Deutsche Tageszeitung - Afghanische Armee kündigt Offensive gegen vorrückende Taliban an

Afghanische Armee kündigt Offensive gegen vorrückende Taliban an


Afghanische Armee kündigt Offensive gegen vorrückende Taliban an
Afghanische Armee kündigt Offensive gegen vorrückende Taliban an / Foto: ©

Die afghanische Armee will die vorrückenden Taliban im Norden des Landes mit einer Gegenoffensive zurückdrängen. "Wir planen eine große Offensive, um die verlorenen Gebiete vom Feind zurückzuerobern", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Hunderte Soldaten und regierungstreue Milizionäre wurden in den Provinzen Tachar und Badachschan zusammengezogen, wo die radikalislamischen Taliban zuletzt ohne nennenswerte Gegenwehr bedeutende Gebietsgewinne erzielen konnten.

Textgröße ändern:

Nach Angaben aus afghanischen Sicherheitskreisen wollen sich die Regierungstruppen darauf konzentrieren, größere Städte, wichtige Straßen und Grenzposten zu sichern. Die Kämpfe in dem Land hatten sich inmitten des Abzugs der Nato-Truppen zuletzt ausgeweitet. Die Taliban sind in vielen Landesteilen auf dem Vormarsch, alleine im Norden Afghanistans eroberten sie in den vergangenen Wochen dutzende Bezirke.

"Es herrscht Krieg", sagte Afghanistans nationaler Sicherheitsberater Hamdullah Mohib. "Manchmal entwickeln sich die Dinge zu unseren Gunsten und manchmal tun sie es nicht." Die Armee werde dafür kämpfen, die Bezirke von den Taliban zurückzuerobern.

Die Einnahme weiter Teile von Badachschan und Tachar durch die Taliban bedeutet für die afghanischen Streitkräfte eine dramatische Niederlage von hoher symbolischer Bedeutung. Beide Provinzen galten während des Bürgerkriegs in den 1990er Jahren als zentrale Bollwerke der gegen die Taliban agierenden Nordallianz. Inzwischen liegt nur noch in den Provinzhauptstädten die Kontrolle bei den afghanischen Streitkräften.

Berichten zufolge gelang den Taliban außerdem die Einnahme von strategisch wichtigen Bezirken außerhalb der südafghanischen Großstadt Kandahar sowie in der Provinz Helmand - beides traditionell Hochburgen der Islamisten.

In den Online-Netzwerken luden Taliban-Anhänger zahlreiche Videos von Soldaten hoch, die sich ergeben und den Aufständischen ihre Waffen und ihre Ausrüstung aushändigen. Die Regierung veröffentlichte ihrerseits Videos, die Luftangriffe auf Stellungen der Taliban zeigen sollen.

Beobachter befürchten, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der Nato-Streitkräfte aus Afghanistan wieder die Macht in dem Land übernehmen könnten. Die Friedensgespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung kommen nicht voran. Die Lage verschärfte sich weiter, nachdem die USA am Freitag die Übergabe des Luftwaffenstützpunkts in Bagram an die afghanische Armee bekanntgegeben hatten, der als Hauptquartier der US-Streitkräfte in dem Land diente.

Die US-Luftwaffe war für die afghanischen Truppen bislang ein zentraler Faktor im Kampf gegen die Taliban. Beobachter fürchten, dass die Armee ohne diese Unterstützung nicht in der Lage sein wird, den Vormarsch der Taliban zu stoppen. Der nationale Sicherheitsberater Mohib betonte am Dienstag aber, dass die afghanische Luftwaffe sich derzeit neu aufstelle und dann die Bodentruppen wieder besser unterstützen könne.

In der Nacht zum Montag waren mehr als tausend afghanische Soldaten nach heftigen Kämpfen mit den Taliban in der Provinz Badachschan ins benachbarte Tadschikistan geflohen. Der tadschikische Präsident Emomali Rachmon ordnete daraufhin die Mobilisierung von 20.000 Reservisten an. Sie sollten für einen stärkeren Schutz der Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan sorgen, teilte die Präsidentschaft am Montagabend mit.

Russland schloss wegen der sich verschlechternden Sicherheitslage unterdessen sein Konsulat im nordafghanischen Masar-i-Scharif. Der russische Afghanistan-Gesandte Samir Kabulow sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass, die Situation verändere sich "schnell". "Die afghanischen Truppen haben zu viele Bezirke aufgegeben. Dies sorgt natürlich für Nervosität", sagte er. "Viele" Konsulate in Masar-i-Scharif hätten "vorübergehend ihre Aktivitäten ausgesetzt, bis die Lage klar ist". Aus Masar-i-Scharif waren erst Ende Juni die letzten Bundeswehrsoldaten nach Deutschland zurückgekehrt.

Ein Sprecher der russischen Botschaft in Kabul sagte, Moskau plane nicht die Räumung der diplomatischen Vertretung. "Die Botschaft ist gut verteidigt", sagte Nikita Ischtschenko der Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Vor Trump-Reise: USA und China beraten über Handel

Gut zwei Wochen vor einer geplanten China-Reise von US-Präsident Donald Trump nehmen die beiden Länder ihre Handels- und Wirtschaftsgespräche wieder auf. US-Finanzminister Scott Bessent will nach Angaben beider Seiten am Sonntag und Montag in Paris mit dem stellvertretenden chinesischen Regierungschef He Lifeng zusammenkommen. Zu dem Treffen wird auch Trumps Handelsbeauftragter Jamieson Greer erwartet.

Rund 4,7 Millionen Menschen zur Kommunalwahl in Hessen aufgerufen

In Hessen sind am Sonntag (08.00 Uhr) gut 4,7 Millionen Menschen zur Kommunalwahl aufgerufen. Gewählt werden die Parlamente der Landkreise und der Gemeinden. Dazu zählen auch Ortsbeiräte. Insgesamt gibt es Abstimmungen in 421 Städten und Gemeinden sowie 21 Landkreisen, darunter in der Metropole Frankfurt am Main und der Landeshauptstadt Wiesbaden. Das System der Kommunalwahl ist komplex.

Frankreichs Kommunalwahlen als Stimmungstest für Präsidentschaftswahl 2027

Gut ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl findet am Sonntag die erste Runde der französischen Kommunalwahlen statt. Die Wähler bestimmen die Gemeinde- und Stadträte der etwa 35.000 Kommunen des Landes und damit indirekt deren Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Die Wahl gilt als politischer Stimmungstest, auch wenn sich das Ergebnis nur eingeschränkt auf die Nation übertragen lässt.

Staatsmedien: Kim beaufsichtigt Test von hochmodernem Mehrfachraketenwerfer

Nordkorea hat Staatsmedien zufolge einen Test seines atomwaffenfähigen Mehrfachraketenwerfersystems ausgeführt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag berichtete, beaufsichtigte Machthaber Kim Jong Un den Test am Samstag, an dem "zwölf hochpräzise Mehrfachraketenwerfer vom Kaliber 600 Millimeter sowie zwei Artilleriekompanien beteiligt waren". KCNA zitierte Kim mit den Worten, die Übung werde den Feinden Pjöngjangs "innerhalb der 420-Kilometer-Reichweite" ein Gefühl der "Unruhe" sowie "ein tiefes Verständnis für die Zerstörungskraft taktischer Atomwaffen" vermitteln.

Textgröße ändern: