Deutsche Tageszeitung - Länder wollen Stiko-Empfehlung zu Kreuzimpfung mit Astrazeneca rasch umsetzen

Länder wollen Stiko-Empfehlung zu Kreuzimpfung mit Astrazeneca rasch umsetzen


Länder wollen Stiko-Empfehlung zu Kreuzimpfung mit Astrazeneca rasch umsetzen
Länder wollen Stiko-Empfehlung zu Kreuzimpfung mit Astrazeneca rasch umsetzen / Foto: ©

Bund und Länder wollen ab sofort die Empfehlung der Ständigen Impfkommission umsetzen, nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca als zweite Dosis ein anderes Präparat zu verabreichen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) empfahl am Freitag ausdrücklich eine solche Kreuzimpfung, der die Wissenschaft eine hohe Wirksamkeit zuschreibt. Nicht zuletzt wegen des Fortschritts bei den Impfungen rechnen Bund und Länder nicht mit einem erneuten Lockdown im Herbst.

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Schon ab Freitag solle flächendeckend damit begonnen werden, als zweite Dosis nach Astrazeneca allen einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen, sagte Spahn nach Beratungen mit seinen Länderkollegen. Bislang wurde die Kreuzimpfung nur für Menschen unter 60 Jahren empfohlen.

Die Kombination von Impfstoffen sei nach wissenschaftlichen Erkenntnissen "besonders wirksam", sagte Spahn. Sie biete einen "sehr, sehr hohen Impfschutz". Er verwies dabei auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), wonach der zeitliche Abstand zwischen den beiden Dosen einer Kreuzimpfung auf vier Wochen verkürzt werden könne - bei zweimaliger Astrazeneca-Verabreichung gelten neun bis zwölf Wochen.

Der Gesundheitsminister sieht gerade wegen des verkürzten Intervalls in der Kreuzimpfung eine gute Möglichkeit, die Impfkampagne zu beschleunigen. Er verwies aber darauf, dass Menschen unter 60 Astrazeneca nur nach ärztlicher Konsultation bekommen sollten.

Nach einigen Thrombose-Fällen vor allem bei jüngeren Frauen im Zuge einer Impfung mit Astrazeneca war Deutschland dazu übergegangen, Menschen unter 60 Jahren als zweite Dosis in der Regel einen anderen Impfstoff zu verabreichen.

Nach Spahns Worten steht bei 500.000 bis 700.000 Menschen in der kommenden Woche eine Zweitimpfung mit Astrazeneca an. Diese Menschen können sich jetzt alternativ für einen mRNA-Impfstoff entscheiden. Möglich wird das Angebot einer Kreuzimpfung bei allen Menschen, die Astrazeneca einmal bekommen haben oder künftig noch erhalten, wegen der "zunehmende Verfügbarkeit von mRNA-Impfstoffen in den kommenden Wochen", wie es in einem GMK-Beschluss heißt.

Der GMK-Vorsitzende, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), betonte ausdrücklich, dass die Kreuzimpfungen auch bei künftigen Erstimpfungen mit Astrazeneca empfohlen werde.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Düsseldorfer "Rheinischen Post", die Wirkung der Kreuzimpfung sei "vergleichbar hoch" wie die einer reinen Impfung mit Biontech oder Moderna. "Damit wird der Astrazeneca-Impfstoff aufgewertet und kann für die Erstimpfungen der Älteren als wichtiges Instrument der Pandemiebekämpfung eingesetzt werden."

Die Stiko hatte am Donnerstag die Empfehlung für eine Kreuzimpfung aus Astrazeneca und einem der beiden mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer oder Moderna ausgesprochen und dabei auf Studien verwiesen, die eine hohe Wirksamkeit belegen. Spahn rief die Bürger auf, nicht auf die Zweitimpfung zu verzichten - diese sei besonders wichtig zur Abwehr der besonders infektiösen Delta-Variante des Coronavirus.

Zu möglichen neuen harten Einschränkungen sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) dem MDR: "Solange die Impfungen gut wirken, kommt ein Lockdown zu Lasten derer, die vollständig geimpft sind, nicht in Frage." Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte der "Welt": "Wenn wir eine Quote von 70 Prozent erreichen, sind wir so resilient, dass wir keinen flächendeckenden Lockdown mehr brauchen werden."

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU)sagte dem "Spiegel", die Bundesnotbremse habe sich als überflüssig erwiesen. "Sollten die Infektionszahlen im Herbst wieder steigen, werden Länder und Kommunen sachgerecht reagieren."

(P.Tomczyk--DTZ)

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