie wurden am Wochenende nach Deutschland zurückgebracht.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) vermutet einen Ableger der Terrororganisation Al-Kaida hinter dem Angriff auf die Bundeswehrsoldaten. Es gebe in der Region in Mali einen "kräftigen Akteur, der ursprünglich von Al-Kaida abstammt", sagte BND-Präsident Bruno Kahl in einem Video einer Diskussionsveranstaltung, das der deutsche Bundeswehrverband am Dienstag auf seiner Website veröffentlichte.

Diese Gruppe sei "in der letzten Zeit des öfteren mit Aktionen genau diesen Typus aufgefallen", erläuterte der BND-Präsident. Seine Behörde gehe deshalb davon aus, das eine in der Region aktive "Untereinheit" für den Angriff verantwortlich sei.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Merz dankt Einsatzkräften nach Brand in Hürtgenwald - Kanzler-Auftritt von Pfiffen begeleitet

Rund eine Woche nach dem schweren Waldbrand bei Hürtgenwald hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstag mit einem Besuch bei den Einsatzkräften in der nordrhein-westfälischen Gemeinde aus dem Sommerurlaub zurückgemeldet. Die kurze Dankesrede des Kanzlers vor den Helfern wurde von einem Pfeifkonzert überschattet. Dass Merz seit Beginn seines Urlaubs in der ersten August-Woche trotz Entwicklungen wie folgenschwerer Dürre und heftiger Waldbrände bislang nicht öffentlich aufgetreten war, hatte zuvor Kritik ausgelöst.

Palästinensergebiete: Frühere Diplomaten fordern Paris und London zum Handeln auf

Dutzende frühere französische und britische Diplomaten haben ihre Regierungen dazu aufgerufen, in den Palästinensergebieten das Völkerrecht zu verteidigen. Das Engagement Frankreichs und Großbritanniens sei angesichts der historischen Rolle der beiden Länder im Nahen Osten und ihres Status als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat unverzichtbar, erklärten die 102 Unterzeichner eines am Samstag in der französischen Zeitung "Le Monde" veröffentlichten offenen Briefs.

Wadephul wirft Russland bei Ukraine-Besuch "wahllosen Mord an Zivilisten" vor

Wenige Stunden nach einem tödlichen russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Ukraine hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) Kiew besucht und Russland "wahllosen Mord an Zivilisten" vorgeworfen. Der Ukraine sagte er bei dem Besuch am Samstag weitere 50 Millionen Euro humanitäre Hilfe zu. Mit US-Außenminister Marco Rubio wolle er zudem über zusätzliche Luftverteidigung für die Ukraine beraten.

Nach BSW-Streit um Koalition: Thüringer CDU bestätigt Voigt als Parteichef

Unter dem Eindruck eines BSW-internen Streits um den Verbleib in der Thüringer Regierungskoalition hat die CDU ihren Ministerpräsidenten Mario Voigt als Landesparteichef bestätigt. Auf einem Parteitag in Eisenach erhielt Voigt am Samstag 84,1 Prozent der Stimmen, wie die CDU mitteilte. Voigt ist seit 2022 Landesvorsitzender der CDU Thüringen und seit 2024 Regierungschef einer Koalition mit SPD und BSW.

Textgröße ändern: