Deutsche Tageszeitung - Chinas Kommunistische Partei begeht 100-jähriges Bestehen mit pompöser Feier

Chinas Kommunistische Partei begeht 100-jähriges Bestehen mit pompöser Feier


Chinas Kommunistische Partei begeht 100-jähriges Bestehen mit pompöser Feier
Chinas Kommunistische Partei begeht 100-jähriges Bestehen mit pompöser Feier / Foto: ©

Mit einem pompösen Festakt hat die Kommunistische Partei in China ihren 100. Jahrestag begangen. Chinas Staatschef Xi Jinping hob dabei den "unumkehrbaren" Aufstieg der Volksrepublik zur Weltmacht hervor. In seiner Rede auf dem Pekinger Tiananmen-Platz am Donnerstag sagte Xi, die Zeiten, China zu schikanieren, seien "für immer vorbei". In der Sonderverwaltungszone Hongkong wurden Proteste im Keim erstickt, es gab insgesamt 19 Festnahmen, darunter eine bekannte Demokratie-Aktivistin.

Textgröße ändern:

Vom Podest über dem riesigen Porträt von Partei- und Staatsgründer Mao Tse-tung aus sagte Xi, die Partei habe Millionen von Menschen aus der Armut geholt und auch viel zur globalen Entwicklung beigetragen. Er betonte, China werde mit dem Aufbau einer Armee von "Weltklasse" fortfahren, um seine nationalen Interessen zu verteidigen.

"Das chinesische Volk wird ausländischen Kräften niemals erlauben, uns zu schikanieren, zu unterdrücken oder zu versklaven", sagte Xi vor dem applaudierenden Publikum. "Wer auch immer dies plant, dem droht Blutvergießen vor einer großen Mauer aus Stahl, die von mehr als 1,4 Milliarden Chinesen aufgestellt wird."

An der Zeremonie nahmen tausende Sänger teil, die patriotische Lieder sangen. Kampfflugzeuge flogen in Formation über den Tiananmen-Platz, Helikopter bildeten am Himmel die Zahl 100. Dicht gedrängt und ohne Corona-Schutzmasken saßen Zuschauer auf dem Platz, junge Parteimitglieder legten gemeinsam ihr Treuegelöbnis ab.

Die Kommunistische Partei Chinas war im Sommer 1921 von Mao und einer kleinen Gruppe von Mitstreitern in Shanghai gegründet worden. Heute hat sie rund 95 Millionen Mitglieder.

Xi hat seine achtjährige Macht durch einen massiven Personenkult gefestigt. Unter ihm wurde die Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten abgeschafft, einen möglichen Nachfolger hat er bislang nicht aufgebaut. Auch das Vorgehen gegen Oppositionelle - auf dem Festland wie in Hongkong - wurde massiv verschärft.

Die Feierlichkeiten zum Gründungsjubiläum der KP fielen mit dem 24. Jahrestag der Übergabe der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong an China zusammen. In der Vergangenheit bildete dieser Tag den Anlass für Großdemonstrationen gegen den wachsenden Einfluss Pekings in den Straßen der Finanzmetropole.

In diesem Jahr setzten mehr als 10.000 Polizisten die geltenden Versammlungsverbote durch. Ein Marsch von vier Aktivisten wurde von 200 Polizisten flankiert. Die als "Grandma Wong" bekannte Demokratie-Aktivistin Alexandra Wong wurde von Polizisten festgenommen, als sie einen Ein-Personen-Protest veranstaltete. Nach Polizeiangaben gab es insgesamt 19 Festnahmen.

Lokale Medien berichteten von einem weiteren Zwischenfall in der ansonsten gespenstig ruhigen Finanzmetropole: Am Abend sei ein Polizeibeamter bei einem Messerangriff verletzt worden. Der Angreifer verletzte sich demnach anschließend selbst und wurde noch am Tatort verhaftet. Er starb später im Krankenhaus. Motiv und Hintergründe blieben zunächst unklar.

Während die Peking-treue Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam an den Feierlichkeiten in der chinesischen Hauptstadt teilnahm, leitete ihr Stellvertreter John Lee eine Zeremonie in einem Hongkonger Messezentrum. Anders als in den Vorjahren wurde bei der Veranstaltung nicht das in Hongkong vorherrschende Kantonesisch gesprochen, sondern - wie in Peking - Mandarin.

Als Reaktion auf die pro-demokratischen Massenproteste in Hongkong 2019 hatte die Führung in Peking vor einem Jahr ein sogenanntes Sicherheitsgesetz erlassen, das den Behörden in der Sonderverwaltungszone ein rigoroses Vorgehen gegen alle Aktivitäten erlaubt, die aus ihrer Sicht die nationale Integrität Chinas bedrohen.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes wurden zahlreiche Aktivisten festgenommen und angeklagt; Peking-kritische Äußerungen wurden kriminalisiert. Zuletzt wurde auf Druck der Behörden die der Demokratiebewegung nahestehende Zeitung "Apple Daily" geschlossen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte angesichts der Lage vor einem "Menschenrechtsnotstand" in Hongkong.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Russlandfreundliche Amtsinhaberin Jotowa klare Siegerin bei Präsidentenwahl in Bulgarien

Richtungsentscheidung bei der Präsidentschaftswahl in Bulgarien: Die russlandfreundliche Amtsinhaberin Ilijana Jotowa hat die Stichwahl in dem EU- und Nato-Mitgliedsland am Sonntag klar für sich entschieden. Laut Prognosen setzte sich die Staatschefin mit deutlichem Vorsprung gegen ihren pro-westlichen Herausforderer Andrej Gjurow durch. Dieser räumte noch am Wahlabend seine Niederlage ein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Jotowa zu ihrem Wahlsieg.

"Heat"-Regisseur Michael Mann verletzt sich versehentlich mit Schusswaffe

Hollywood-Regisseur Michael Mann ist berühmt für spektakuläre Schusswechsel in Thrillern wie "Heat" und "Collateral". Jetzt hat sich der 83-jährige Filmemacher selbst versehentlich mit einer Schusswaffe leicht verletzt. Wie Manns Agent am Sonntag mitteilte, löste sich an einem Schießstand in Los Angeles ein Schuss aus einer Waffe, die der Regisseur im Halfter trug. Mann habe eine "oberflächliche Verletzung" erlitten und sei medizinisch behandelt worden.

Ukraine-Krieg: Feuerpause in Stadt Oleschky zu Ende gegangen

Die sechstägige Feuerpause in der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky ist zu Ende gegangen. "Die vom 27. Oktober bis zum 1. November geltende Waffenruhe ist beendet", erklärte der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez am Sonntagabend. Die Feuerpause sei ein "wichtiger Schritt in unseren gemeinsamen humanitären Bemühungen" gewesen. Er arbeite nun mit der russische Menschenrechtsbeauftragten Jana Lantratowa an weiteren humanitären Initiativen, erklärte Lubinez.

Offener Streit bei US-Demokraten in Michigan vor Kongresswahl

Kurz vor den wichtigen US-Kongresswahlen werden die oppositionellen Demokraten im wichtigen Bundesstaat Michigan von internen Kämpfen erschüttert. Die demokratische Abgeordnete Haley Stevens, die ihrem linksgerichteten Parteikollegen Abdul El-Sayed in einer Senats-Vorwahl unterlegen war, stellte sich am Sonntag hinter den Senatskandidaten der Republikaner von Präsident Donald Trump.

Textgröße ändern: