Deutsche Tageszeitung - Helfer der "Ocean Viking" retten mehr als 570 Flüchtlinge im Mittelmeer

Helfer der "Ocean Viking" retten mehr als 570 Flüchtlinge im Mittelmeer


Helfer der "Ocean Viking" retten mehr als 570 Flüchtlinge im Mittelmeer
Helfer der "Ocean Viking" retten mehr als 570 Flüchtlinge im Mittelmeer / Foto: ©

Binnen weniger Tage haben die Flüchtlingshelfer des Rettungsschiffs "Ocean Viking" im Mittelmeer mehr als 570 Menschen aus der Seenot gerettet. Nach einem Einsatz in der Nacht zum Montag befanden sich insgesamt 572 Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffs, wie die europäische Organisation SOS Méditerranée im Onlinedienst Twitter mitteilte. Vor der Küste Tunesiens bargen die Behörden derweil die Leichen von 21 verunglückten Flüchtlingen.

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In der Nacht sei ein "großes Holzboot" vor der libyschen Küste in Seenot geraten, teilte SOS Méditerranée mit. In einer mehr als fünfstündigen Rettungsaktion seien 369 Flüchtlinge auf die "Ocean Viking" aufgenommen worden, darunter 110 unbegleitete Minderjährige sowie ein Säugling und zwei weitere Kinder. Die Menschen kommen den Angaben zufolge unter anderem aus Ägypten, Bangladesch und Eritrea.

Bereits am Sonntag hatte SOS Méditerranée zwei Rettungsaktionen gemeldet. Vor der Küste von Malta nahm die "Ocean Viking" 71 Migranten auf. Sie hätten sich in einem überladenen Holzboot befunden, das drei Tage zuvor von der libyschen Küste aus gestartet war, hieß es. Vier Menschen hätten wegen ihres geschwächten Zustands auf Tragen vom Boot gerettet werden müssen. Zuvor hatten die Helfer nach eigenen Angaben 67 Menschen aus einem anderen "überfüllten Holzboot" gerettet.

Insgesamt absolvierten die Helfer der "Ocean Viking" nach eigenen Angaben seit dem vergangenen Donnerstag sechs Rettungseinsätze. Bei der ersten Rettungsaktion in der maltesischen Rettungszone seien die Helfer von einem sich nähernden libyschen Patrouillenboot gestört worden, teilte SOS Méditerranée mit. Nichtregierungsorganisationen erheben immer wieder schwere Vorwürfe gegen die libysche Küstenwache und fordern die EU auf, die Zusammenarbeit mit der Behörde zu beenden.

Angesichts der anhaltenden Krise im Mittelmeer forderte die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) die italienischen Behörden am Montag auf, das vor Sizilien liegende Rettungsschiff "Geo Barents" freizugeben. Das Schiff war nach einer 14-stündigen Inspektion am vergangenen Freitag im Hafen von Augusta festgesetzt worden. Die italienischen Behörden hatten dies mit technischen Mängeln an dem Schiff begründet.

MSF zeigte sich bereit, alle notwendigen Anpassungen vorzunehmen. Zugleich warf die Organisation den italienischen Behörden vor, die Kontrollen von Schiffen für politische Zwecke zu instrumentalisieren. "Die Inspektionen von NGO-Schiffen in italienischen Häfen sind langwierig und zielen darauf ab, Unregelmäßigkeiten zu finden, aufgrund derer verhindert werden kann, dass das Schiff zur Rettung von Menschenleben wieder in See sticht", erklärte MSF-Vertreter Duccio Staderini. "Wir sind mit einer erdrückenden Realität konfrontiert: Während NGO-Schiffe festgehalten werden, sterben im Mittelmeer weiterhin Menschen, obwohl wir es verhindern könnten."

Die tunesischen Behörden meldeten ihrerseits am Montag den Tod von 21 Flüchtlingen bei einem Bootsunglück. 50 Insassen des Bootes, das am Sonntag vor der Küste der Hafenstadt Sfax gekentert war, seien gerettet worden, teilte die Nationalgarde des Landes mit. Demnach stammten die Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen seit Jahresbeginn bereits mehr als 860 Migranten bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer ums Leben. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

(I.Beryonev--DTZ)

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