Deutsche Tageszeitung - Bewaffnete Angreifer entführen 140 Schüler aus Internat in Nigeria

Bewaffnete Angreifer entführen 140 Schüler aus Internat in Nigeria


Bewaffnete Angreifer entführen 140 Schüler aus Internat in Nigeria
Bewaffnete Angreifer entführen 140 Schüler aus Internat in Nigeria / Foto: ©

Im Nordwesten Nigerias haben bewaffnete Angreifer 140 Schüler aus einem Internat entführt. Von 165 Schülern, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Internat aufgehalten hätten, seien nur 25 den Entführern entkommen, sagte der Lehrer Emmanuel Paul von der betroffenen Bethel Baptist High School im Bundesstaat Kaduna am Montag der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben keine Ahnung, wohin die Schüler gebracht wurden."

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Die bewaffneten Männer seien über einen Zaun geklettert, um auf das Schulgelände zu gelangen, berichtete Paul. "Alles deutet darauf hin, dass sie zu Fuß gekommen sind."

Ein Polizeisprecher bestätigte den Angriff auf das Internat. Zur Zahl der entführten Schüler machte er keine Angaben. Polizeieinheiten seien den Entführern gefolgt, sagte er. "Wir befinden uns immer noch im Rettungseinsatz." 26 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden, darunter eine Lehrerin.

Seit Jahren mehren sich im Norden und Zentrum Nigerias die Angriffe krimineller Banden. Die von den Behörden als "Banditen" bezeichneten Gruppierungen entführen Schulkinder und Studenten, um Lösegeld zu erpressen, und sind auch für Plünderungen und Viehdiebstähle verantwortlich.

Der Angriff auf die Bethel Baptist High School war bereits der vierte dieser Art in Kaduna seit Dezember. Insgesamt wurden in Nigeria in den vergangenen acht Monaten mehr als tausend Schüler und Studenten entführt. Einige von ihnen befinden sich noch immer in der Gewalt ihrer Entführer. Hinzu kamen etliche weitere Angriffe auf Zivilisten. Allein in den vergangenen drei Tagen gab es in Kaduna drei Großangriffe, darunter am Sonntag auf ein Krankenhaus. Nach Polizeiangaben wurden acht Klinik-Mitarbeiter entführt.

Die Banden, die sich im riesigen Rugu-Wald organisieren, handeln vornehmlich aus finanziellen Motiven. Es gibt jedoch wachsende Bedenken, dass sie mit Dschihadisten kooperieren könnten. Diese kämpfen seit Jahren für einen islamistischen Staat im Nordosten Nigerias. In dem Konflikt wurden seit 2009 etwa 40.000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen weitere vertrieben.

Die nigerianische Luftwaffe hat in der Vergangenheit immer wieder die Camps krimineller Banden im Rugu-Wald angegriffen. In einigen Bundesstaaten versuchen die Behörden derweil mit den Anführern der Gruppierungen über eine Entwaffnung zu verhandeln. Vereinbarungen zwischen den Banden und den lokalen Behörden scheiterten bislang aber stets.

Die Regierung von Nigerias Präsident Muhammadu Buhari steht den Verhandlungen in der Regel ablehnend gegenüber. Sie argumentiert, dass die Banden nicht durch Straferlasse belohnt werden dürften. Auch der Gouverneur von Kaduna, Nasir Ahmad El-Rufai, gilt als kategorischer Gegner von Verhandlungen mit kriminellen Banden und lehnt Lösegeld-Zahlungen in Entführungsfällen vehement ab.

Die regelmäßigen Angriffe auf Schulen haben im von großer Armut geprägten Nordwesten Nigerias auch dramatische Auswirkungen auf die Bildungssicherheit von Kindern. Weil sie die Sicherheit der Schulen und Internate nicht gewährleisten konnten, schlossen örtliche Behörden in der Region zuletzt zahlreiche Einrichtungen. "In einem Land, in dem rund 13,2 Millionen Kinder keine Schule besuchen - dem höchsten Wert weltweit -, verschlimmern diese Entführungen die Situation noch", sagte die Leiterin des Zentrums für Demokratie und Entwicklung in Abuja, Idayat Hassan, der Nachrichtenagentur AFP.

(V.Sørensen--DTZ)

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